1897

Ein gemeinsamer Aufstand der dagombischen und konkombanischen Bevölkerung im besetzten Togo wird durch deutsche Truppen in der Schlacht von Adibo niedergeschlagen. Die Deutschen legen daraufhin die dagombische Hauptstadt Yenbli in Schutt und Asche.

[Deutsche] Gouverneure und Beamte haben der togo[les]ischen Bevölkerung eine helfende Hand gereicht. Sie erwarben sich Kenntnisse des Landes und der Bewohner, hatten eine hohe Auffassung von ihrer Aufgabe und erfüllten ihre Verwaltungspflicht mit Hingabe.“ ― Franz Strauß („Christlich-soziale Union“ – CSU), westdeutscher Bundesratspräsident, 6. Jul. 1984 (www.german-foreign-policy.com)

1897

Das Buch „National-sozialer Katechismus“ des „sozialliberalen“ Imperialisten Friedrich Naumann („National-sozialer Verein“ – NSV) erscheint. Darin lobt Naumann den „Trieb des Deutschen Volks, seinen Einfluss auf die Erdkugel auszudehnen“.

Die Ausdehnung des deutschen Einflusses auf der Erdkugel ist unmöglich ohne Nationalsinn der Masse, und die Ausdehnung des Einflusses dieser Masse im Volke ist unmöglich ohne weitere Entwicklung der deutschen Macht auf dem Weltmarkte.“ ― Friedrich Naumann (NSV), deutscher Geostratege, 1897 (Naumann, National-sozialer Katechismus, §1, Nr 4)

Naumann

Ein Vordenker des deutschen Imperialismus

 

Was also ist die Aufgabe einer festen und stetigen auswärtigen Politik? Die Ausdehnung deutscher Wirtschaftskraft und deutschen Geistes.“ ― Friedrich Naumann (NSV), deutscher Geostratege, 1897 (Naumann, National-sozialer Katechismus, §2, Nr 50)

1897

Das Buch „Weltgeschichte in Umrissen“ von Max Yorck erscheint, in dem für Deutschland erstmals die Führung von „Vereinigten Staaten von Europa“ als Gegenmacht zu den USA gefordert wird.

1897

Das Buch „Politische Geografie“ von Friedrich Ratzel erscheint. Hier wird die bis heute aktuelle „Orangen-Theorie“ zur deutschen Expansion in andere Länder weiterentwickelt.

 

Ratzel

Ein Vordenker des deutschen Imperialismus

1897

Erste Denkschrift des kaiserlichen Ministerresidenten Max von Oppenheim über die Bedeutung der islamischen Welt für den deutschen Imperialismus.

Feb. 1897

Deutschland schlägt eine europäische Intervention in Griechenland vor, um einen Aufstand auf der türkischen Girit-Insel zu beenden. Großbritannien lehnt ab.

18. Jun. 1897

Tirpitz wird deutscher Marinestaatssekretär.

Jul. 1897

Deutsche Intervention gegen einen Aufstand der Aikh-Ai-Bevölkerung im besetzten Südwestafrika.

Jul. 1897

Das so genannte „Emser Memorandum“ von Marinestaatssekretär Tirpitz legt die Ziele der deutschen Seekriegsrüstung fest.

2. Aug. 1897

Formulierung des so genannten „Schlieffen-Plans“ von Generalstabschef Schlieffen zu einem deutschen Überfall auf das neutrale Belgien.

„Es [ist] völlig gleichgültig, wer angefangen hat. Dauernd Recht hat allein der Sieger.“ ― Alfred von Waldersee, deutscher Generalstabschef, 1888 (Waldersee, Gesammelte Schriften und Denkwürdigkeiten, II, S. 42)

Aug. 1897

Niederschlagung des Aufstands der Aikh-Ai-Bevölkerung im deutsch besetzten Südwestafrika.

Sep. 1897

Der deutsche Kaiser Wilhelm II. vereinbart mit dem österreichischen Kaiser Franz Joseph I., im spanisch-amerikanischen Konflikt eine europäische Koalition gegen die USA zu schmieden. Beginn einer antiamerikanischen Kampagne in der deutschen Presse.

Franz Joseph I.

Österreichischer Kaiser 1848-1916

Ein Komplize des deutschen Imperialismus

„Die europäische Öffentlichkeit stand […] mit Ausnahme Großbritanniens, mit ihren Gefühlen auf seiten der Spanier und empfand das Vorgehen der Amerikaner als einen gegen ganz Europa gerichteten Schlag. So war es vor allem in Frankreich [und] in Deutschland.“ ― Hermann Leusser, deutscher Historiker, über den „Spanisch-Amerikanischen Krieg“, 1928 (Leusser, Ein Jahrzehnt deutsch-amerikanischer Politik, S. 11)

 

„Was Frankreich für Europa mit den Waffen und der Zentralisation nicht erreicht hat, das erreicht hoffentlich Deutschland mit Frieden und Föderation, so dass dann die Vereinigten Staaten Europas in der Atlantischen Welt eine besondere Weltmacht sind, das Gegengewicht haltend gegen die Vereinigten Staaten Amerikas.“ ― Max Yorck, deutscher Oberst, 1897 (Yorck, Weltgeschichte in Umrissen, S. 492)

20. Okt. 1897

Bernhard von Bülow wird deutscher Außenstaatssekretär.

14. Nov. 1897

Deutsche Besetzung des chinesischen Qingdao in der Jiazhou-Bucht.

Deutsche Truppen in China

„In Ostasien schien der Herr Abgeordnete […] zu fürchten, dass wir uns in ein Abenteuer stürzen wollten. Fürchten sie gar nichts, meine Herren! Der Herr Reichskanzler ist nicht der Mann, und seine Mitarbeiter sind nicht die Leute, irgend unnütze Händel zu suchen. Wir empfinden auch durchaus nicht das Bedürfnis, unsere Finger in jeden Topf zu stecken. Aber allerdings sind wir der Ansicht, dass es sich nicht empfiehlt, Deutschland in zukunftsreichen Ländern von vornherein auszuschließen vom Mitbewerb anderer Völker.“ ― Bernhard von Bülow, deutscher Außenstaatssekretär, 6. Dez. 1897 (Zentner, Illustrierte Geschichte des deutschen Kaiserreichs, S. 275)

Bülow

Deutscher Außenstaatssekretär 1897-1900

Deutscher Kanzler 1900-09

Preußischer Ministerpräsident 1900-09

15. Nov. 1897

Im so genannten Fall „Lüders“ schickt die deutsche Regierung zwei Kriegsschiffe nach Haiti, um der Regierung ein Ultimatum zur Einforderung von „Entschädigungszahlungen“ für einen verhafteten Deutschen zu stellen.

6. Dez. 1897

Die vor der Hauptstadt Port-au-Prince liegenden deutschen Kriegsschiffe stellen der haitianischen Regierung ein Ultimatum zur Einforderung von „Entschädigungszahlungen“ für einen verhafteten Deutschen. Ein amerikanisches Kriegsschiff ist unterdessen auf dem Weg nach Port-au-Prince, um einen deutschen Beschuss der Stadt zu verhindern. Am Abend gibt die Regierung dem deutschen Druck nach.

6. Dez. 1897

Außenstaatssekretär Bülow fordert für Deutschland einen „Platz an der Sonne“.

Dez. 1897

Deutsche Intervention gegen einen Aufstand der Bevölkerungen der Kou-Goa, Ovaherero und Topnaar im besetzten Südwestafrika.

1898

Der Versuch der deutschen Regierung auf der siamesischen Langkawi-Insel einen Marinestützpunkt zu errichten scheitert.

1898

Deutsche Teilannexion der Carolinas-Inseln (spanische Kolonie der Filipinas-Inseln) als Protektorat „Karolinen-Inseln“.

1898

Deutsche Teilannexion der spanischen Kolonie der Palaos-Inseln als Protektorat „Palau“.

8. Feb. 1898

Der guatemaltekische Präsident José Reina („Liberale Partei“ – PL) wird vom deutschen Residenten Oscar Zollinger ermordet.

15. Feb. 1898

Ausbruch des „Spanisch-Amerikanischen Kriegs“.

6. Mär. 1898

China muss die Jiazhou-Bucht bis 1997 an Deutschland verpachten.

24. Mär. 1898

Ein „Flottengesetz“ zum Ausbau der deutschen Kaiserlichen Marine wird beschlossen.

„Die Seeinteressen Deutschlands sind seit Errichtung des Reiches in ganz ungeahnter Weise gestiegen. Ihre Erhaltung ist zu einer Lebensfrage Deutschlands geworden.“ ― Alfred von Tirpitz, deutscher Marinestaatssekretär, 1898 (Chvostov, Geschichte der Diplomatie, II, S. 165)

Tirpitz

Deutscher Marinestaatssekretär 1897-1916

25. Apr. 1898

Mit dem Ausbruch des „Spanisch-Amerikanischen Kriegs“ erreicht die antiamerikanische Kampagne in der deutschen Presse ihren Höhepunkt. Präsident William McKinley („Republikanische Partei“ – Republican Party) wird u.a. „Kriegstreiberei“, „Dummheit“ und „Fundamentalismus“ vorgeworfen.

„Sensationsartikel, Briefe, Telegramme, Zerrbilder gingen herüber und hinüber, und so war allmählich eine so furchtbare Erbitterung angewachsen, dass bei meinem Amtsantritt in Berlin nur zwei von den nennenswerten Blättern den Vereinigten Staaten freundlich gesinnt waren […] aber alle übrigen führten eine mehr oder weniger feindliche, einige eine gar ingrimmig verbitterte Sprache.“ ― Andrew White, ehemaliger amerikanischer Botschafter, über die antiamerikanische Stimmung im Deutschland des Jahres 1898, 1906 (White, Aus meinem Diplomatenleben, S. 270)

 

„Es kann vom Standpunkt der deutschen wirtschaftlichen Beziehungen nur erwünscht sein, dass der Reichtum politischer Formen südlich von der [Amerikanischen] Union erhalten bleibt und nicht hinter einer einheitlichen Zollgrenze immer mehr und mehr verschwindet.“ ― „Münchener Neueste Nachrichten“, deutsche Tageszeitung, 27. Apr. 1898

27. Apr. 1898

Die chinesische Jiazhou-Bucht wird offiziell zum deutschen Protektorat „Kiautschou“ erklärt.

30. Apr. 1898

Gründung des „Deutschen Flottenvereins“ (DFV).

Mai 1898

Der deutsche Konsul in der spanischen Kolonie der Filipinas-Inseln meldet an das Auswärtige Amt, dass die Aussichten einen Deutschen zum König eines künftig unabhängigen Staats zu machen günstig wären.

Jun. 1898

Die deutsche Kaiserliche Marine kreuzt demonstrativ vor Manila – der Hauptstadt der spanischen Kolonie der Filipinas-Inseln – auf, um den „Spanisch-Amerikanischen Krieg“ auszunutzen. Mit dem amerikanischen Geschwader vor Ort kommt es beinahe zur militärischen Konfrontation.

„Wir wollen hoffen, dass in zukünftigen Fällen, wenn es auf der Erde vielleicht wieder einmal etwas zu verteilen gibt oder wenn es wiederum Umwälzungen gibt, bei denen Nationen am Platze sein müssen, man nicht wie es in der Südsee und in Afrika gewesen ist, erst kommt, wenn die Welt bereits verteilt ist und man schließlich mit dem letzten Rest vorlieb nehmen muss, sondern dass man gleich vorgeht und gleich das nimmt, was man kriegen kann.“ ― Henry Bueck, deutscher Unternehmer, 1898 (Bueck, Kundgebungen für den Entwurf eines Gesetzes betreffend die deutsche Flotte, S. 18)

 

„Die Amerikaner mögen sich nicht wundern, wenn in Deutschland Presse und öffentliche Meinung einstimmig die gleißnerische Habgier und beispiellose Anmaßung brandmarken, die die Machthaber in Washington in den letzten Wochen vor Freund und Feind bekunden.“ ― „Münchener Neueste Nachrichten“, deutsche Tageszeitung, 22. Apr. 1898

Jun. 1898

Weitere deutsche Kriegsschiffe treffen vor Manila ein. Der Versuch einer Festsetzung in der spanischen Kolonie der Filipinas-Inseln zur Einrichtung eines Marinestützpunkts scheitert jedoch durch den klaren Sieg der Amerikaner über die Spanier.

„Wir wollen und wir werden keine chauvinistische Weltmachtspolitik treiben. […] Es ist eine lächerliche Verdrehung, zu behaupten, das sei die Absicht der Regierung.“ ― Gustav von Schmoller, deutscher Geostratege, 28. Nov. 1899 (Schmoller, Die wirtschaftliche Zukunft Deutschlands und die Flottenvorlage, S. 29 f)

19. Jul. 1898

Der „Wahehe-Aufstand“ im besetzten Tanganyika wird endgültig von deutschen Truppen niedergeschlagen. König Mkwavinyika begeht Selbstmord. Sein von einem deutschen Offizier abgetrennter Kopf wird in ein Bremer Museum gebracht.

Aug. 1898

Der dominikanische Präsident Ulyses Heureaux („Blaue Partei“ – PA) bietet Deutschland Gebiet für einen Marinestützpunkt an. Deutschland lehnt aufgrund der Spannungen mit den USA im Filipinas-Konflikt ab.

30. Aug. 1898

Ein deutsch-britischer Geheimvertrag – das so genannte „Angola-Abkommen“ – über die Aufteilung des portugiesischen Kolonialbesitzes wird abgeschlossen. Deutschland fordert für diesen Fall einen Marinestützpunkt in der portugiesischen Kolonie Cabo Verde oder der spanischen Provinz der Canárias-Inseln. Außerdem die Annexion der britischen Protektorate Sansibar und Walvis-Bucht, der Mindanao-Insel des amerikanischen Territoriums Philippines, der portugiesischen Kolonien Moçambique und Timor Leste, der gesamten spanischen Carolinas-Inseln, der spanischen Kolonie Fernando Póo, von ganz Samoa und Sulu. Außerdem den Volta als Westgrenze „Deutsch-Togolands“ und den Sambesi und Shire als Südgrenze „Deutsch-Ostafrikas“.

17. Sep. 1898

Erneuter Ausbruch des „Samoanischen Bürgerkriegs“. Der rechtmäßig vom Obersten Richter William Chambers ernannte König Tanumafili wird vom atuanischen Fürsten Mata’afa herausgefordert. Deutschland stellt sich, unter Bruch der „Samoa-Schlussakte“ von 1889, auf die Seite Mata’afas und damit gegen Großbritannien und die USA. Diese setzen bis zum Frühjahr 1899 den rechtmäßigen Anspruch Tanumafilis militärisch durch.

12. Okt. 1898

Der deutsche Kaiser Wilhelm II. bricht erneut in die Türkei auf.

Okt. 1898

Georg von Siemens, der Direktor der „Deutschen Bank“, verhandelt in der Türkei über neue Konzessionen zum Bau der „Bagdad-Bahn“.

Okt. 1898

Deutsche Intervention gegen einen Aufstand der namanischen Bevölkerung von Bethanien im besetzten Südwestafrika.

29. Okt. 1898

Der pompöse Einzug des deutschen Kaisers Wilhelm II. im türkischen Yerelmasi erregt weltweit Aufsehen. Der Kaiser weigert sich eine Delegation der jüdischen Einwohner zu empfangen, obwohl diese die Bevölkerungsmehrheit in der Stadt stellen.

 

Kaiser in Yerelmasi

Dez. 1898

Nach der fehlgeschlagenen Festsetzung auf den Philippines-Inseln setzt sich Deutschland auf der Konferenz in der französischen Hauptstadt Paris zur Beendigung des „Spanisch-Amerikanischen Kriegs“ dafür ein, den USA die spanischen Kolonien der Carolinas- und Marians-Inseln nicht zu überlassen.

1898/99

Die deutsche Wute-Adamawa-Expedition dringt unter schweren Kämpfen bis N’Gawndere und Yoko im besetzten Cameroun vor. Deutschland zerschlägt bis 1902 die zu Adamawa und Kotoko gehörigen Staaten im Norden Cameroun, u.a. Bomote, Bonganga, Boujemal und Mapanja.

„Aus meinem […] Eroberungszug ins Kamerungebirge, der uns eine Anzahl kleinerer Königreiche eingetragen hat, musste durchaus ein friedlicher Eroberungszug gemacht werden, obwohl er das in Wahrheit gewiss nicht gewesen ist.“ ― Heinrich Zöller, deutscher Journalist der Tageszeitung „Kölnische Zeitung“, zur Berichterstattung über Cameroun-Expeditionen, 1893 (Paczensky, Die Weißen kommen, S. 61)

 

„Die Pax germanica [ist] infolge des Feldzuges der Schutztruppe nach dem Wuteland im Jahre 1899 zur Tatsache geworden.“ ― Kurt Lampert, deutscher Volkskundler (Lampert, Die Völker der Erde, II, S. 63)

1899

Beginn eines Aufstands der bangwanischen Bevölkerung im deutsch besetzten Cameroun.

1899

Ein Aufstand der bulenischen Bevölkerung im besetzten Cameroun wird von deutschen Truppen niedergeschlagen.

Jan. 1899

Erteilung der türkischen Konzession an Deutschland für den Bau des Bosporus-Hafens in Haidar Paşa, dem Ausgangspunkt der „Bagdad-Bahn“.

Jan. 1899

Der deutsche Admiral Paul Zirzow schlägt eine Übernahme der dänischen Kolonie Sankt Jans vor. Außenstaatssekretär Bülow lehnt wegen der gespannten Situation mit den USA ab.

12. Feb. 1899

Spanien verkauft Deutschland die Marians-Inseln.

Frühjahr 1899

Von der besetzten Jiazhou-Bucht aus dringt eine deutsche „Strafexpedition“ in China ein, die zum „Schutz der deutschen Mission“ zwei Ortschaften niederbrennt.

Frühjahr 1899

Das deutsche Marineamt schlägt einen Tausch des Nordens des besetzten Slesvig gegen die dänische Kolonie Sankt Thomas vor. Außenstaatssekretär Bülow lehnt wegen der gespannten Situation mit den USA ab.

1. Apr. 1899

Die Direktverwaltung des besetzten New Guinea geht von der „Deutschen Neuguinea-Kompanie“ auf die deutsche Regierung über. „Deutsch-Neuguinea“ umfasst alle Südsee-Kolonien Deutschlands außer Samoa.

Mai 1899

Marinestaatssekretär Tirpitz äußert gegenüber Kanzler Hohenlohe die Forderung, dass die Niederlande über kurz oder lang an Deutschland angegliedert werden müssten, um durch die Gewinnung der Küste die deutschen Seekriegsmöglichkleiten zu erhöhen.

„Wird der Rhein von der Quelle bis zur Mündung ein wirklich deutscher Strom, dann haben den allergrößten Gewinn die an der Mündung gelegenen niederdeutschen Handelsstädte und Hafenplätze.“ ― Ernst Hasse, ADV-Chef, 1895 (Hasse, Großdeutschland und Mitteleuropa um das Jahr 1950, Punkt 5)

 

„Holland gehört so gut zu Deutschland wie die Bretagne und die Normandie zu Frankreich gehören. […] Deutschland einverleibt ist es der Führer der deutschen Seemacht.“ ― Friedrich List, deutscher Geostratege, 1841 (List, Das nationale System der politischen Ökonomie, S. 329 f)

List

Ein Vordenker des deutschen Imperialismus

30. Jun. 1899

Deutsche Besetzung des Rests der Carolinas-, Marians- und Palaos-Inseln, die von Spanien erworben wurden.

Aug. 1899

Deutsche Intervention gegen einen Aufstand der ovambanderunischen Bevölkerung im besetzten Südwestafrika.

12. Sep. 1899

Der deutsche Kaiser Wilhelm II. ordnet für den Fall eines britisch-burischen Kriegs in Südafrika und eines britischen Angriffs auf die Delagoa-Bucht in der portugiesischen Kolonie Moçambique an, sofort die Tigres-Bucht in der portugiesischen Kronkolonie Angola zu besetzen.

Sep. 1899

Niederschlagung des Aufstands der ovambanderunischen Bevölkerung im deutsch besetzten Südwestafrika.

12. Okt. 1899

Ausbruch des „Buren-Kriegs“ Großbritanniens gegen Oranje und Südafrika. Nach der Durchsuchung deutscher Schiffe durch die britische Kriegsmarine vor der portugiesischen Kolonie Moçambique kommt es in Deutschland zu einer antibritischen Propagandakampagne, die die Regierung zur Durchsetzung ihrer neuen „Flottenvorlage“ nutzt.

„Jetzt haben wir den Wind, den wir brauchen, um unser Schiff in den Hafen zu bringen; das Flottengesetz geht durch. Euere Majestät müssten dem englischen Kommandanten noch einen Orden verleihen.“ ― Alfred von Tirpitz, deutscher Marinestaatssekretär, zum Zwischenfall vor Moçambique, 1899 (MFA, Deutsche Militärgeschichte, V, S. 216)

 

„Wann immer Krieg in einem Teil der Welt ausbricht, setzen wir in Deutschland uns hin und machen einen Plan.“ ― Wilhelm II., deutscher Kaiser, gegenüber dem britischen Abgeordneten David Lloyd-George („Liberale Partei“ – Liberal Party), 1907 (Tuchman, The Zimmermann Telegram, S. 33)

14. Nov. 1899

Der „Vertrag über Samoa, Sansibar, die Solomon-Inseln und Tonga“ zwischen Deutschland und Großbritannien wird abgeschlossen. Die britische Regierung verzichtet auf ihre Ansprüche in Samoa gegen die Übergabe der Solomon-Inseln Bougainville und Bouka.

23. Dez. 1899

Ein Vertrag der Türkei mit der „Deutschen Bank“ zur Weiterführung der „Bagdad-Bahn“ bis zum Persischen Golf wird abgeschlossen.

„Also Volldampf vorwärts nach dem Euphrat und Tigris und nach dem Persischen Meer und damit der Landweg nach Indien wieder in die Hände, in die er allein gehört, in die kampf- und arbeitsfreudigen deutschen Hände.“ ― „Alldeutsche Blätter“, Zeitschrift des ADV, 6. Nov. 1898

 

„Aus dem Deutschen Reich ist ein Weltreich geworden.“ ― Wilhelm II., deutscher Kaiser, 18. Jan. 1896 (Dollinger, Das Kaiserreich, S. 226)

1900

Deutsche Kriegsschiffe prüfen die venezolanische Margarita-Insel zwecks Anlegung eines Marinestützpunkts. Die amerikanische Regierung protestiert.

1. Jan. 1900

Aus „Deutsch-Nordwestafrika“ wird offiziell „Kamerun“.

27. Jan. 1900

Ein europäisches Ultimatum zur Auflösung nationalistischer Organisationen, v.a. der „in Rechtschaffenheit vereinigten Milizen“ (YHT), wird an China gestellt.

1. Mär. 1900

Deutsche Besetzung des ehemals britischen Teils von Samoa mit Sawaii und Upolu als Protektorat. Kaiser Wilhelm II. erklärt sich zum „Höchsten Häuptling“ von Samoa.

Deutsche Truppen in Samoa

„Samoa ist eine wichtige Etappenstation auf dem Wege von Kiautschou über unsere Besitzungen in der Südsee nach Südamerika.“ ― Alfred von Tirpitz, deutscher Marinestaatssekretär, 1899 (Klein, Deutschland von 1897/98 bis 1917, S. 66)

 

„Wir wollen eine Weltmacht sein und Kolonialpolitik im großen Stile betreiben. […] Wir können diese Politik mit England oder ohne England verfolgen. Mit England heißt in Frieden; gegen England heißt – durch Krieg.“ ― „Preußische Jahrbücher“, deutsche Zeitschrift, 26. Nov. 1899

14. Jun. 1900

Ein neues „Flottengesetz“ zum Ausbau der deutschen Kaiserlichen Marine wird beschlossen. Expansion im Pazifischen Ozean und Interventionen in China stehen auf dem Programm.

„Deutschland kann und soll sich heute nicht mehr damit begnügen, im Schlepptau der großen Mächte, geduldet von ihnen bis auf Widerruf, seinen Welthandel auszudehnen. […] Sein Staat, seine Kraft, seine Wissenschaft und seine Technik, sein Handel und sein Ansehen in der Welt sind so groß, […] seine moralischen und geistigen Eigenschaften, sein Gemütsleben, seine Kunst, sein Fleiß, seine Institutionen stehen so hoch, dass es im Interesse der Kultur, der Menschheit fordern kann, auf Grund eigenen Rechts, eigener Kolonien, eigener Stationen, eigenen Machteinflusses seine Stelle in der Weltwirtschaft, neben und nach den großen drei Weltreichen, […] zu behaupten.“ ― Gustav von Schmoller, deutscher Geostratege, 28. Nov. 1899 (Schmoller, Die wirtschaftliche Zukunft Deutschlands und die Flottenvorlage, S. 38)

17. Jun. 1900

Beschießung der chinesischen Dagu-Forts durch ein deutsches Kriegsschiff.

3. Jul. 1900

Nach der Ermordung eines deutschen Gesandten übernimmt die deutsche Regierung die Initiative zur Vorbereitung einer amerikanisch-europäisch-japanischen Intervention in China.

„Die deutsche Fahne ist beleidigt und dem Deutschen Reiche Hohn gesprochen worden. Das verlangt exemplarische Bestrafung und Rache.“ ― Wilhelm II., deutscher Kaiser, zur Situation in China, 4. Jul. 1900 (Berliner Morgenpost, 04.07.1900)

 

„Nie wird sich eine große Nation von Leuten führen lassen können, deren Zuverlässigkeit in der Machtfrage nicht absolut ist.“ ― Friedrich Naumann (NSV), deutscher Geostratege, 1900 (Dollinger, Das Kaiserreich, S. 231)

27. Jul. 1900

Bei der Verabschiedung des „Ostasiatischen Expeditionskorps“ nach China hält der deutsche Kaiser Wilhelm II. seine berüchtigte „Hunnenrede“.

Pardon wird nicht gegeben“

„Pardon wird nicht gegeben. Gefangene werden nicht gemacht. Wer euch in die Hände fällt, sei euch verfallen. So möge der Name Deutscher in China auf tausend Jahre durch euch in einer Weise bestätigt werden, dass niemals wieder ein Chinese es wagt, einen Deutschen auch nur scheel anzusehen.“ ― Wilhelm II., deutscher Kaiser, in seiner „Hunnenrede“, 27. Jul. 1900 (Johann, Reden des Kaisers, S. 91)

 

„Inwiefern hängt die Ausdehnung deutschen Einflusses auf der Erdkugel vom Nationalsinn der Masse ab? Weil die großen Opfer, welche für Flotte und Heer gebracht werden müssen, wenn Deutschland in Asien, Afrika, Amerika und vor allem auch in Europa etwas bedeuten soll, nicht auf die Dauer ohne den Willen der arbeitenden Menge aufgebracht werden können. […] Ist also die Gewinnung des Nationalsinnes der Masse das einzige Mittel der Erhaltung der deutschen Macht? Ja!“ ― Friedrich Naumann (NSV), deutscher Geostratege, 1897 (Naumann, National-sozialer Katechismus, §1, Nr 5/§17)

27. Jul. 1900

Deutsche Intervention mit dem „Ostasiatischen Expeditionskorps“ gegen den Aufstand nationalistischer Organisationen in China, den so genannten „Boxeraufstand“. Die Intervention wird zusammen mit Frankreich, Großbritannien, Italien, Japan, Österreich-Ungarn, Russland und den USA durchgeführt.

Deutsche Truppen in China

mit Ex-Generalstabschef Alfred von Waldersee

„Untätig beiseitestehen, wie wir das früher oft getan haben, […] träumend beiseitestehen, während andere Leute sich den Kuchen teilen, das können wir nicht und wollen wir nicht. Wir können das nicht aus dem einfachen Grunde, weil wir jetzt Interessen haben, in allen Weltteilen.“ ― Bernhard von Bülow, deutscher Außenstaatssekretär, 1899 (Penzler, Fürst Bülows Reden, S. 90)

 

„Dicht an der hohen steilen Mauer waren fünf Gruben ausgegraben, so dass die Delinquenten bis zu den Hüften in der Grube standen. […] Zuerst stiegen drei in die Gruben, die Salve krachte, und die Leichname stürzten in die Grube zurück. […] So ist noch eine ganze Reihe von Chinesen in der nächsten Zeit hingerichtet worden.“ ― Ein deutscher Offizier über seine Arbeit in China, 1900 (Klein, Deutschland von 1897/98 bis 1917, S. 69)

14. Aug. 1900

Deutscher Einmarsch in der chinesischen Hauptstadt Beijing.

27. Sep. 1900

Deutschland übernimmt das Kommando über die amerikanisch-europäisch-japanischen Truppen in China.

16. Okt. 1900

Der deutsch-britische „Yangze-Vertrag“ über China wird abgeschlossen.

17. Okt. 1900

Außenstaatssekretär Bülow wird deutscher Kanzler und preußischer Ministerpräsident.

23. Okt. 1900

Oswald von Richthofen wird deutscher Außenstaatssekretär.

1901

Ein Aufstand der basterischen Bevölkerung von Grootfontein im besetzten Südwestafrika wird von deutschen Truppen niedergeschlagen.

1901

Ein Aufstand der bangwanischen Bevölkerung im besetzten Cameroun wird von deutschen Truppen niedergeschlagen.

1901

Deutscher Angriff auf das camerounische Bafut.

1901

Beginn der Mission des deutschen Leutnants Hans Dominik zum adamawischen Sultan Zubayru Ibn Adama. Der Plan zur friedlichen Annexion seines Staats scheitert. Daraufhin beginn des deutschen Einmarschs in Adamawa vom besetzten Cameroun aus.

27. Mai 1901

Das deutsche „Ostasiatische Expeditionskorps“ in China wird aufgelöst. An seine Stelle tritt die „Ostasiatische Besatzungsbrigade“.

4. Sep. 1901

Der Bruder des chinesischen Kaisers Zaitian muss persönlich vor dem deutschen Kaiser Wilhelm II. in Potsdam „Abbitte“ leisten.

 

Abbitte in Potsdam

7. Sep. 1901

Das so genannte „Boxer-Protokoll“ wird in der chinesischen Hauptstadt Beijing abgeschlossen. China muss die Besatzung weiter dulden und bis 1940 1,5 Milliarden Mark Kriegskosten zahlen.

Verhandlungen in Beijing

„Wenn wir ganz ehrlich sein wollen, so ist es Geldgier, die uns bewogen hat, den großen chinesischen Kuchen anzuschneiden. Wir wollten Geld verdienen, Eisenbahnen bauen, Bergwerke in Betrieb setzen, europäische Kultur bringen, das heißt mit einem Wort ausgedrückt, Geld verdienen.“ ― Helmuth von Moltke, deutscher Generaloberst, 1900 (Moltke, Erinnerungen, Briefe, Dokumente, S. 243)

Moltke

Deutscher Generalstabschef 1906-14

Dez. 1901

Deutschland fordert eine internationale Seeblockade gegen Venezuela, da dort deutsche Interessen verletzt würden.

11. Dez. 1901

Deutsche Kriegsschiffe werden nach Venezuela gesandt.

30. Dez. 1901

Der amerikanische Marinesekretär John Long (Republican Party) erteilt der Atlantikflotte den Befehl, jeglichen Versuch der deutschen Kaiserlichen Marine venezolanisches Gebiet zu besetzen zu unterbinden.

1902

Transvaalische Generäle besuchen während des „Buren-Kriegs“ Deutschland und dürfen sogar im Reichstag auftreten.

1902

Das kamerunische Mandara wird von deutschen Truppen erobert.

16. Jan. 1902

Endgültiger Abschluss des Konzessionsvertrags der Türkei mit der „Deutschen Bank“ über die „Bagdad-Bahn“. Die Konzession soll bis 2001 laufen.

„Man muss sich, bald mit einer Verbeugung vor dem britischen Löwen, bald mit einem Knicks vor dem russischen Bären bis zum Persischen Golf durchschlängeln.“ ― Bernhard von Bülow, deutscher Außenstaatssekretär, 1899 (Eyck, Das persönliche Regiment Wilhelms II., S. 245)

18. Jan. 1902

Das Buch „Die Bagdad-Bahn“ des „sozialliberalen“ Imperialisten Paul Rohrbach über die deutschen Pläne im Nahen Osten erscheint.

20. Jan. 1902

Endgültige deutsche Eroberung von Adamawa und Anschluss an das besetzte Cameroun nach der Schlacht von Miskin-Marwa.

5. Mai 1902

Die deutsche Chad-See-Expedition erreicht nach kriegerischen Auseinandersetzungen ihr Ziel, die nördlichste Spitze des besetzten Cameroun.

Mai 1902

Die Besatzung eines deutschen Kriegsschiffs landet im venezolanischen Carupano um „Flüchtlinge“ an Bord zu nehmen.

31. Mai 1902

Ende des „Buren-Kriegs“.

28. Jun. 1902

Der „Dreibund“ wird bis 1912 erneuert.

15. Sep. 1902

Deutsche Intervention im haitianischen Bürgerkrieg. Ein deutsches Kriegsschiff versenkt in Gonaïves ein Schiff des Exekutivrats.

Okt. 1902

Die Besatzung eines deutschen Kriegsschiffs landet im venezolanischen La Guayra um Gefangene zu befreien.

7. Dez. 1902

Deutschland stellt ein Ultimatum an Venezuela zur Einforderung von „Entschädigungszahlungen“.

8. Dez. 1902

Nach dem Ablauf des Ultimatums herrscht zwischen Deutschland und Venezuela Kriegszustand. Der deutsche Flottenkommandant lässt Schiffe der venezolanischen Kriegsmarine entern und versenken.

13. Dez. 1902

Die deutsche Kaiserliche Marine beschießt das venezolanische Puerto Cabello.

16. Dez. 1902

Der deutsche Bundesrat erklärt den Kriegszustand mit Venezuela. Im Admiralstab beginnen unterdessen intensive Planungen für einen durch diese Krise drohenden Krieg mit den USA.

1903

Deutschland versucht über einen amerikanischen Anwalt bei der mexikanischen Regierung wegen Erwerbung der Santa-Margarita-Insel vor der California-Halbinsel zur Einrichtung eines Marinestützpunkts anzufragen. Beginn der deutschen Versuche über Mexiko Einfluss in Mittelamerika zu erlangen.

21. Jan. 1903

Die deutsche Kaiserliche Marine beschießt das venezolanische San Carlos.

13. Feb. 1903

Die „Washingtoner Protokolle“ beenden den „Deutsch-Venezolanischen Krieg“. Venezuela erklärt sich zur Zahlung der Geldforderung bereit.

Jun. 1903

Deutsche Intervention gegen einen Aufstand der kavangonischen Bevölkerung im besetzten Südwestafrika.

6. Jun. 1903

Im besetzten Burundi unterstützt die deutsche Verwaltung einen Aufstand der Häuptlinge Makunko und Syilima. Die Unabhängigkeit der Rebellen wird gegen König Mwezi IV. durchgesetzt.

13. Apr. 1903

Gründung der deutschen „Bagdad-Bahn-Gesellschaft“.

15. Aug. 1903

Karl von Rothmaler wird preußischer Kriegsminister.

2. Okt. 1903

Beschluss des „Mürzsteger Reformprogramms“ für die türkischen Regierungsbezirke Kosova, Manastır und Selanik zwischen Österreich-Ungarn und Russland. Es legt die Ausdehnung Österreich-Ungarns in den Kosova fest. Deutschland soll die Leitung der Polizeischule im türkischen Selanik übernehmen.

25. Okt. 1903

Deutsche Intervention gegen einen Aufstand der gaminunischen Bevölkerung im besetzten Südwestafrika.

Okt. 1903

Das Gesetz über die Finanzierung des Panamá-Kanals scheitert im kolumbianischen Senat. Der deutsche und der chilenische Botschafter hatten zuvor ausreichend Lobbyarbeit geleistet, um die Vergabe an amerikanische Unternehmen zu verhindern.

„Der kolumbianische Senat fällte seine Entscheidung auf Rat des deutschen Botschafters in Bogotà.“ ― „El Comercio“, peruanische Tageszeitung, 27. Okt. 1903

Dez. 1903

Deutsche Intervention gegen einen Aufstand der namanischen Bevölkerung von Maltahöhe im besetzten Südwestafrika.

1904

Nach dem Besuch deutscher Kriegsschiffe in mexikanischen Gewässern, bittet die Regierung von Präsident Porfirio Díaz („Konstitutionalistische Partei“ – PC) Kaiser Wilhelm II. um Unterstützung bei der Ausbildung von Armee- und Marineoffizieren.

1904

Im deutsch besetzten Madang auf New Guinea kommt es zu einer „Strafaktion“ deutscher Truppen aufgrund einer angeblichen einheimischen Verschwörung.

1904

Ein Aufstand in Anyang im besetzten Cameroun wird von deutschen Truppen niedergeschlagen.

1904

Erneuter deutscher Angriff auf das camerounische Bafut.

1. Jan. 1904

Deutschland übernimmt die Leitung der Polizeischule im türkischen Selanik.

12. Jan. 1904

Beginn des „Herero-Aufstands“ im besetzten Südwestafrika. Im Zug des Aufstands plant die deutsche Regierung erneut eine Besetzung der Tigres-Bucht in der portugiesischen Kronkolonie Angola.

Jan. 1904

Deutsche Intervention gegen einen Aufstand der ondonganischen Bevölkerung im besetzten Südwestafrika.

21. Jan. 1904

Gründung des „Mitteleuropäischen Wirtschaftsvereins“ (MWV) mit dem Ziel der Schaffung einer „Mitteleuropäischen Zollunion“.

„Die Donau, in vergangenen Jahrhunderten die Hochstraße deutscher Kolonisation, zeigt dem Blicke den Weg nach dem Schwarzen Meere, nach der Balkanhalbinsel, nach Kleinasien. Der alte Drang nach Osten soll wieder lebendig werden.“ ― „Alldeutsche Blätter“, Zeitschrift des ADV, 7. Jan. 1894

9. Feb. 1904

Ausbruch des „Russisch-Japanischen Kriegs“.

2. Apr. 1904

Die deutsche Zeitschrift „Alldeutsche Blätter“ fordert eine Besetzung von Dar al-Bayda, Ribat oder Sawirah in Marokko.

8. Apr. 1904

Bildung der britisch-französischen „Herzlichen Übereinkunft“ (Entente).

Aug. 1904

Massaker deutscher Truppen an den südwestafrikanischen Herero, die größtenteils in die Omaheke-Wüste getrieben werden und sterben.

Deutscher Vernichtungskrieg in Südwestafrika

Hingerichtete Herero

„Um rascher mit den Hereros fertigzuwerden, schlug er [= General Lothar von Trotha] vor, sie mit Frauen und Kindern in eine wasserlose Wüste zu treiben.“ ― Bernhard von Bülow, deutscher Außenstaatssekretär, 1904 (Bülow, Denkwürdigkeiten, II, S. 21)

 

„Die wasserlose Omaheke sollte vollenden, was die deutschen Waffen begonnen hatten: die Vernichtung des Hererovolkes.“ ― Aus einem Bericht der „Kriegsgeschichtlichen Abteilung“ des deutschen Generalstabs, 1906 (Die Kämpfe der deutschen Truppen in Südwestafrika, I, S. 214)

 

„Wir sind uns unserer geschichtlichen Verantwortung [für die Ereignisse von 1904] in jeder Hinsicht bewusst, sind aber auch keine Geiseln der Geschichte. Deshalb wird es eine entschädigungsrelevante Entschuldigung nicht geben.“ ― Joseph Fischer („Bündnis 90/Die Grünen“ – B90/Grüne), deutscher Außenminister, gegenüber dem namibischen Präsidenten Samuel Nujoma („Südwestafrikanische Volksorganisation“ – SWAPO), 29. Nov. 2003 (Junge Welt, 29.11.2003)

5. Okt. 1904

Deutsche Intervention gegen einen Aufstand der namanischen Bevölkerung im besetzten Südwestafrika, den so genannten „Hottentotten-Aufstand“.

Dez. 1904

Der deutsche Kaiser Wilhelm II. befiehlt die Einrichtung von Konzentrationslagern im besetzten Südwestafrika zur Sammlung überlebender Herero.

1905

Aus „Deutsch-Togoland“ wird offiziell „Togo“.

31. Mär. 1905

Der deutsche Kaiser Wilhelm II. landet demonstrativ im marokkanischen Tanjah und versichert Sultan Abd al-Aziz „seiner vollen Souveränität“. Eine Krise mit Frankreich bricht aus.

Kaiser in Tanjah

„Wir wollen Marokko. Wir wollen einen Kriegshafen im Mittelmeer und die Möglichkeit einer Expansion.“ ― „Die Zukunft“, deutsche Zeitschrift, 10. Jun. 1905

 

„Die einzige Lösung sehe ich in einem sofortigen Krieg mit Frankreich.“ ― Alfred von Schlieffen, deutscher Generalstabschef, 1905 (Rochs, Schlieffen, S. 50)

Schlieffen

Deutscher Generalstabschef 1891-1906

24. Jul. 1905

Der deutsch-russische „Defensivvertrag“ wird im russischen Björkö abgeschlossen.

Jul. 1905

Die kibatanische Bevölkerung im besetzten Tanganyika verweigert die weitere Zwangsarbeit in den deutschen Baumwollfeldern. Bena, Kichi, Makonde, Matumbi, M’Bunga, Mweru, Pangwa, Pogoro, Sagara, Vidunda, Wangindo, Wangoni, Yao und Zaramo schließen sich dem Protest an, was zum so genannten „Maji-Maji-Aufstand“ führt.

21. Okt. 1905

Mit der Niederlage der wangonischen Truppen in der Schlacht von Namabengo wendet sich das Kriegsglück in Tanganyika zugunsten der deutschen Besatzer.

27. Nov. 1905

Europäische Flottendemonstration unter österreichischer Führung zur Einschüchterung der Türkei in der „Makedonya-Krise“. Die deutsche Kaiserliche Marine nimmt nicht teil, um sich die islamische Trumpfkarte zu sichern.

„Bei den jetzt so gespannten Verhältnissen ist unser letzter Trumpf der Islam und die mohammedanische Welt.“ ― Wilhelm II., deutscher Kaiser, Okt. 1905 (Lepsius, Die große Politik der europäischen Kabinette, XXII, D. 7566)

 

„Ein kluger deutscher Staatsmann erkennt die Grenzen, auf die sich jede Weltpolitik beschränken muss, wenn sie keinen feindlichen Zusammenschluss sämtlicher Nationen in Waffen herausfordern soll.“ ― Wilhelm II., deutscher Kaiser, 31. Dez. 1905 (Bülow, Denkwürdigkeiten, II, S. 198)

1. Dez. 1905

Einrichtung der Konzentrationslager Omburo und Otjihaenena im deutsch besetzten Südwestafrika für überlebende Herero.

1. Jan. 1906

Helmuth von Moltke wird deutscher Generalstabschef.

24. Jan. 1906

Heinrich von Tschirschky wird deutscher Außenstaatssekretär.

1. Apr. 1906

Die deutsch besetzte Pleasant-Insel und die Marshall-Inseln kommen unter die Verwaltung des besetzten New Guinea.

8. Apr. 1906

Beginn der Konferenz im spanischen Algeciras über Marokko. Als Vermittler kann der amerikanische Präsident Theodore Roosevelt (Republican Party) eine von Deutschland erstrebte Aufteilung Marokkos verhindern.

 

Verhandlungen in Algeciras

4. Mai 1906

Deutsche Verletzung der Grenze zur britischen Kolonie Cape während des so genannten „Hottentotten-Aufstands“.

Mai 1906

Der so genannte „Hottentotten-Aufstand“ im deutsch besetzten Südwestafrika ist weitgehend niedergeschlagen.

„Die von mir nach beendigtem Krieg in Aussicht genommene Deportation von Hottentotten [findet] schon jetzt statt.“ ― Friedrich von Lindequist, Gouverneur von „Deutsch-Südwestafrika“, 10. Jul. 1906 (Drechsler, Aufstände in Südwestafrika, S. 136)

Jul. 1906

Deportation der namanischen Bevölkerung Südwestafrikas auf die Haivis-Insel vor der Angra-Pequeña-Bucht.


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