B

 

Die fünf Phasen des deutschen Imperialismus

 

 

I

1871 - 1918

47 Jahre losgelassen

 

  

 

Die drei wichtigsten Gestalten des

deutschen Imperialismus in seiner ersten Phase:

Wilhelm II., Bismarck, Bethmann

 

 

28. Jan. 1871

Deutscher Einmarsch in der französischen Hauptstadt Paris.

6. Feb. 1871

Der badische Großherzog Friedrich I. fordert eine deutsche Annexion der französischen Kolonien Martinique und Cochinchine.

„Cochinchina in unseren Händen und Saigon als Zentralplatz der Marine im Fernen Osten, würden Deutschland mit einem Schlage eine bedeutende Machtstellung in Ostasien geben.“ ― Friedrich I., badischer Großherzog, 6. Feb. 1871 (Wehler, Bismarck und der Imperialismus, S. 204)

26. Feb. 1871

Der deutsche „Vorfrieden“ mit Frankreich wird im französischen Versailles abgeschlossen. Ende des „Deutsch-Französischen Kriegs“ mit rund 215,000 Toten.

„Frankreich muss so geschwächt werden, dass es auf lange Zeit verhindert wird, einen entscheidenden Einfluss auf das Geschick der Völker auszuüben.“ ― Friedrich von Hohenzollern-Sigmaringen, preußischer Thronfolger, 12. Aug. 1870 (Dollinger, Das Kaiserreich, S. 80)

Friedrich III.

Preußischer König 1888

Deutscher Kaiser 1888

21. Mär. 1871

Bildung der ersten deutschen Regierung. Der preußische Ministerpräsident Bismarck wird Kanzler. Hermann von Thile wird Außenstaatssekretär (bis 1919 gibt es keine Minister).

27. Apr. 1871

Denkschrift des deutschen Generalstabs über einen Zweifrontenkrieg gegen Frankreich und Russland.

10. Mai 1871

Der „Frieden von Frankfurt“ wird abgeschlossen. Frankreich muss Deutschland mehrere Milliarden Franc Reparationen zahlen und Gebiete abtreten.

„Möge die Aufgabe des deutschen Volkes fortan darin beschlossen sein, sich in dem Wettkampfe um die Güter des Friedens als Sieger zu erweisen.“ ― Wilhelm I., deutscher Kaiser, 21. Mär. 1871 (Lamprecht, Deutsche Geschichte, XI, S. 563)

Wilhelm I.

Preußischer König 1861-88

Norddeutscher Präsident 1867-71

Deutscher Kaiser 1871-88

10. Mai 1871

Deutsche Annexion der französischen Ämter Bas-Rhin, Haut-Rhin und Moselle sowie von Teilen der besetzten Ämter Meurthe-et-Moselle und Vosges als „Elsass-Lothringen“.

„Wenn die ehemals deutschen Provinzen Lothringen und Elsass erobert [sind], so ist es auch denkbar, dass wir sie behalten.“ ― Helmuth von Moltke, preußischer Generalstabschef, über die weitere Zukunft der besetzten französischen Ämter Bas-Rhin, Haut-Rhin und Moselle, 1861 (Moltke, Militärische Werke, I/b, S. 35)

19. Okt. 1871

Nach einer Kneipenschlägerei werden in der brasilianischen Hauptstadt Rio de Janeiro deutsche Soldaten des Kriegsschiffs „Nymphe“ verhaftet. Zur sofortigen Freipressung der Gefangenen plant die deutsche Regierung die Entsendung eines „Atlantischen Evolutionsgeschwaders“ der Kaiserlichen Marine. Im Jan. 1872 werden die Täter freigelassen.

Dez. 1871

Ein deutsches Kriegsschiff prüft die dominikanische Samaná-Bucht auf ihre Eignung als Marinestützpunkt.

1872

Die Demonstration eines deutschen Kriegsschiffs nötigt die Regierung von Tituila zur Zahlung einer Buße.

1. Jan. 1872

Albrecht von Stosch wird erster deutscher Admiralitätsstaatssekretär.

Feb. 1872

Der deutsche Botschafter in Japan, Max von Brandt, schlägt Admiralitätsstaatssekretär Stosch den Erwerb eines neuen Marinestützpunkts in Ostasien vor.

Apr. 1872

Eine Denkschrift über zu annektierende Stützpunkte für die deutsche Kaiserliche Marine im Pazifischen Ozean und im Karibischen Meer entsteht. Ziele sind die Anambas-Inseln (niederländische Kolonie Indië), die Culebra-Insel (spanische Kolonie Puerto Rico) und die Montebello-Inseln (britische Kolonie New South Wales).

„Die maritimen Interessen, welche Deutschland im transozeanischen Ausland in so hohem Grade hat, sollten keine Benachteiligung erfahren. Der Erwerb einiger gesicherter Stützpunkte für Flottenoperationen im Ausland […] darf daher nicht aus dem Auge verloren werden.“ ― Albrecht von Stosch, deutscher Admiralitätsstaatssekretär, 6. Mai 1872 (Wehler, Bismarck und der Imperialismus, S. 205)

Stosch

Deutscher Admiralitätsstaatssekretär 1872-83

11. Jun. 1872

Nach Ablehnung eines Ultimatums wegen Reparationsforderungen durch die haitianische Regierung besetzten deutsche Kommandos im Hafen der Hauptstadt Port-au-Prince Schiffe der haitianischen Kriegsmarine. Die Regierung zahlt daraufhin die Forderung.

1. Jan. 1873

Der preußische Kriegsminister Roon wird Ministerpräsident.

1873

Wegen des „III. Karlistenkriegs“ wird ein Geschwader der deutschen Kaiserlichen Marine nach Spanien entsandt.

24. Apr. 1873

Eine Militärkonvention Deutschlands mit Russland wird in Sankt Petersburg abgeschlossen.

 

Verhandlungen in Sankt Petersburg

25. Jul. 1873

Im „III. Karlistenkrieg“ entert ein deutsches Kommando das von Rebellen besetzte spanische Kriegsschiff „Vigilante“ und entwaffnet die Besatzung.

1. Aug. 1873

Im „III. Karlistenkrieg“ entern deutsche Kommandos die von Rebellen besetzten spanischen Kriegsschiffe „Vitoria“ und „Almansa“ und entwaffnen die Besatzungen.

9. Okt. 1873

Bernhard von Bülow wird deutscher Außenstaatssekretär.

22. Okt. 1873

Das so genannte „Zweikaiserbündnis“ Österreich-Ungarns mit Russland wird durch die Beitrittserklärung Deutschlands bis 1881 zum „Dreikaiserbündnis“.

Verhandlungen in Berlin

„Allianz mit Österreich. Das, meine Herren, ist die einzige jetzt mögliche Verwirklichung der großdeutschen Idee.“ ― Otto von Bray-Steinburg, bayerischer Ministerratschef, Jan. 1871 (Lamprecht, Deutsche Geschichte, XI, S. 608)

9. Nov. 1873

Georg von Kameke wird preußischer Kriegsminister. Kanzler Bismarck wird erneut preußischer Ministerpräsident.

Jan. 1874

Ein deutsches Kriegsschiff prüft die Culebra-Insel (spanische Kolonie Puerto Rico) auf ihre Eignung als Marinestützpunkt.

Apr. 1875

Verstärkte antifranzösische Propaganda in der deutschen Presse wegen des Pariser „Cadres-Gesetzes“.

Apr. 1875

Von Deutschland inszenierte „Krieg-in-Sicht-Krise“ mit Frankreich, die durch einen Artikel in der Tageszeitung „Die Post“ („Ist der Krieg in Sicht?“) vom 8. Apr. 1875 ausgelöst wird. Generalstabschef Moltke tritt für einen sofortigen Angriff auf Frankreich ein.

„Der große Zweck des Krieges kann für uns nur sein, endlich den Vulkan zu schließen, der seit einem Jahrhundert Europa durch seine Kriege wie durch seine Revolutionen erschüttert.“ ― Helmuth von Moltke, deutscher Generalstabschef, über einen deutschen Angriff auf Frankreich, 1873 (Moltke, Die deutschen Aufmarschpläne, S. 20)

10. Mai 1875

Nach diplomatischen Interventionen Großbritanniens und Russlands fährt die deutsche Regierung ihre Kriegspropaganda gegen Frankreich herunter.

1876

Der österreichische Unternehmer Gustav von Overbeck fordert von der deutschen Regierung Schutz für seine Erwerbungen im suluanischen Sabah, was jedoch wegen Bedenken vor einem Konflikt mit Großbritannien abgelehnt wird.

Jun. 1876

Der Koloniallobbyist Ernst von Weber drängt den deutschen Kanzler Bismarck zur Annexion der südafrikanischen Buchten Sint Lucia und Delagoa.

25. Jun. 1876

Nach Unruhen im türkischen Selanik schickt die deutsche Regierung neun Kriegsschiffe ins Ägäische Meer.

1. Jul. 1876

Das besetzte dänische Herzogtum Lauenborg wird als „Lauenburg“ endgültig an Preußen angeschlossen.

Jan. 1877

Eine neue deutsche Kriegspanik mit Frankreich bricht nach dem Scheitern der Konferenz in der türkischen Hauptstadt İstanbul aus.

3. Jan. 1877

Militärische Auseinandersetzung zwischen einem norddeutschen Kriegsschiff und venezolanischen Truppen.

11. Mär. 1877

Ein Vertrag Deutschlands mit Spanien über Handelszonen im Pazifischen und Indischen Ozean wird abgeschlossen. Spanien muss die vollständige Freiheit des deutschen Handels hinnehmen.

24. Apr. 1877

Ausbruch des „IX. Russischen Türken-Kriegs“.

Sep. 1877

In der so genannten „Eisenstuck-Affäre“ bittet das deutsche Auswärtige Amt die Admiralität um Entsendung von Kriegsschiffen nach Nicaragua.

1878

Die deutsche Kaiserliche Marine sichert sich Kohlestationen auf den Duke-of-York-Inseln Mioko und Makado.

1878

Auf Veranlassung des Unternehmers Clemens Denhardt „bittet“ Witu erneut um deutschen „Schutz“.

Jan. 1878

Montenegro und Serbien greifen in den „IX. Russischen Türken-Krieg“ ein.

19. Feb. 1878

Der deutsche Kanzler Bismarck bietet sich im „IX. Russischen Türken-Krieg“ als „ehrlicher Makler“ an.

3. Mär. 1878

Der „Frieden von San Stefano“ beendet den „IX. Russischen Türken-Krieg“.

17. Mär. 1878

In der so genannten „Eisenstuck-Affäre“ werden drei deutsche Kriegsschiffe in nicaraguanische Hoheitsgewässer entsandt.

„Die Kriegsvorbereitungen gegen Nicaragaua waren in vollem Gange, es wurde das Landungskorps gebildet.“ ― Carl Paschen, deutscher Korvettenkapitän, 1908 (Paschen, Aus der Werdezeit zweier Marinen, S. 193)

18. Mär. 1878

Landung deutscher Truppen in Nicaragua. Zu einem Vorstoß ins Landesinnere kommt es jedoch nicht.

20. Mär. 1878

Der deutsch-nicaraguanische Konflikt droht sich auszuweiten, als Korevettenkapitän Friedrich Hollmann einen britischen Schooner vor San Juan del Norte aufbringt und dessen Ladung beschlagnahmt. Zwei Wochen später reagiert die britische Regierung mit der Entsendung eines Kriegsschiffs an die nicaraguanische Küste.

13. Jun. 1878

Eröffnung des „Berliner Kongresses“ zur Neuordnung des Balkans.

13. Jul. 1878

Der „Berliner Kongress“ zur Neuordnung des Balkans endet mit dem Abschluss des „Berliner Traktats“. Während Österreich-Ungarn den türkischen Regierungsbezirk Hodide besetzen darf muss sich Russland aus dem Balkan zurückziehen.

Verhandlungen in Berlin

„Der [russische] Kaiser [Aleksandr II.] habe im Ganzen die Kongresstätigkeit bezeichnet als die europäische Koalition gegen Russland, unter Führung des Fürsten Bismarck. Er habe ferner gesagt: der Gewinn ist allein für Österreich, das war die Absicht der deutschen Politik.“ ― Josef von Radowitz, deutscher Botschafter in Russland, 8. Aug. 1878 (Dollinger, Das Kaiserreich, S. 148)

 

„Ich meinerseits habe immer Misstrauen gegen ihn [= Bismarck] gehegt und ihm niemals ein Wort von dem, was er mich wissen ließ oder selbst mir sagte, geglaubt, denn ich wusste genau, dass er mich immer anführte.“ ― Aleksandr II., russischer Kaiser, 1890 (Wilhelm II., Ereignisse und Gestalten, S. 16)

 

„Jetzt fahre ich Europa vierelang vom Bock.“ ― Otto von Bismarck-Schönhausen, deutscher Kanzler, zu den Ergebnissen des „Berliner Kongresses“, Jul. 1878 (Wilhelm II., Ereignisse und Gestalten, S. 10)

11. Nov. 1878

Beginn der deutschen Einflussnahme auf den zur spanischen Kolonie der Marshall-Inseln gehörenden Ralik-Inseln.

29. Nov. 1878

Einrichtung einer deutschen Kohlestation auf den Bonham-Inseln.

24. Jan. 1879

Deutschland erhält von der samoanischen Regierung das Exklusivrecht über den Hafen Saluafuata als Marinestützpunkt.

„Ein hervorstechendes Interesse der deutschen Politik liegt […] darin zu verhüten, dass Amerika und England sich hier [im Pazifik] als Kolonialmächte festsetzen und die deutschen Interessen verdrängen.“ ― Ludwig Bamberger („Deutsch-fortschrittliche Partei“ – DFP), deutscher Abgeordneter, 13. Jun. 1879 (Wehler, Bismarck und der Imperialismus, S. 214)

5. Apr. 1879

Ausbruch des so genannten „Salpeter-Kriegs“ durch eine chilenische Kriegserklärung an Bolivien und Peru. Sofort beginnt in Deutschland eine Kampagne für ein Eingreifen der Kaiserlichen Marine zum „Schutz“ deutscher Niederlassungen an der südamerikanischen Pazifikküste. Deutsche Diplomaten machen aus ihrer Parteinahme für den Aggressor Chile kein Geheimnis.

„Im Interesse Deutschlands, Europas und der Zivilisation ist ein Sieg Chiles zu wünschen.“ ― … von Gülich, deutscher Botschafter in Chile, 19. Mai 1879 (Wiechmann, Die preußisch-deutsche Marine in Lateinamerika, www.bis.uni-oldenburg.de)

Apr. 1879

Die „Luxor-Affäre“ verschlechtert das deutsch-peruanische Verhältnis. Dem deutschen Dampfer „Luxor“ wird nach seiner Ankunft im peruanischen Callao eine Waffenlieferung aus Uruguay ins chilenische Valparaiso nachgewiesen.

Sommer 1879

Nach dem „Freundschaftsvertrag“ vom 22. Mai 1879 beginnen verstärkte Bemühungen der deutschen Regierung, Samoa als Kolonie zu gewinnen.

„Dass die Samoainseln in der Linie Panama-Australien liegen und mit der Eröffnung des [Panamá-]Kanals an Wert bedeutend gewinnen werden, halte ich für einen Punkt von zweifellos […] hoher Bedeutung.“ ― Herbert von Bismarck-Schönhausen, deutscher Botschafter in Großbritannien, 2. Sep. 1885 (Wehler, Bismarck und der Imperialismus, S. 216)

Bismarck

Deutscher Außenstaatssekretär 1885-90

8. Jul. 1879

Der Deutsche Alexander von Battenberg wird als Aleksandur I. bulgarischer Fürst.

7. Okt. 1879

Der so genannte „Zweibund“ wird zwischen Deutschland und Österreich-Ungarn abgeschlossen.

Nov. 1879

Deutschland beginnt seine Versuche, das Meistbegünstigungsrecht der „Vereinigten Staaten von Amerika“ (USA) in Hawaii mit Geheimverhandlungen zu untergraben.

1880

Admiral Reinhold von Werner schlägt der deutschen Regierung den Erwerb der niederländischen Kolonie Curaçao zur Einrichtung eines Marinestützpunkts vor.

1881

Gründung des „Allgemeinen deutschen Schulvereins zur Erhaltung des Deutschtums im Ausland“.

1881

Ein deutsches Kriegsschiff beschießt das liberianische Nana Kru wegen angeblicher „Beraubung eines deutschen Schiffes“. An die liberianische Regierung wird ein Ultimatum für Reparationszahlungen, unter Androhung einer Beschießung der Hauptstadt Monrovia gestellt. Liberia zahlt die geforderte Summe.

1881

Ein deutsches Kriegsschiff beschießt tuktubische Ortschaften auf der New-Ireland-Insel.

18. Jun. 1881

Erneuerung des „Dreikaiserbündnisses“ zwischen Deutschland, Österreich-Ungarn und Russland.

„Unverkennbar sind die Vorteile, welche für Österreich wie für Deutschland erwachsen, wenn beide das Anschwellen der russischen Heeresmacht nicht abwarten, sondern sofort angriffsweise verfahren.“ ― Helmuth von Moltke, deutscher Generalstabschef, 1880 (Moltke, Die deutschen Aufmarschpläne, S. 97)

16. Jul. 1881

Paul von Hatzfeld wird deutscher Außenstaatssekretär.

1882

Eine deutsche Militärmission wird in die Türkei entsandt.

1882

Ein deutsches Kriegsschiff beschießt das britische Lagos.

1882

Deutsche Kriegsschiffe beschießen einen chinesischen Hafen.

1882

Deutsche Kriegsschiffe beschießen die Hermit-Inseln vor New Guinea.

1882

Treffen des deutschen Generals Alfred von Waldersee mit einem österreichischen Kollegen in Strobl. Man ist sich über einen gemeinsamen Angriff auf Russland einig.

„Vorwärts im Verein mit Österreich und lieber morgen als übermorgen.“ ― Alfred von Waldersee, deutscher Generalquartiermeister, über einen deutschen Angriff auf Russland, 25. Nov. 1887 (Waldersee, Briefwechsel, S. 23)

Waldersee

Deutscher Generalstabschef 1888-91

20. Mai 1882

Der „Zweibund“ Deutschlands und Österreich-Ungarns wird durch Beitritt Italiens zum „Dreibund“.

6. Dez. 1882

Gründung des „Deutschen Kolonialvereins“ (DKV).

„Neben der praktischen Förderung von Handelsstationen als Ausgangspunkt für größere Unternehmen sowie wirtschaftlicher Niederlassungen anderer Art über See erblickt der Verein seine Hauptaufgabe in der Klärung der öffentlichen Meinung.“ ― Aus der Gründungsschrift des DKV, 15. Jan. 1883 (Dollinger, Das Kaiserreich, S. 156)

1883

Ein deutsches Kriegsschiff beschießt die chinesischen Pengu-Inseln.

1883

Eine Militärkonvention Deutschlands mit Österreich-Ungarn und Rumänien wird abgeschlossen.

1883

Der deutsche Generaloberst Colmar von der Goltz wird Leiter des militärischen Erziehungswesens der Türkei.

12. Jan. 1883

Der deutsche Unternehmer Adolf Lüderitz fordert vom Auswärtigen Amt Schutz für seine Besitzungen in Südwestafrika.

3. Mär. 1883

Paul Bronsart wird preußischer Kriegsminister.

4. Mär. 1883

Der deutsche Unternehmer Eduard Woermann reicht im Auswärtigen Amt eine Denkschrift über die „Gestaltung der politischen Verhältnisse an der Westküste Afrikas und Mitwirkung des Reichs bei denselben“ ein.

20. Mär. 1883

Leo von Caprivi wird deutscher Admiralitätsstaatssekretär.

2. Apr. 1883

Eine deutsche Expedition landet in der Angra-Pequeña-Bucht in Südwestafrika.

1. Mai 1883

Erwerbung der Angra-Pequeña-Bucht in Südwestafrika durch den deutschen Unternehmer Lüderitz von der dort ansässigen namanischen Bevölkerung.

Jul. 1883

Die „Hamburger Handelskammer“ beantragt deutschen Schutz für ihre Besitzungen in Cameroun.

Aug. 1883

Der deutsche Unternehmer Lüderitz erwirbt den südwestafrikanischen Küstenstreifen vom Oranje bis zur Angra-Pequeña-Bucht in einer Tiefe von 150 km landeinwärts.

16. Nov. 1883

Der deutsche Unternehmer Lüderitz fordert erneut deutschen Schutz für seine Besitzungen in Südwestafrika.

1884

Deutsche Besetzung der samoanischen Hauptstadt Apia. Samoa wird künftig von Deutschland, Großbritannien und den USA gemeinsam verwaltet.

24. Jan. 1884

Mission eines deutschen Kriegsschiffs zur südwestafrikanischen Angra-Pequeña-Bucht.

Feb. 1884

Ein deutsches Kriegsschiff nimmt den König von Aneho, Kojovi Jiyewe, als Geisel. Man fordert ihn auf, ein Gesuch an Kaiser Wilhelm I. zu richten in dem er um deutschen „Schutz“ bittet. Der König bleibt standhaft, so dass es nicht zu einer „legalen“ deutschen Annexion Anehos kommt.

„Afrika hat mehr als 200,000 Quadratmeilen, mutmaßlich niemals von einem Weißen betreten; sie warten auf Deutschland, auf Preußens bildende Hand. […] Afrika ist der Schlüssel zur Welt, mutmaßlich hat ihn die Vorsehung für Deutschland bestimmt.“ ― Willibald Huger, preußischer Offizier, 1847 (Gründer, Da und dort ein junges Deutschland gründen, S. 44)

20. Mär. 1884

Gründung der „Deutsch-ostafrikanischen Gesellschaft“ (DOAG).

20. Mär. 1884

Das Auswärtige Amt rät dem Unternehmer Lüderitz, auch noch den südwestafrikanischen Küstenstreifen nördlich der Angra-Pequeña-Bucht bis zur Südgrenze der portugiesischen Kronkolonie Angola zu erwerben.

28. Mär. 1884

Gründung der „Gesellschaft für Deutsche Kolonisation“.

„Die deutsche Nation ist bei der Verteilung der Erde, wie sie vom Ausgang des 15. Jahrhunderts bis auf unsere Tage hin stattgefunden hat, leer ausgegangen.“ ― Aus der Gründungsschrift der „Gesellschaft für deutsche Kolonisation“, 28. Mär. 1884 (Dollinger, Das Kaiserreich, S. 156)

Apr. 1884

Der deutsche Unternehmer Friedrich Colin fordert Schutz für seine Besitzungen am Doubreka im französischen Territorium Riviéres du Sud.

8. Apr. 1884

Denkschrift des deutschen Legationsrats Henrich von Kusserow zur Erwerbung von Kolonien im südlichen Afrika.

24. Apr. 1884

Die deutsche Regierung sichert dem Unternehmer Lüderitz Schutz für seine Besitzungen in Südwestafrika zu. Damit de facto Annexion der Angra-Pequeña-Bucht und der angrenzenden Küste Südwestafrikas als Protektorat „Deutsch-Südwestafrika“.

Deutsche Truppen in Südwestafrika

„Lieb soll es mir sein, wenn der ganze Grund ein kolossales Erzlager ist, so dass meinethalben ein Loch aus dem ganzen Gebiet wird durch den Abbau der Erze.“ ― Adolf Lüderitz, deutscher Unternehmer, über seine Besitzungen in Südwestafrika, 1884 (Lüderitz, Die Erschließung von Deutsch-Südwestafrika, S. 105 f)

 

„Unsere Produktion an Waren braucht einen Export, und da ist eine gewisse Begeisterung für Kolonien natürlich.“ ― Ludwig Windthorst („Deutsche Zentrumspartei“ – Zentrum), deutscher Abgeordneter, 18. Mai 1884 (Wehler, Bismarck und der Imperialismus, S. 171)

28. Apr. 1884

Besprechung Kanzler Bismarcks mit deutschen Afrika-Unternehmern. Der Unternehmer Colin fordert Annexionen im französischen Territorium Riviéres du Sud.

Mai 1884

Der deutsche Unternehmer Lüderitz schickt einen Beauftragten ins britische Protektorat Zululand, um dort Gebiete zu erwerben.

19. Mai 1884

Der spätere deutsche Kommissar Gustav Nachtigal wird von der Regierung ins französische Territorium Riviéres du Sud beordert, um mit der dortigen baganischen Bevölkerung einen „Schutzvertrag“ zu unterzeichnen. Das Unternehmen wird aufgrund der bereits bestehenden französischen Ansprüche abgebrochen.

26. Mai 1884

Gründung der „Deutschen Neuguinea-Kompanie“.

Jun. 1884

Der deutsche Unternehmer Colin schließt Niederlassungsverträge mit Kobitai und Koba im französischen Territorium Riviéres du Sud ab.

5. Jul. 1884

Nach den vergeblichen Versuchen zur Annexion von Agbodrafo und Aneho gelingt Deutschland der Abschluss von „Schutzverträgen“ mit Togo und damit die Annexion von Togo und weiteren Orten als Protektorat „Deutsch-Togoland“. Durch Verträge mit Frankreich (1887, 1897, 1912) und Großbritannien (1890, 1899) erhält das Protektorat seine endgültigen Grenzen.

 

Deutsche Truppen in Togo

11. Jul. 1884

Das camerounische Bimbia unterstellt sich deutschem „Schutz“.

13. Jul. 1884

Deutsche Annexion von Cameroun und Bamoun als Protektorat „Deutsch-Nordwestafrika“. Durch Verträge mit Frankreich (1885, 1894, 1902) und Großbritannien (1885, 1886, 1893) erhält das Protektorat seine endgültigen Grenzen.

Deutsche Truppen in Cameroun

„Kamerun ist jetzt deutsch, und wird es nun auch hoffentlich immer bleiben.“ ― Adolph Woermann, deutscher Unternehmer, Jul. 1884 (Dollinger, Das Kaiserreich, S. 157)

Woermann

Ein Vordenker des deutschen Imperialismus

 

„Auch Deutschland hat, gleich England und Frankreich die Pflicht, der deutschen Industrie neue Absatzgebiete zu schaffen.“ ― Johann Dietz („Sozialistische Arbeiterpartei Deutschlands“ – SAPD), deutscher Abgeordneter, 12. Dez. 1884 (Wehler, Bismarck und der Imperialismus, S. 175 f)

Sommer 1884

In der britisch-russischen Nahostkrise versucht die deutsche Regierung, einen Krieg zwischen den beiden Staaten hervorzurufen.

„Ein Krieg zwischen England und Russland wäre ja von unserem Standpunkt nur wünschenswert.“ ― Otto von Bismarck-Schönhausen, deutscher Kanzler, Aug. 1884 (Wehler, Bismarck und der Imperialismus, S. 227)

 

„Der Fürst [Bismarck] sagte mir einmal, sein Hauptaugenmerk sei, Russland und England nicht zu einem Einverständnis kommen zu lassen.“ ― Wilhelm II., ehemaliger deutscher Kaiser, 1922 (Wilhelm II., Ereignisse und Gestalten, S. 9)

Wilhelm II.

Preußischer König 1888-1918

Deutscher Kaiser 1888-1918

7. Aug. 1884

Erste deutsche Truppen landen im besetzten Südwestafrika. Deutsche Kriegsschiffe stellen gleichzeitig das Gebiet zwischen der Angra-Pequeña-Bucht und dem Kunene unter „Schutz“.

Aug. 1884

Die Absicht der deutschen Regierung die New-Britain-Insel und die Nordostküste New Guineas zu besetzen wird öffentlich.

5. Sep. 1884

Deutscher „Schutzvertrag“ mit Porto Seguro, das an „Deutsch-Togoland“ angeschlossen wird.

1. Okt. 1884

Aufbruch der ersten deutschen Wazagara-Expedition ins Innere Tanganyikas. „Schutzverträge“ mit Wakami, Wanguru, Wazagara (4. Dez. 1884) und Wazeguha werden abgeschlossen.

Okt. 1884

Der deutsche Unternehmer Colin wendet sich an die Regierung, um Schutz für seine Besitzungen im französischen Territorium Riviéres du Sud zu fordern.

28. Okt. 1884

Ein deutscher „Schutzvertrag“ mit der namanischen Bevölkerung von Bethanien wird im besetzten Südwestafrika abgeschlossen.

1. Nov. 1884

Die Landungskorps zweier deutscher Kriegsschiffe besetzen das melanesische Matupi.

3. Nov. 1884

Verkündung des deutschen Protektorats über das nordöstliche New Guinea. Auf der Henderson-Insel wird die deutsche Flagge gehisst.

Nov. 1884

Im tanganyikanischen Hinterland von Sadani und Bagamoyo werden „Schutzverträge“ mit Deutschland abgeschlossen.

Nov. 1884

Die deutsche Regierung sagt Schutz für deutsche Besitzungen in der Sangareah-Bucht im französischen Riviéres du Sud zu.

13. Nov. 1884

Adolf Schiel, der selbsternannte Staatssekretär des Königs Dinuzulu, verkündet die Unterstellung das gesamten britischen Protektorats Zululand unter deutsches Protektorat, um die Zulus „vor dem Zugriff der Buren oder Engländer zu schützen“.

25. Nov. 1884

Lüderitz’ Beauftragter August Einwald meldet den „Kauf der Zulu-Küste“. Lüderitz bittet das Auswärtige Amt um deutschen Schutz, den Kanzler Bismarck zusagt.

Dez. 1884

Der deutsche Kanzler Bismarck fordert eine Westgrenze des besetzten südwestafrikanischen Gebiets bis zum 24. Längengrad, was etwa 50% des britischen Protektorats Bechuanaland beinhaltet.

18. Dez. 1884

Großbritannien unterbindet die deutschen Kolonialambitionen in Zululand mit dem hissen des Union Jack in der Sint-Lucia-Bucht.

„Auch in Südostafrika trifft Deutschland auf Englands Ländergeier, seine heuchlerische Selbstzucht, welche die besten Teile der Welt […] dem Geldsack der englischen Kaufleute und Fabrikanten dienst- und tributpflichtig zu machen strebt.“ ― „Die Grenzboten“, deutsche Zeitschrift, Jan. 1885

22. Dez. 1884

Niederschlagung eines Aufstands gegen den prodeutschen Hochkönig Manga Bell im besetzten Cameroun. Die deutsche Kaiserliche Marine beschießt vier Küstendörfer.

„Aufrührerische Negerparteien in Kamerun mit Waffengewalt niedergeschlagen. Mehrere Häuptlinge und größere Zahl Krieger gefallen. Ortschaften vernichtet. Autorität der Flagge und Ruhe am Ort wiederhergestellt.“ ― Eduard von Knorr, deutscher Admiral, über seine „Befriedung“ Camerouns, Dez. 1884 (Paczensky, Die Weißen kommen, S. 62)

 

[Nun] wusste und fühlte jeder Mensch […] dass jeder andere maßgebende und ausschlaggebende Einfluss als der deutsche gebrochen und für immer niedergeschmettert war.“ ― Heinrich Zöller, deutscher Journalist der Tageszeitung „Kölnische Zeitung“, über die „Befriedung“ Camerouns, Dez. 1884 (Westphal, Ein Weltreich für den Kaiser, S. 182)

29. Dez. 1884

Der deutsche Unternehmer Lüderitz bietet der Regierung an, mit Hilfe von Söldnern aus dem britischen Protektorat Zululand die Delagoa-Bucht mit der Hauptstadt Lourenço Marques in der portugiesischen Kolonie Moçambique zu stürmen.

1885

Erste deutsche Militärberater unter Hauptmann Emil Körner arbeiten in der Kadettenanstalt der chilenischen Armee und verpassen ihr eine unverkennbar preußische Prägung.

2. Jan. 1885

Die Mannschaft eines deutschen Kriegsschiffs besetzt die Sangareah-Bucht im französischen Territorium Riviéres du Sud.

19. Jan. 1885

Der Reichstag fordert die Umwandlung der Sint-Lucia-Bucht im britischen Protektorat Zululand in eine deutsche Kolonie.

Jan. 1885

Annexion von 80 km Küstenland der westafrikanischen Staaten Fitta und Savalu zwischen Lagos und Cotonou durch die deutsche Firma „Gaiser“.

„Durch die Erwerbung des Mahinlandes wird der direkteste Weg nach dem oberen Niger gewonnen.“ ― Ein Vertreter der deutschen Firma Gaiser, Mär. 1885 (Wehler, Bismarck und der Imperialismus, S. 329)

14. Jan. 1885

Die Firma Gaiser bittet die deutsche Regierung um Schutz für ihre Besitzungen in Fitta und Savalu.

23. Jan. 1885

Nach dem Vorwurf, die Briten würden gegen Deutschland in Samoa Intrigen schmieden, landen deutsche Truppen auf neutralem Gebiet vor der Hauptstadt Apia und hissen die deutsche Flagge.

17. Feb. 1885

Deutsche Annexion der sansibarischen Küste von Tanganyika als Protektorat.

Deutsche Truppen in Sansibar

mit Kolonialstaatssekretär Bernhard Dernburg

„Der Erwerb von Land ist in Ostafrika sehr leicht. Für ein paar Flinten besorgt man sich ein Papier mit ein paar Negerkreuzen.“ ― Otto von Bismarck-Schönhausen, deutscher Kanzler, Feb. 1885 (Westphal, Ein Weltreich für den Kaiser, S. 80)

24. Feb. 1885

Aufbruch einer neuen deutschen Wazagara-Expedition ins Innere von Tanganyika.

11. Mär. 1885

Der deutsche Kommissar für das besetzte Cameroun, Nachtigal, schließt mit den Regierungen von Fitta und Savalu „Schutzverträge“ ab. Auf diese verzichtet die Regierung kurz darauf in deutsch-britischen Ausgleichsverhandlungen.

8. Apr. 1885

Clemens und Gustav Denhardt erwerben Witu von Sultan Ahmad Ibn Fumo.

30. Apr. 1885

Gründung der „Deutschen Kolonialgesellschaft für Südwestafrika“.

„Die Zukunft der südwestafrikanischen Erwerbung Deutschlands wird durch die Möglichkeit ungestörter Ausdehnung von der wenig fruchtbaren Küste nach dem Inneren bedingt.“ ― Paul von Hatzfeld, deutscher Außenstaatssekretär, 8. Mär. 1885 (Wehler, Bismarck und der Imperialismus, S. 187)

17. Mai 1885

Deutsche Annexion des nordöstlichen New Guinea als „Deutsch-Neuguinea“, dem New-Britain-Archipel (Admiralty-Inseln, Duke-of-York-Inseln (als „Neulauenburg“), Feni-Inseln, Green-Inseln, Hermit-Inseln (als „Eremiten-Inseln“), Kaniet-Inseln, Lavongai (als „Neuhannover“), Lihir-Gruppe, Manus-Inseln (als „Admiralitäts-Inseln“), New-Britain-Insel (als „Neupommern“), New-Ireland-Insel (als „Neumecklenburg“), Nuguira-Insel, Saint-Matthias-Gruppe, Tanga-Inseln, Vitu-Inseln) als „Bismarck-Archipel“ und Teilen der Carolinas-Inseln.

 

Deutsche Truppen in New Guinea

27. Mai 1885

Deutsche Annexion von Witu und Lamu als Protektorat „Deutsch-Wituland“.

 

Deutsche Truppen in Witu

27. Mai 1885

Errichtung des deutschen Protektorats über das sansibarische Tanganyika mit Hinterland, inklusive Rwanda und Burundi. Sansibar wird durch eine Demonstration der Kaiserlichen Marine zur Annerkennung der deutschen Herrschaft gezwungen.

„Der Sultan von Sansibar [= Barghash Ibn Sa’id] […] erhob […] beleidigende Einsprüche gegen die Besetzung der Küste und Bismarck schloss sich dem Ratschlage […] an, einige deutsche Kriegsschiffe würden die Sache rasch in Ordnung bringen.“ ― Heinrich Schnee („Deutsche Volkspartei“ – DVP), ehemaliger Gouverneur von „Deutsch-Ostafrika“, 1924 (Paczensky, Die Weißen kommen, S. 64)

Mai 1885

Die deutsche Kilimanjaro-Expedition ins Innere Tanganyikas führt zur Annexion von Arusha, Bondei, Jagga, Kahe, Pare, Wageno und Wazambara.

25. Aug. 1885

Deutsche Besetzung der Hauptstadt der Yap-Inseln die zur spanischen Kolonie der Filipinas-Inseln gehören.

15. Sep. 1885

Deutscher „Schutzvertrag“ mit der basterischen Bevölkerung von Rehoboth im besetzten Südwestafrika.

30. Sep. 1885

Deutsche Besetzung der Carolinas-Insel Chuuk.

Okt. 1885

Herbert von Bismarck-Schönhausen wird deutscher Außenstaatssekretär.

15. Okt. 1885

Beginn der deutschen Besetzung der spanischen Kolonie der Marshall-Inseln.

18. Okt. 1885

Deutsche Besetzung der Carolinas-Insel Kosrae.

21. Okt. 1885

Ein „Schutzvertrag“ Deutschlands mit den Herero im besetzten Südwestafrika wird abgeschlossen.

22. Okt. 1885

Spanien verkauft Deutschland die Marshall-Inseln.

2. Nov. 1885

Ausbruch des „Serbisch-Bulgarischen Kriegs“.

15. Nov. 1885

Eröffnung der „Kongo-Konferenz“ in Berlin zur Neuordnung Afrikas. Teilnehmer sind Belgien, Dänemark, Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Italien, die Niederlande, Österreich-Ungarn, Portugal, Russland, Schweden, Spanien, die Türkei und die USA.

Verhandlungen in Berlin

„Unsere größte Friedensgarantie besteht darin, dass die anderen Mächte schon gemerkt haben, dass die deutsche Politik nicht mehr ist, was sie war, und dass sie sich um so mehr zurückhalten, je mehr wir vorwärtsdrängen.“ ― Friedrich von Holstein, Vortragender Rat im deutschen Auswärtigen Amt, 13. Jan. 1886 (Dollinger, Das Kaiserreich, S. 166)

Holstein

Die „Graue Eminenz“ des deutschen Imperialismus

24. Dez. 1885

Die deutsch besetzte Sangareah-Bucht im französischen Territorium Riviéres du Sud wird gegen französische Konzessionen an der Sklavenküste geräumt. Aneho wird an „Deutsch-Togoland“ angeschlossen.

1886

Das südwestafrikanische Lijdensrust unterstellt sich deutschem „Schutz“.

Jan. 1886

Im besetzten Samoa brechen Fehden zwischen den Adelsfamilien aus. Während Großbritannien und die USA König Laupepa unterstützen, setzt sich Deutschland für dessen Konkurrenten Tamasese, den Fürsten von Aana, ein. Tamaseses Truppen werden in Leulumoenga durch den deutschen Agenten Eugen Brandeis gedrillt.

„Ich habe nichts mit dem Herrn Brandeis zu schaffen. Es sei klargestellt, dass Herr Brandeis keinen Auftrag eines militärischen Charakters hat, sondern friedlich die Regierung von Leulumoenga in ihrer Arbeit unterstützt.“ ― … Becker, deutscher Konsul in Samoa, in seiner Antwort auf eine Beschwerde des samoanischen Königs Laupepa wegen der Tätigkeit des Agenten Eugen Brandeis, 1886 (Stevenson, A Footnote to History, www.gutenberg.org)

8. Jan. 1886

Deutscher „Schutzvertrag“ mit der Aikh-Ai-Bevölkerung im besetzten Südwestafrika.

Feb. 1886

Agenten der DOAG schließen mit Hobyo, Geledi, Majerteen, Muqdisho und Noogal an der ostafrikanischen Somali-Küste „Schutzverträge“ ab.

Feb. 1886

Der deutsche Koloniallobbyist Carl Peters bittet um ein Protektorat über die gesamte ostafrikanische Somali-Küste.

 

Peters

Ein Vordenker des deutschen Imperialismus

3. Mär. 1886

Der „Vertrag von Bucareşti“ beendet den „Serbisch-Bulgarischen Krieg“.

Jun. 1886

Mit dem „Ansiedlungsgesetz“ für Posen und Westpreußen wird bis 1913 die Germanisierung dieser mehrheitlich von Polen bewohnten Gebiete forciert.

„Alles ist im Flusse begriffen. Auch die Grenzen der Staaten sind nicht für die Ewigkeit abgesteckt. Von verhältnismäßiger Dauer werden […] nur Staatsgebilde sein, bei denen die Übereinstimmung zwischen dem Siedlungsgebiete der Volksgenossen und den staatlichen Grenzen hergestellt ist.“ ― Ernst Hasse, Chef des „Alldeutschen Verbands“ (ADV), 1895 (Hasse, Großdeutschland und Mitteleuropa um das Jahr 1950, S. 5)

 

„Die Mittel zur Germanisierung der Deutschland zugesprochenen Ländereien sind radikale. Sie bestehen in der Expropriierung allen Grund und Bodens, in der Vertreibung des größeren Teils der undeutschen Bevölkerung, in der Vorbehaltung aller öffentlichen Rechte für die Deutschen.“ ― Ernst Hasse, ADV-Chef, 13. Jan. 1895 (Alldeutsche Blätter 2/1895)

 

„Unsere Kolonialpolitik in diesen [osteuropäischen] Gebieten [ist] relativ human und relativ positiv gewesen. […] Wir brauchen uns dessen nicht zu schämen.“ ― Arnulf Baring, deutscher Historiker, 9. Jun. 2004 (Phoenix, 09.06.2004)

1. Nov. 1886

Eine deutsch-britische Kommission legt die Grenzen der sansibarischen Festlandsbesitzungen fest. Sie sollen einen Küstenstreifen von 15 km Breite von Kap Delgado bis Kipini mit allen vorgelagerten Inseln und die Städte Baraawe, Kismaayo, Merka, Muqdisho und Warshiikh umfassen. An der deutschen Kontrolle der Küste ändert dies nichts.

13. Sep. 1886

Deutsche Annexion der Marshall-Inseln als Protektorat.

23. Okt. 1886

Deutsche Besetzung der nördlichen Solomon-Inseln Bougainville, Bouka, Choiseul und Isabel.

30. Dez. 1886

Das Grenzprotokoll Deutschlands mit Portugal führt zur offiziellen Annexion portugiesischen Gebiets zwischen Kap Frio und dem Kunene in Südwestafrika.

„Auch erscheint es für die Zukunft erwünscht, dass wir […] bis an den Sambesifluss, der wichtigsten Verkehrsader im Inneren Südafrikas, vorrücken.“ ― Max von Berchem, Unterstaatssekretär im deutschen Auswärtigen Amt, 20. Aug. 1886 (Wehler, Bismarck und der Imperialismus, S. 288)

 

[Berlin hat] Wert darauf zu legen, sich nicht von England vom Sambesi abdrängen zu lassen.“ ― Herbert von Bismarck-Schönhausen, deutscher Außenstaatssekretär, 26. Jan. 1887 (Wehler, Bismarck und der Imperialismus, S. 288)

1887

Die „Württembergische Vereinsbank“ erhält Konzessionen für den Bau türkischer Eisenbahnlinien am Bosporus. Beginn der deutschen „Bagdad-Bahn“-Expansion im Nahen Osten.

„Wenn einmal am Bahnhof zu Angora der klassische Ruf erschallt: Warme Würstchen, Glas Bier gefällig! Dann wird Deutschland in Kleinasien den Fuß im Steigbügel haben.“ ― Bernhard Dernburg („Deutsch-freisinnige Partei“ – DFP), deutscher Journalist der Tageszeitung „Berliner Tageblatt“, 1892 (Dernburg, Auf deutscher Bahn in Kleinasien, S. 100 f)

Dernburg

Deutscher Kolonialstaatssekretär 1907-10

1. Feb. 1887

Eine Militärkonvention Deutschlands mit Italien wird abgeschlossen.

 

Verhandlungen in Friedrichsruh

20. Feb. 1887

Erneuerung des „Dreibunds“.

28. Mär. 1887

Deutsche Annexion der Ambas-Bucht zu „Deutsch-Nordwestafrika“.

1. Apr. 1887

Eine neue Kriegshysterie mit Frankreich nutzt die deutsche Regierung, um die Kriegsstärke der Reichswehr durch ein „Landwehr- und Landsturmgesetz“ aufzustocken.

„Ich meine, dass wir die Pflicht haben, jede Chance, die sich zu unseren Gunsten bietet, zu benutzen und selbst den Krieg mit Frankreich herbeizuführen.“ ― Alfred von Waldersee, deutscher Generalquartiermeister, 1. Nov. 1886 (Waldersee, Gesammelte Schriften und Denkwürdigkeiten, I, S. 301)

 

„Das deutsche Heer ist eine Einrichtung, die von den wechselnden Majoritäten im Reichstag nicht abhängig sein kann.“ ― Otto von Bismarck-Schönhausen, deutscher Kanzler, 11. Jan. 1887 (Dollinger, Das Kaiserreich, S. 169)

18. Jun. 1887

Der „Rückversicherungsvertrag“ Deutschlands mit Russland wird abgeschlossen.

Jun. 1887

Die Regierung des besetzten südwestafrikanischen Lijdensrust wird von den deutschen Truppen abgesetzt.

23. Aug. 1887

Deutsches Ultimatum an den samoanischen König Laupepa. Für Unruhen, die bei einer Feier zu Ehren Kaiser Wilhelms II. ausgebrochen waren, soll er 13,000 Dollar Strafe zahlen und eine öffentliche Erniedrigung über sich ergehen lassen.

24. Aug. 1887

Deutsche Kriegserklärung gegen den samoanischen König Laupepa in der Hauptstadt Apia und damit Ausbruch des „Samoanischen Bürgerkriegs“. Deutsche Truppen besetzen den Regierungssitz und hissen die deutsche Flagge.

25. Aug. 1887

An Bord eines deutschen Kriegsschiffs trifft der aananische Fürst Tamasese in der besetzten samoanischen Hauptstadt Apia ein und wird zum König erklärt. Die Proklamation wird von deutschen Soldaten in ganz Samoa verbreitet. Da sie in Sawaii kurz nach Abmarsch der Deutschen wieder abgerissen wird, brennen deutsche Truppen den Ort am 3. Sep. 1887 nieder.

„Ich werde dem deutschen Konsul gehorchen, dessen Wunsch es ist, dass ich der König bin und dass sich ganz Samoa hier versammeln soll.“ ― Tamasese, aananischer Fürst, gegenüber dem atuanischen Fürsten Mata’afa, Sep. 1887 (Stevenson, A Footnote in History, www.gutenberg.org)

Tamasese

Selbsternannter samoanischer König 1887-89

Ein Komplize des deutschen Imperialismus

 

„Es ist strikt verboten, dass irgendeine Diskussion stattfindet ob es gut ist oder nicht, dass Tamasese König von Samoa ist, weder in dieser Versammlung, noch in irgendeiner zukünftigen Versammlung.“ ― Eugen Brandeis, deutscher Agent in Samoa, gegenüber dem versammelten samoanischen Adel in der Hauptstadt Apia, 15. Sep. 1887 (Stevenson, A Footnote in History, www.gutenberg.org)

Okt. 1887

Der rechtmäßige samoanische König Laupepa wird von einem deutschen Kriegsschiff ins besetzte Cameroun deportiert. Großbritannien und die USA, die Samoa mitverwalten, protestieren, erklären sich mit Laupepa solidarisch und unterstützen fortan seinen Verbündeten Mata’afa, den Fürsten von Atua.

21. Okt. 1887

Deutsche Besetzung und Annexion der Pleasant-Insel als Protektorat „Nauru“ und Intervention in den dortigen Bürgerkrieg. Der Krieg hatte die Interessen der deutschen Unternehmen auf der Pleasant-Insel gefährdet.

16. Nov. 1887

Generalquartiermeister Waldersee drängt Generalstabschef Moltke, einen deutschen Angriff auf Russland nicht weiter hinauszuzögern.

„Da wir völlig fertig sind, so ist es konsequent, wenn wir uns nunmehr schnell zum Kriege [gegen Russland] entschließen.“ ― Alfred von Waldersee, deutscher Generalquartiermeister, 16. Nov. 1887 (Waldersee, Gesammelte Schriften und Denkwürdigkeiten, I, S. 334)

30. Nov. 1887

Eine Denkschrift des deutschen Generalstabs zur „gegenwärtigen militärpolitischen Lage des Reichs“ mit einem Schreiben Generalstabschef Moltkes zum „Präventivkrieg“ gegen Russland entsteht.

Nov. 1887

Generalquartiermeister Waldersee erreicht bei Kaiser Wilhelm I. die Zustimmung zu vorbereitenden Maßnahmen für einen deutschen Angriff auf Russland.

Nov. 1887

Der deutsche Militärattaché in Österreich-Ungarn versucht, Kaiser Franz von den „Vorzügen“ eines gemeinsamen Winterfeldzugs gegen Russland zu überzeugen.

7. Dez. 1887

Der amerikanische Staatssekretär Thomas Bayard (Democratic Party) warnt den deutschen Botschafter vor einer weiteren Hintertreibung der amerikanischen Wirtschaftsrechte in Hawaii.

9. Mär. 1888

Friedrich III. wird deutscher Kaiser.

14. Apr. 1888

Die deutsch besetzte Pleasant-Insel kommt unter die Verwaltung der besetzten Marshall-Inseln.

28. Apr. 1888

Ein Vertrag mit Sansibar bringt das gesamte Küstengebiet Tanganyikas unter deutsche Kontrolle.

15. Jun. 1888

Wilhelm II. wird deutscher Kaiser.

10. Aug. 1888

Generalquartiermeister Waldersee wird deutscher Generalstabschef.

Aug. 1888

Der „Samoanische Bürgerkrieg“ bricht erneut aus. Rebellen, die gegen die von Deutschland kontrollierte Marionettenregierung des Königs Tamasese kämpfen, fachen eine Rebellion an. Die Manono-Insel wird am 5. Sep. 1888 von einem deutschen Kriegsschiff beschossen.

2. Sep. 1888

Der deutsche Kanzler Bismarck genehmigt das Engagement der „Deutschen Bank“ im türkischen Eisenbahnbau.

9. Sep. 1888

Durch die Proklamation des atuanischen Fürsten Mata’afa zum König von Samoa und die Ankunft amerikanischer und britischer Kriegsschiffe weitet sich der „Samoanische Bürgerkrieg“ aus. Die von Deutschland kontrollierten Truppen des Königs Tamasese geraten in Bedrängnis.

20. Sep. 1888

Der so genannte „Araber-Aufstand“ bricht im deutsch besetzten Tanganyika aus. Bis auf Bagamoyo, Dar as-Salaam, Kilwa und Kivinje können die Rebellen das gesamte Land unter ihre Kontrolle bringen.

22. Sep. 1888

Durch die knappe Niederlage der Rebellen vor Bagamoyo wendet sich das Kriegsglück in Tanganyika zugunsten der deutschen Herrscher.

4. Okt. 1888

Erste Eisenbahnkonzession für die „Deutsche Bank“ in der Türkei.

30. Okt. 1888

Die südwestafrikanischen Herero kündigen den „Schutzvertrag“ mit Deutschland.

Nov. 1888

Ausbruch eines Aufstands der Herero-Bevölkerung von Damaraland in Südwestafrika gegen die deutsche Herrschaft. Kommissar Heinrich Göring muss in die britische Walvis-Bucht fliehen.

15. Nov. 1888

Showdown im „Samoanischen Bürgerkrieg“. Vor Laulii treffen amerikanische, britische und deutsche Kriegsschiffe zusammen. Der amerikanische Konsul hat den Befehl eine deutsche Beschießung der Rebellen des Königs Mata’afa mit Gewalt zu unterbinden. Der deutsche Konsul verzichtet aufgrund der internationalen Kriegsgefahr auf einen Militärschlag von See.

1889

Karl Heusner wird erster deutscher Marinestaatssekretär.

1889

Erste Reise des deutschen Kaisers Wilhelm II. in die Türkei.

1889

Der deutsche Botschafter Eugen Zintgraff besucht die verfeindeten camerounischen Staaten Bali Nyonga und Bafut. Durch absichtliches respektloses Verhalten gegenüber dem bafutischen König Abumbi I. stellt sich Zintgraff auf die Seite von Bali Nyonga.

5. Jan. 1889

Im „Samoanischen Bürgerkrieg“ verhängt Deutschland illegal das Kriegsrecht über das besetzte Samoa. Deutsche Marineinfanteristen versuchen die Rebellen des von Großbritannien und den USA unterstützten Königs Mata’afa zu entwaffnen.

11. Jan. 1889

Der deutsche Kanzler Bismarck bietet Großbritannien ein Bündnis „zur gemeinschaftlichen Abwehr eines französischen Angriffs“ an.

12. Feb. 1889

Der für die deutschen Truppen und ihre Verbündeten desaströs verlaufende „Samoanische Bürgerkrieg“ wird durch die deutsche Regierung beendet.

8. Apr. 1889

Julius Verdy wird preußischer Kriegsminister.

Apr. 1889

Beginn der „Samoa-Konferenz“ in Berlin zur Neuordnung des Landes nach dem „Samoanischen Bürgerkrieg“.

Mai 1889

Der deutsche Kommissar Hermann von Wissmann schlägt mit der Einnahme von Jahazi den Aufstand im besetzten Tanganyika nieder. M’Bunga und Yao erklären sich jedoch mit den Aufständischen solidarisch und führen den Kampf fort.

14. Jun. 1889

Unterzeichnung der „Samoa-Schlussakte“ durch Deutschland, Großbritannien und die USA in Berlin. Deutschland muss die Wiederherstellung des Status quo (vor der gewaltsamen Absetzung König Laupepas durch deutsche Truppen) anerkennen.

Jul. 1889

Deutsche Truppen treffen im besetzten Südwestafrika ein, um den Aufstand der Herero-Bevölkerung von Damaraland niederzuschlagen.

10. Aug. 1889

Die Regierung der südwestafrikanischen Aikh-Ai-Bevölkerung wird von den deutschen Truppen abgesetzt.

7. Nov. 1889

Deutsche Teilannexion von Samoa mit Inkrafttreten der „Samoa-Schlussakte“.

15. Dez. 1889

Endgültige Niederschlagung des Aufstands im besetzten Tanganyika.

1890

Ausbruch eines Aufstands der namanischen Bevölkerung der Witbooi in Südwestafrika gegen die deutsche Herrschaft.

1890

Aufstockung der Friedensstärke der deutschen Reichswehr.

„Wir müssen das große Geschick des Kanzlers und sein Ansehen in der Welt benutzen, um noch einige Zeit den Frieden zu erhalten, sobald aber unsere Rüstung fertig ist, den Kampf, dessen Beginn die Gegner zu bestimmen hoffen, selbst herbeizuführen.“ ― Alfred von Waldersee, deutscher Generstabschef, 15. Apr. 1889 (Waldersee, Gesammelte Schriften und Denkwürdigkeiten, II, S. 48)

1890

Intervention deutscher Truppen gegen einen Aufstand Wazaramus im besetzten Tanganyika.

20. Mär. 1890

Der ehemalige Admiralitätsstaatssekretär Caprivi wird deutscher Kanzler und preußischer Ministerpräsident.

31. Mär. 1890

Adolf Marschall wird deutscher Außenstaatssekretär.

 

Marschall

Deutscher Außenstaatssekretär 1890-97

Apr. 1890

Endgültige Niederschlagung des „Araber-Aufstands“ im besetzten Tanganyika.

23. Apr. 1890

Friedrich von Hollmann wird deutscher Marinestaatssekretär.

Mai 1890

Der „Rückversicherungsvertrag“ mit Russland wird von Deutschland nicht erneuert.

1. Jul. 1890

Deutsche Erwerbung der Heligoland-Insel von Großbritannien im Tausch gegen Lamu und Witu. Tanganyika wird zur Kolonie „Deutsch-Ostafrika“. „Deutsch-Togoland“ wird im Westen bis zum Volta ausgedehnt. Rwanda kommt zu „Deutsch-Ostafrika“. Ein Teil von Bulozi kommt als „Deutsch-Sambesiland“ zu „Deutsch-Südwestafrika“, womit Deutschland Zugang zum Sambesi gewinnt.

 

Kaiser auf Heligoland

21. Aug. 1890

Ein deutscher „Schutzvertrag“ mit den Bevölkerungen der Gami-Nun und der Veldschoendrager wird im besetzten Südwestafrika abgeschlossen.

26. Aug. 1890

Ein „Freundschaftsvertrag“ Deutschlands mit der Türkei wird abgeschlossen.

4. Okt. 1890

Hans von Kaltenborn-Stachau wird preußischer Kriegsminister.

21. Okt. 1890

Der deutsche „Schutzvertrag“ mit der Herero-Bevölkerung im besetzten Südwestafrika wird wiederhergestellt.

28. Okt. 1890

Sansibar verkauft das gesamte Küstengebiet Tanganyikas an Deutschland.

15. Dez. 1890

Offizielle deutsche Annexion der britischen Heligoland-Insel.

1891

Beginn des Aufstands der wanyamwesischen Bevölkerung von Tabora im deutsch besetzten Tanganyika.

1891

Deutsche Intervention gegen einen Aufstand der kougoanischen und topnaarischen Bevölkerung im besetzten Südwestafrika.

1891

Wahehe im besetzten Tanganyika erklärt seine Unabhängigkeit von Deutschland.

1. Jan. 1891

Die deutsche Regierung übernimmt die Direktverwaltung von „Deutsch-Ostafrika“ von der DOAG.

7. Jan. 1891

In Chile bricht ein Aufstand des Kongresses gegen die Regierung aus. Die deutsche Regierung erwägt sofort eine Unterstützung für die Kongress-Truppen, um eine von dem von den USA unterstützten Präsidenten José Balmaceda („Liberale Partei“ – PL) angestrebte Verstaatlichung der Salpeterproduktion zu verhindern, an der Deutschland mit 20% beteiligt ist. Das größere deutsche Ziel ist die Verhinderung eines chilenisch-amerikanischen „Gegenseitigkeitsvertrags“.

„Nicht [nur] daheim drohen dem Reiche die stärksten Gefahren amerikanischer, besonders kapitalistischer Expansion, sondern draußen, in seinen Einflussgebieten, vor allem in Südamerika.“ ― Karl Lamprecht, deutscher Historiker, Aug. 1903 (Lamprecht, Deutsche Geschichte, Erg. II, S. 633)

 

„Amerika ist zu einer Quelle großer Unsicherheit für Deutschland geworden. […] Die Vereinigten Staaten weigern sich Platz zu machen, die deutsche […] Marine wird mobilisiert und nimmt Kurs auf Amerika. Die amerikanische Marine wird zerstört. An Land machten die deutschen Truppen kurzen Prozess mit den amerikanischen Söldnern. […] England und Amerika wurden besiegt. Deutschland nahm Mexiko, Guatemala, Britisch-Honduras, ganz Brasilien südlich des Amazonas, Uruguay, Paraguay, Bolivien, Peru und Nordchile.” ― Anonymus, deutscher Geostratege, über eine fiktive Situation des Jahres 1915, 1895 (Anonymus, Germania Triumphans, S. 47 f)

31. Jan. 1891

Von deutschen Offizieren geführte Truppen aus dem camerounischen Bali Nyonga greifen den bafutischen Verbündeten Mankon an. Beginn der bis 1907 andauernden „Bafut-Kriege“ Deutschlands.

7. Feb. 1891

Alfred von Schlieffen wird deutscher Generalstabschef.

13. Feb. 1891

Kommissar Wissmann erobert das Gebiet des Kilimanjaro im besetzten „Deutsch-Ostafrika“.

Feb. 1891

Deutsche Truppen schlagen einen Aufstand der abonischen Bevölkerung im besetzten Cameroun nieder.

Mär. 1891

Nach Schließung der Ausfuhrhäfen durch Präsident Balmaceda (PL) werden deutsche Kriegsschiffe nach Chile verlegt und beginnen mit Waffenlieferungen an die Kongress-Rebellen.

22. Mär. 1891

Offizielle Bildung der deutschen „Schutztruppe“ für das besetzte „Deutsch-Ostafrika“.

9. Apr. 1891

Gründung des ADV.

[Ziel ist die] Belebung der deutschnationalen Gesinnung, insbesondere Weckung und Pflege des Bewusstseins der rassenmäßigen und kulturellen Zusammengehörigkeit aller deutschen Volksteile. […] Für eine tatkräftige deutsche Interessenpolitik in der ganzen Welt, insbesondere Fortführung der deutschen Kolonialbewegung zu praktischen Ergebnissen.“ ― Aus der Erklärung der Ziele des ADV, 1900 (Dollinger, Das Kaiserreich, S. 228)

6. Mai 1891

Der „Dreibund“ wird bis 1902 erneuert.

Mai 1891

Im Norden Chiles beginnt der deutsche Hauptmann Körner mit der Ausbildung der Kongress-Rebellen.

30. Jul. 1891

Eine deutsche Truppe brennt in Wahehe Dörfer nieder und ermordet drei Mitglieder einer Delegation des Königs Mkwavinyika Mwamuyinga. Dies ist der Auslöser für den folgenden Aufstand Wahehes im besetzten Tanganyika.

17. Aug. 1891

Deutsche Intervention gegen den Aufstand Wahehes im besetzten Tanganyika.

20. Aug. 1891

Die Rebellen des chilenischen Kongresses landen unter dem Befehl des deutschen Hauptmanns Körner in der Quinteros-Bucht.

28. Aug. 1891

Ein deutsches Kommando besetzt zusammen mit amerikanischen und britischen Soldaten das chilenische Valparaíso, vor dem bereits die Kongress-Rebellen unter dem deutschen Hauptmann Körner stehen.

29. Aug. 1891

Der chilenische Bürgerkrieg wird dank deutscher Waffen zu Gunsten der Kongress-Rebellen entschieden. Die neue prodeutsche Regierung unter Jorge Montt bricht die chilenisch-amerikanischen Verhandlungen über einen „Gegenseitigkeitsvertrag“ ab. Am 7. Sep. 1891 erkennt Deutschland als erste Großmacht das neue Regime an.

 

Montt

Chilenischer Präsident 1891-96

Ein Komplize des deutschen Imperialismus

Nov. 1891

Deutsche Truppen dringen in Bakweri und Bwea im besetzten Cameroun ein. Dies führt zu einem Aufstand der bakwerischen Bevölkerung.

1892

Durch einen Vertrag mit Frankreich und Großbritannien kommt ein Teil Bornus zur Kolonie „Deutsch-Nordwestafrika“.

10. Jun. 1892

Deutscher Feldzug gegen die Bevölkerung der Gogo, Khagga und Moshi im besetzten Tanganyika. Etwa 2,000 Khagga werden getötet.

23. Mär. 1892

Botho zu Eulenburg wird preußischer Ministerpräsident.

1893

Endgültige Niederschlagung des Aufstands der wazaramunischen Bevölkerung im deutsch besetzten Tanganyika.

1893

Deutsche Intervention gegen eine Meuterei von aus der französischen Kolonie Porto Novo stammenden Mitgliedern der „Schutztruppe“ im besetzten Cameroun.

1893

Deutsche Intervention gegen einen Aufstand der bweanischen Bevölkerung im besetzten Cameroun.

Jan. 1893

Endgültige Niederschlagung des Aufstands der wanyamwesischen Bevölkerung im deutsch besetzten Tanganyika.

Feb. 1893

Die „Deutsche Bank“ erhält die Konzession für den Bau einer Eisenbahnlinie in den türkischen Regierungsbezirk Konya.

Apr. 1893

Deutscher Krieg gegen die namanische Bevölkerung der Witbooi im südwestafrikanischen Hinterland.

7. Sep. 1893

Nach Ausbruch des „Flottenaufstands“ der brasilianischen Kriegsmarine gegen die Regierung werden umgehend zwei deutsche Kriegsschiffe nach Rio de Janeiro gesandt.

„Unser hoher Herr erhofft, dass, wenn die Schreiereien im Auslande mehr und mehr zunehmen, schließlich aus der eigenen Initiative des Reichstages heraus Anträge auf Neubauten [von Kriegsschiffen] kommen werden.“ ― Gustav von Senden, deutscher Marinekabinettschef, Jun. 1894 (MFA, Deutsche Militärgeschichte, V, S. 162)

19. Okt. 1893

Walter Bronsart wird preußischer Kriegsminister.

Feb. 1894

Deutsche Intervention gegen einen Aufstand der namanischen Bevölkerung der Khaua im besetzten Südwestafrika.

20. Mär. 1894

Deutscher „Schutzvertrag“ mit der Gei-Khauan-Bevölkerung im besetzten Südwestafrika.

Jul. 1894

Strategische Planung des deutschen Generalstabs zu einem Zweifrontenkrieg gegen Frankreich und Russland.

27. Aug. 1894

Der deutsche Krieg gegen die namanische Bevölkerung der Witbooi in Südwestafrika ist beendet.

„Schlage […] vor den gesamten Stamm der Witboois nach Samoa […] zu deportieren.“ ― Friedrich von Lindequist, Gouverneur von „Deutsch-Südwestafrika“, 10. Jul. 1906 (Drechsler, Aufstände in Südwestafrika, S. 136)

Lindequist

Deutscher Kolonialstaatssekretär 1910-11

15. Sep. 1894

Ein „Schutzvertrag“ Deutschlands mit der namanischen Bevölkerung der Witbooi in Südwestafrika wird abgeschlossen.

28. Okt. 1894

Niederschlagung des „Wahehe-Aufstands“ im besetzten Tanganyika durch die deutsche Einnahme von Iringa und Kalenga. Der Kleinkrieg geht jedoch noch vier Jahre weiter.

29. Okt. 1894

Chlodwig zu Hohenlohe-Schillingsfürst wird deutscher Kanzler und preußischer Ministerpräsident.

4. Nov. 1894

Die deutsche Zeitschrift „Alldeutsche Blätter“ fordert eine deutsche Besetzung der britischen Protektorate Walvis-Bucht und Sansibar.

30. Nov. 1894

Das südwestafrikanische Damara wird endgültig zum deutschen Protektorat.

Dez. 1894

Deutsche Intervention gegen einen Aufstand der bakwerischen Bevölkerung im besetzten Cameroun.

1895

Das Buch „Großdeutschland und Mitteleuropa um das Jahr 1950“ von Ernst Hasse (ADV) erscheint. In diesem Werk wird die Idee eines von Deutschland dominierten Europas erstmals penibel ausgearbeitet.

„Großdeutschland besteht […] aus einem großdeutschen Bunde und einem großdeutschen Zollverein. Der großdeutsche Bund wird gebildet aus dem jetzigen kleindeutschen Kaiserreich einschließlich Luxemburg, den Niederlanden (Holland und Belgien), der deutschen schweizer Eidgenossenschaft, dem österreichischen Kaiserreich. Der großdeutsche Zollverein wird gebildet aus dem großdeutschen Bunde, den baltischen Fürstentümern, dem Königreich Polen, dem Königreich Ruthenien, dem Königreich Rumänien, dem Königreich Großserbien.“ ― Ernst Hasse, ADV-Chef, über das fiktive Deutschland des Jahres 1950, 1895 (Opitz, Europastrategien des deutschen Kapitals, S. 116)

Jan. 1895

Deutsche Intervention gegen einen Aufstand der namanischen Bevölkerungen der Fransman und Khaua, sowie der Gami-Nun im besetzten Südwestafrika.

24. Feb. 1895

Die deutsche Zeitschrift „Alldeutsche Blätter“ fordert ein deutsches Protektorat über Oranje und Südafrika.

Apr. 1895

Deutscher „Friedensvertrag“ mit dem besiegten Bakweri im besetzten Cameroun. Die gesamte Bevölkerung wird ins untere Bwea vertrieben.

17. Apr. 1895

Der „Vertrag von Shimonoseki“ beendet den „Japanisch-Chinesischen Krieg“. Die deutsche Regierung entschließt sich zunächst, den Vertrag nicht anzuerkennen und sendet weitere Kriegsschiffe nach Ostasien. Ziel ist die Verhinderung einer japanischen Festsetzung auf der Shandong-Halbinsel, um dort selbst einen Marinestützpunkt einzurichten. Es beginnen Planungen für eine deutsche Besetzung von Weihai.

21. Mai 1895

Die deutsche Zeitschrift „Alldeutsche Blätter“ fordert nach dem Ende des „Chinesisch-Japanischen Kriegs“ die deutsche Besetzung eines Hafens an der chinesischen Küste und schlägt Qingdao vor.

Mai 1895

Deutscher Krieg gegen Bakoko im besetzten Cameroun.

9. Jun. 1895

Offizielle Bildung der deutschen „Schutztruppen“ für die besetzten Gebiete Cameroun und Südwestafrika.

4. Aug. 1895

Die deutsche Zeitschrift „Alldeutsche Blätter“ fordert eine deutsche Besetzung Marokkos.

1896

Ein Aufstand der yaundischen Bevölkerung im besetzten Cameroun wird von deutschen Truppen niedergeschlagen.

1896

Deutsche Agenten versuchen Malakote, im Hinterland des britischen Protektorats East Africa, unter ihre Kontrolle zu bekommen. Der Versuch scheitert.

3. Jan. 1896

Nach dem so genannten „Jameson Raid“ in Südafrika erreicht der Versuch Deutschlands durch Unterstützung der Buren gegen Großbritannien koloniale Zugewinne zu machen mit einem Glückwunsch-Telegramm an den südafrikanischen Präsidenten Paulus Krüger seinen Höhepunkt. Auf einer außerordentlichen Beratung in Berlin fordert Kaiser Wilhelm II., Südafrika unter deutschen Schutz zu stellen und sofort Truppen zu entsenden.

Feb. 1896

„Strafaktion“ der deutschen Besatzungstruppen gegen Bogebatchi in Cameroun.

Mär. 1896

Deutsche Intervention gegen Aufstände der namanischen Bevölkerung der Khaua und der Ovambanderu im besetzten Südwestafrika.

Mai 1896

Niederschlagung der Aufstände der namanischen Bevölkerung der Khaua und der Ovambanderu im besetzten Südwestafrika.

Jul. 1896

Ein deutsches Kriegsschiff wird von Admiral Alfred von Tirpitz beauftragt, die chinesische Jiazhou-Bucht auf ihre Eignung für einem Marinestützpunkt zu untersuchen.

14. Aug. 1896

Heinrich von Gossler wird preußischer Kriegsminister.

27. Aug. 1896

Nach dem Tod des sansibarischen Sultans Sa’id Ibn Thuwayni unterstützt Deutschland dessen zweiten Sohn Sa’id Ibn Barghash, der sich an die Macht putscht. Die britische Regierung unterstützt jedoch weiterhin den rechtmäßigen Thronfolger Sa’id Ibn Muhammad und geht militärisch gegen Barghash vor.

Nov. 1896

Im so genannten „Rukunku-Putsch“ macht sich in Rwanda der prodeutsche Tutsi Yuhi IV. zum König. Die deutschen Machthaber im besetzten Tanganyika unterstützen in den folgenden zwei Jahrzehnten die Annexion der de facto unabhängigen Hutu-Staaten Bugama-Kiganda, Buhoma, Bukonya, Bushiru, Bwanamwari, Syingogo, Kibari, Ruhengeri und Rwankeri durch die Tutsi-Zentralgewalt.

Yuhi IV.

Ruandesischer König 1896-1931

Ein Komplize des deutschen Imperialismus

„Brutale Strafexpeditionen waren das Hauptmittel deutscher Offiziere, um rebellierende […] Häuptlinge zur Anerkennung der deutschen Herrschaft bzw. der Autorität des Königs [Yuhi IV.] zu zwingen: Systematische Zerstörung oder Niederbrennung ganzer Dörfer und ihrer Landwirtschaft, Viehenteignungen, Hinrichtungen.“ ― Christophe Kougniazondé, beninischer Jurist, Sep. 1997 (Rwanda Occasional Paper 13/1997)


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