1907

Die „Kolonialabteilung“ wird vom Auswärtigen Amt unabhängig. Direktor Bernhard Dernburg ist nun erster deutscher Kolonialstaatssekretär.

1907

In einem Komplott versucht die deutsche Regierung, erneut einen Fuß in die lateinamerikanische Tür zu bekommen. Zunächst wird die mexikanische Regierung bedrängt, ihr Ausbildungsangebot an das deutsche Militär von 1904 zu erneuern. Gleichzeitig versuchen deutsche Diplomaten in Washington die amerikanische Regierung davon zu überzeugen, dass japanische Truppen in Mexiko für einen Angriff auf die amerikanische Panama Canal Zone bereitstünden und dass nur eine sofortige deutsche Landung in Mexiko dieser Armee ein Ende machen könnte. Der amerikanische Präsident Roosevelt (Republican Party) fällt nicht auf den Schwindel herein.

„Es sind Reservisten die versteckte Waffen mit sich tragen und als Armeekorps vorgesehen sind, um den Panama-Kanal zu besetzen. […] Dies sind sichere und gute Informationen da Du sehr gut weißt, dass ich Dir niemals falsche gegeben habe.“ ― Wilhelm II., deutscher Kaiser, gegenüber dem russischen Kaiser Nikolaj II., 1907 (Tuchman, The Zimmermann Telegram, S. 33)

1907

Erneuter deutscher Angriff auf das camerounische Bafut. Da kein fähiger Marionettenkönig gefunden werden kann, erlauben die deutschen Besatzer die Rückkehr des exilierten Königs Abumbi I. Ende der deutschen „Bafut-Kriege“ nach 16 Jahren.

31. Mär. 1907

Nach der Niederwerfung aller Aufstände endet der Kriegszustand in Südwestafrika. Insgesamt gab es rund 77,000 Tote in den Südwest-Kolonialkriegen Deutschlands.

Aug. 1907

Der so genannte „Maji-Maji-Aufstand“ im besetzten Tanganyika wird endgültig niedergeschlagen. Die politischen und wirtschaftlichen Strukturen v.a. in Wangoni sind total vernichtet. Deutsche Kommissare führen zusätzlich eine Politik der verbrannten Erde durch (Dörfer werden zerstört, Ernten und Vorräte verbrannt, Brunnen zugeschüttet), die in einer zweijährigen Hungersnot mündet. Insgesamt gab es rund 135,000 Tote.

Deutscher Vernichtungskrieg in Tanganyika

Wangoni vor der Hinrichtung

„All dies [= die Niederschlagung der Aufstände in ‚Deutsch-Ostafrika’] [brachte] das große Gebiet in eine Ruhe und in einen Frieden und ein gedeihsames Aufnehmen, […] die früheren Geschlechtern der Eingeborenen als völlig unmöglich und als nicht von dieser Welt erschienen sein würden.“ ― Karl Lamprecht, deutscher Historiker, 1904 (Lamprecht, Deutsche Geschichte, Ergänzung II, S. 655)

31. Aug. 1907

Der britisch-russische Vertrag zur Bildung der „Tripel-Entente“ wird abgeschlossen.

18. Okt. 1907

Deutschland unterschreibt den „Haager Vertrag“ zur „friedlichen Erledigung internationaler Streitfälle“.

26. Okt. 1907

Eduard von Schoen wird deutscher Außenstaatssekretär.

1908

Der „Allgemeine deutsche Schulverein“ wird in „Verein für das Deutschtum im Ausland“ (VDA) umbenannt.

1908

Deutsche Ingenieure unter Heinrich Meissner beginnen den Ausbau der strategischen türkischen Bahnverbindung von Şam in die Sina’-Halbinsel.

Jan. 1908

Erneut versucht der deutsche Kaiser Wilhelm II. den amerikanischen Botschafter Charlemagne Tower davon zu überzeugen, dass japanische Truppen in Mexiko für einen Angriff auf die amerikanische Panama Canal Zone bereitstünden. Der Botschafter fällt nicht auf den Schwindel herein.

Mär. 1908

Deutsche Intervention gegen den so genannten „Kopper-Aufstand“ im besetzten Südwestafrika.

14. Jun. 1908

Ein neues „Flottengesetz“ zum Ausbau der deutschen Kaiserlichen Marine wird beschlossen.

Aug. 1908

Ein Interview der amerikanischen Tageszeitung „The New York Times“ mit Kaiser Wilhelm II. legt die Ziele des deutschen Imperialismus offen, und wird deshalb von der amerikanischen Regierung nicht zur Veröffentlichung freigegeben, um eine internationale Krise zu vermeiden. Wilhelm II. hatte u.a. einen baldigen Krieg Deutschlands gegen Großbritannien angekündigt.

25. Sep. 1908

Der so genannte „Casablanca-Zwischenfall“ führt zu einer erneuten Krise um Marokko.

„Deutschland verfolgt in Marokko nur ökonomische Interessen.“ ― Bernhard von Bülow, deutscher Kanzler, 1908 (Chvostov, Geschichte der Diplomatie, II, S. 241)

 

„Wer uns heute dazu hilft, in Marokko ein Siedlungsgebiet für unseren Bevölkerungsüberschuss zu bereiten und auszubauen, schafft die sicherste Gewähr dafür, dass in absehbarer Zeit die Welt vom deutschen Volke keinen Angriffskrieg zu befürchten hat.“ ― Heinrich Claß, ADV-Chef, 1911 (Gründer, Da und dort ein junges Deutschland gründen, S. 196)

 

„Wir haben große deutsche Firmen in Mogador und Agadir. Deutsche Schiffe könnten sich zum Schutz dieser Firmen in jene Häfen begeben. Sie könnten dort ganz friedlich stationiert werden – nur um das Zuvorkommen anderer Mächte in diesen wichtigen Häfen Südmarokkos zu hindern.“ ― Alfred von Kiderlen-Wächter, deutscher Außenstaatssekretär, 1911 (Lepsius, Die große Politik der europäischen Kabinette, XXIX, S. 104)

Kiderlen

Deutscher Außenstaatssekretär 1910-12

5. Okt. 1908

Deutsche Unterstützung (v.a. durch Kanzler Bülow) für Österreich-Ungarn beim Bruch des „Berliner Traktats“ von 1878. Österreich-Ungarn darf den besetzten türkischen Regierungsbezirk Hodide annektieren.

„Das Weltreich, das ich mir geträumt habe, soll darin bestehen, […] dass, wenn man dereinst vielleicht von einem deutschen Weltreich oder einer Hohenzollern-Weltherrschaft in der Geschichte Reden sollte, sie nicht auf Politik begründet sein soll durch das Schwert, sondern durch gegenseitiges Vertrauen der nach gleichen Zielen strebenden Nationen.“ ― Wilhelm II., deutscher Kaiser, 23. Mär. 1905 (Dollinger, Das Kaiserreich, S. 255)

7. Okt. 1908

Österreich-Ungarn annektiert den besetzten türkischen Regierungsbezirk Hodide als „Bosnien-Herzegowina“.

27. Okt. 1908

Ein Interview der britischen Tageszeitung „Daily Telegraph“ mit Kaiser Wilhelm II. legt die Ziele des deutschen Imperialismus offen.

„Deutschland treibt einen weltweiten Handel, der sich ständig vergrößert und keine Beschränkungen duldet. […] Wir müssen damit rechnen, dass unsere Interessen sich vermehren und wir müssen dann in der Lage sein, sie auf allen Weltmeeren zu verteidigen.“ ― Wilhelm II., deutscher Kaiser, 27. Okt. 1908 (Daily Telegraph, 27.10.1908)

Dez. 1908

Deutsche Intervention gegen einen Aufstand der gaminunischen Bevölkerung im besetzten Südwestafrika.

22. Jan. 1909

Das besetzte „Deutsch-Sambesiland“ wird in „Caprivi-Zipfel“ umbenannt.

9. Feb. 1909

Ein deutsch-französischer Vertrag über Marokko wird abgeschlossen.

1909

Deutsche Reorganisierung der türkischen Armee nach dem Putsch des „Komitees für Einheit und Fortschritt“ (ITC), der so genannten „Jungtürken“.

„Einzig und allein eine politisch und militärisch starke Türkei ermöglicht es uns, dafür zu sorgen, dass die großen Aussichten, welche sich in den Ländern am Euphrat und Tigris für die Vergrößerung unseres Nationalvermögens und die Verbesserung unserer wirtschaftlichen Bilanz bieten, auch wirklich mit einiger Sicherheit in die Sphäre der realen Existenz übergehen können.“ ― Paul Rohrbach, deutscher Geostratege, 18. Jan. 1902 (Rohrbach, Die Bagdadbahn, S. 16)

Jun. 1909

Niederschlagung des Aufstands der gaminunischen Bevölkerung im deutsch besetzten Südwestafrika.

14. Jul. 1909

Theobald von Bethmann-Hollweg wird deutscher Kanzler und preußischer Ministerpräsident.

11. Aug. 1909

Josias von Heeringen wird preußischer Kriegsminister.

1910

Ein Aufstand der makaanischen Bevölkerung im besetzten Cameroun wird von deutschen Truppen niedergeschlagen.

9. Jun. 1910

Friedrich von Lindequist wird deutscher Kolonialstaatssekretär.

27. Jun. 1910

Alfred von Kiderlen-Wächter wird deutscher Außenstaatssekretär.

Sep. 1910

Deutsche Intervention gegen einen Aufstand der n’gunischen Bevölkerung von Cape im besetzten Südwestafrika.

Okt. 1910

Niederschlagung des Aufstands der n’gunischen Bevölkerung von Cape im deutsch besetzten Südwestafrika.

17. Okt. 1910

Beginn eines Aufstands gegen die deutsche Herrschaft auf mehreren der besetzten Carolinas-Inseln, dem so genannten „Ponape-Aufstand“.

1911

Das Buch „Deutschland und der nächste Krieg“ von Friedrich von Bernhardi erscheint.

1911

Die Briten gehen militärisch gegen den Vorstoß der deutschen Firma „Mönckhaus“ auf die Abu-Musa-Insel im Persischen Golf vor.

23. Feb. 1911

Ende des so genannten „Ponape-Aufstands“ in den deutsch besetzten Carolinas-Inseln. Die Bevölkerung der aufständischen Sokehs-Insel wird von den deutschen Machthabern auf die besetzten Palaos- und Yap-Inseln deportiert.

6. Mär. 1911

Aufgrund der Veröffentlichung des vom deutschen Agenten Horst von der Goltz in der französischen Hauptstadt Paris gestohlenen Entwurfs eines japanisch-mexikanischen Wirtschaftsvertrags durch die deutsche Regierung, wird die amerikanische Armee in Texas mobilisiert. Ein Krieg der USA gegen Mexiko scheint bevorzustehen. Der deutsche Militärattaché Herwarth von Bittenfeld begibt sich sofort ins texanische El Paso.

9. Apr. 1911

Um die Krise zwischen den USA und Mexiko anzuheizen erscheint in der amerikanischen Tageszeitung „The Evening Sun“ ein Foto des japanisch-mexikanischen Vertrags und ein dazugehöriger Artikel, der einen Krieg als unausweichlich darstellt. Der verantwortliche Journalist gibt später zu, sämtliche Informationen vom deutschen Militärattaché Bittenfeld erhalten zu haben.

Mai 1911

Die islamistische und antirussische Propaganda der in der Türkei erscheinenden deutschen Zeitschrift „Osmanischer Lloyd“ führt zu einer russischen Beschwerde.

1. Jul. 1911

Der so genannte „Panthersprung“ nach Agadir der deutschen Kaiserlichen Marine findet statt. Erneuter Versuch sich in Marokko festzusetzen.

Deutsches Kriegsschiff vor Marokko

„Vielleicht lässt sich auch ein Deutscher aus Patriotismus in Marokko erschlagen, damit wir zu seinem Schutze einschreiten können.“ ― Alfred von Kiderlen-Wächter, deutscher Außenstaatssekretär, 1911 (Dollinger, Das Kaiserreich, S. 338)

 

„Die deutsche Forderung nach dem Besitz von Marokko ist vollkommen gerechtfertigt. Sie können sich ganz darauf verlassen, dass die Regierung an Marokko dranbleiben wird. Monsieur [Jules] Cambon [= französischer Botschafter in Deutschland] windet sich vor mir wie ein Wurm.“ ― Alfred von Kiderlen-Wächter, deutscher Außenstaatssekretär, gegenüber ADV-Chef Heinrich Claß, Jun. 1911 (Usher, Pan-Germanism, www.gwpda.org)

 

„Heute erscheint der Panther vor Agadir. […] Die deutsche Regierung hat zwei agents provocateurs nach Agadir gesandt und diese habe ihre Pflicht sehr gut getan. Deutsche Firmen wurden veranlasst Beschwerden einzulegen und die Regierung in Berlin um Schutz zu bitten. Es ist die Absicht der Regierung die Gegend an sich zu reißen.“ ― Arthur Zimmermann, Unterstaatssekretär im deutschen Auswärtigen Amt, 1. Jul. 1911 (Usher, Pan-Germanism, www.gwpda.org)

Zimmermann

Deutscher Außenstaatssekretär 1916-17

15. Jul. 1911

Der deutsche Außenstaatssekretär Kiderlen fordert gegenüber dem französischen Botschafter Paul Cambon die Übergabe des gesamten Gebiets von Moyen Congo (Kolonie Afrique Équatoriale) als Ausgleich für einen deutschen Verzicht auf Marokko.

21. Jul. 1911

Eine Rede des britischen Schatzkanzlers David Lloyd-George (Liberal Party) über die „Marokko-Krise“ veranlasst die deutsche Regierung ihre Erpressungsversuche gegenüber Frankreich einzustellen. Lloyd hatte klargemacht, dass Großbritannien im Fall eines deutsch-französischen Kriegs um Marokko nicht neutral bleiben werde.

19. Aug. 1911

Ein deutsch-russischer Vertrag über Persien wird abgeschlossen. Deutschland garantiert die Nichteinmischung in die Angelegenheiten des Staats, sichert sich jedoch den Süden als Handelsgebiet.

„Wir brauchen wirtschaftlich den möglichst ungehinderten Bezug der notwendigen Rohstoffe und andererseits Absatzmärkte für unsere Fertigprodukte.“ ― „Berliner Börsen-Kurier“, deutsche Tageszeitung, 9. Jan. 1912

29. Sep. 1911

Ausbruch des italienisch-türkischen „Tripolis-Kriegs“.

4. Nov. 1911

Ein Vertrag über Marokko wird mit Frankreich abgeschlossen. Deutsche Besetzung eines Teils von Moyen Congo (Kolonie Afrique Équatoriale) und Anschluss an das besetzte Cameroun als „Deutsch-Kongo“ im Ausgleich für einen Verzicht auf Ansprüche in Marokko.

4. Nov. 1911

Heinrich Solf wird deutscher Kolonialstaatssekretär.

 

Solf

Deutscher Kolonialstaatssekretär 1911-18

Deutscher Außenstaatssekretär 1918

1912

Als die deutschen Besatzer in New Guinea von einer geplanten Revolte erfahren, werden ganze Dörfer umgesiedelt.

18. Mär. 1912

Nach einem Angebot der kolumbianischen Regierung wird in Deutschland die Einrichtung eines Marinestützpunkts auf der Gorgonza-Insel erwogen.

10. Apr. 1912

Deutsche Niederschlagung der aufständischen „N’Dungutse-Bewegung“ im Norden Rwandas im besetzten Tanganyika. Die dortigen Hutu-Rebellen wollten die Herrschaft des mit Deutschland kollaborierenden Tutsi-Königs Yuhi IV. abschütteln.

12. Okt. 1912

Der „Frieden von Lausanne“ beendet den „Tripolis-Krieg“.

18. Okt. 1912

Ausbruch des „Balkan-Kriegs“ Bulgariens, Griechenlands, Montenegros und Serbiens gegen die Türkei.

Okt. 1912

Nach Ausbruch des „Balkan-Kriegs“ wird ein deutsches Kriegsschiff zum „Schutz westeuropäischer Interessen“ ins Mittelmeer geschickt.

Nov. 1912

Teilmobilisierung in Österreich-Ungarn aufgrund des „Balkan-Kriegs“ und Konzentration von Truppen an der Grenze zu Serbien. Die deutsche Regierung unterstützt das Vorgehen und spricht sich für einen Angriff auf Serbien aus.

„Man darf in der serbischen Frage nicht retirieren. […] Ich fürchte mich nicht wenn es notwendig ist, einen europäischen Krieg zu entfesseln.“ ― Wilhelm II., deutscher Kaiser, gegenüber dem österreichischen Thronfolger Franz von Habsburg-Lothringen, Nov. 1912 (Chvostov, Geschichte der Diplomatie, II, S. 269)

22. Nov. 1912

Deutsch-österreichisches Treffen in Berlin zur Vorbereitung einer Intervention im „Balkan-Krieg“. Der deutsche Generalstabschef Moltke setzt seinem österreichischen Kollegen die strategischen Pläne für den Fall eines europäischen Kriegs auseinander.

2. Dez. 1912

Der deutsche Kanzler Bethmann erklärt öffentlich die „Bündnistreue“ Deutschlands gegenüber Österreich-Ungarn und heizt damit die österreichisch-serbische Krise weiter an.

5. Dez. 1912

Der „Dreibund“ wird bis 1922 erneuert.

8. Dez. 1912

Kriegsrat des deutschen Kaisers Wilhelm II. zum „Balkan-Krieg“.

„Ich habe meine Ideen entwickelt: 1. Wirtschaft. Zollunion mit Österreich, Schweiz, Italien, Belgien, den Niederlanden, etc., mit engerer Assoziation zur selben Zeit. 2. Außenpolitik. […] Schlüssel: England. […] Beginnen Sie damit die Spannung zu erhöhen. […] Ruinieren sie auch Englands Position im Mittelmeer. Dann Allianz. Zweck: Zentralafrika, Kleinasien.“ ― Walther Rathenau, deutscher Unternehmer, gegenüber dem deutschen Kanzler Theobald von Bethmann-Hollweg, 25. Jul. 1912 (Koch, The Origins of the First World War, S. 168 f)

Rathenau

Deutscher Außenminister 1922

Dez. 1912

Konferenz in der britischen Hauptstadt London zur Beendigung des „Balkan-Kriegs“.

27. Dez. 1912

Die „Londoner Konferenz“ beschließt die Unabhängigkeit des türkischen Gebiets Arnavutluk als „Albanien“. Der Staat erstreckt sich über die Regierungsbezirke Skutari und Yanya.

11. Jan. 1913

Gottlieb von Jagow wird deutscher Außenstaatssekretär.

23. Jan. 1913

Nach einer russischen Note an die Türkei, dass im Falle einer durch türkische Unnachgiebigkeit auf der „Londoner Konferenz“ ausgelösten Wiederaufnahme der Kämpfe im „Balkan-Krieg“ die russische Neutralität nicht mehr garantiert werden könne, droht Deutschland der russischen Regierung mit Konsequenzen für den Fall eines militärischen Eingreifens. Daraufhin bleibt die Türkei bei ihrer Haltung, was am 3. Feb. 1913 zu einer Wiederaufnahme der Kämpfe führt.

10. Feb. 1913

Die deutsche Regierung zögert nun im Bezug auf einen europäischen Konflikt. Sie warnt Österreich-Ungarn vor einem überhasteten Krieg gegen Serbien wegen der „Albanien-Krise“, da man dies aufgrund neuer serbischer Zugeständnisse der deutschen Bevölkerung nur „schwer vermitteln“ könne. Sie sei psychologisch noch nicht ausreichend auf einen darauf folgenden europäischen Krieg vorbereitet. Eine in Deutschland eingeleitete Heeresverstärkung werde zudem nicht vor Jahresende abgeschlossen sein.

„Der große Krieg verlangt die Bereitschaft des Volkes Opfer zu bringen, und allgemeinen Enthusiasmus. […] Ich bin daher dagegen einen Krieg mit Serbien zu provozieren, besonders nachdem Serbien in seinen albanischen Forderungen zurückgegangen ist. Nun wäre es schwierig für Deutschland ein effektives Schlagwort für einen großen Krieg zu finden. […] Die Slawen müssen zuerst angreifen.“ ― Helmuth von Moltke, deutscher Generalstabschef, in einem Brief an den österreichischen Generalstabschef Conrad von Hötzendorff, 10. Feb. 1913 (Koch, The Origins of the First World War, S. 74)

 

„Das Volk darf nicht in einer Position sein, sich nur bei Ausbruch eines großen europäischen Krieges zu fragen, was die Interessen seien für die Deutschland zu kämpfen hätte. Das Volk sollte vielmehr an die Idee eines solchen Krieges im Voraus gewöhnt werden.“ ― Georg Müller, deutscher Admiral, 8. Dez. 1912 (Koch, The Origins of the First World War, S. 73)

 

„Das Seltsame ist, […] dass Deutschland zwar Weltpolitik betreibt, dass aber diese Weltpolitik noch nicht ein Teil der Volksanschauung geworden ist. Durch seine Kraft und Macht, durch die Blutfülle, die es in sich hat, wird Deutschland dazu getrieben, sich über die Welt hin zu betätigen, eruptiv bricht die Weltpolitik aus ihm hervor.“ ― „Das Neue Deutschland“, deutsche Zeitschrift, 28. Okt. 1914

 

„Die Popularität eines Krieges gegen Russland sollte in der Presse besser vorbereitet werden.“ ― Helmuth von Moltke, deutscher Generalstabschef, 8. Dez. 1912 (Koch, The Origins of the First World War, S. 72 f)

 

[Der] Schaden […] besteht in dem mangelnden Interesse und Verständnis des Volkes für die äußere Politik und der aus diesem Mangel zu erklärenden Abneigung, für die Erweiterung der deutschen Macht Opfer zu bringen.“ ― Friedrich Naumann (NSV), deutscher Geostratege, 1897 (Naumann, National-sozialer Katechismus, §2, Nr 52)

Feb. 1913

Der deutsche Botschafter in Mexiko, Paul von Hintze, versucht in Gesprächen mit Außenminister Pedro Lascuraín („Fortschrittliche Verfassungspartei“ – PCP), den deutsch-freundlichen General Victoriano de la Huerta (PC) als mexikanischen Diktator durchzusetzen.

[Ich forderte die] Einsetzung von General Huerta als Generalgouverneur von Mexiko, mit allen Vollmachten. […] Eine Militärdiktatur ist die der Situation angemessene Regierung, und die, die uns am besten nützt.“ ― Paul von Hintze, deutscher Botschafter in Mexiko, Aug. 1913 (Katz, The Secret War in Mexico, S. 104)

Hintze

Deutscher Außenstaatssekretär 1918

19. Feb. 1913

Der von Deutschland unterstützte General Huerta (PC) übernimmt in Mexiko nach einem Putsch die Regierung.

22. Mär. 1913

Auf einer Botschafterkonferenz in der britischen Hauptstadt London wird die Sicherung der türkischen Grenze gegen Montenegro beschlossen. Deutschland entsendet Delegierte in die Grenzkommission.

20. Apr. 1913

Endgültiger Waffenstillstand im „Balkan-Krieg“.

Apr. 1913

Europäische Flottendemonstration gegen Montenegro zur Durchsetzung des Endes der Besetzung der türkischen Stadt Skutari an der auch die deutsche Kaiserliche Marine teilnimmt.

Mai 1913

Fortsetzung der „Londoner Konferenz“ zur Beendigung des „Balkan-Kriegs“.

15. Mai 1913

Deutschland erkennt die Regierung Huerta (PC) in Mexiko an.

16. Mai 1913

Die von Montenegrinern besetzte türkische Stadt Skutari wird an einen internationalen „Admiralsrat“ übergeben. Auch die deutsche Fahne weht nun auf der Zitadelle.

Mai 1913

Kaiser Wilhelm II. fordert, dass Deutschland bei einer etwaigen Aufteilung der Türkei unter die Großmächte sich die Regierungsbezirke Bağdat, Basra, Iskenderun, Mersin und Musul sichert.

„Lasst uns sicherstellen, dass die Aufteilung [der Türkei] nicht ohne uns erfolgt. Ich will Mesopotamien, Alexandretta, Mersina.“ ― Wilhelm II., deutscher Kaiser, Mai 1913 (Koch, The Origins of the First World War, S. 155)

 

„Was die heutige Türkei betrifft, so haben wir uns schleunigst zu sichern, was andere Völker uns sonst vor der Nase wegschnappen könnten und was in einigen Jahren hohe Preise haben dürfte. Nachdem das deutsche Volk auf Marokko verzichtet hat, sollte es sich mit allen Kräften der asiatischen Türkei zuwenden, um bei deren demnächstiger unausbleiblicher Aufteilung nicht noch einmal leer auszugehen.“ ― Ewald Banse, deutscher Geostratege, 1913 (Stern 9/2003)

30. Mai 1913

Der „Frieden von London“ beendet des „Balkan-Krieg“.

Jun. 1913

Ausbruch des „II. Verfassungsaufstands“ in Mexiko. Im Zug des Konflikts wird eine von Deutschland geführte Intervention der europäischen Großmächte geplant.

29. Jun. 1913

Ausbruch des „II. Balkan-Kriegs“ Griechenlands, Rumäniens und Serbiens gegen Bulgarien.

7. Jul. 1913

Erich von Falkenhayn wird preußischer Kriegsminister.

 

Falkenhayn

Preußischer Kriegsminister 1913-15

Deutscher Generalstabschef 1914-16

29. Jul. 1913

Die Unabhängigkeit des türkischen Gebiets Arnavutluk als „Albanien“ wird von Deutschland anerkannt.

Aug. 1913

Der deutsche Botschafter in Mexiko, Rudolf von Kardorff, bittet die Regierung um Entsendung eines Kriegsschiffs nach Veracruz, um dort gegenüber der amerikanischen Flotte Präsenz zu zeigen. Kaiser Wilhelm II. lehnt wegen der Gefahr eines offenen Kriegs mit den USA ab.

Aug. 1913

Intervention eines deutschen Kriegsschiffs in China, zusammen mit britischen und japanischen Einheiten. Ein Fort am Yangze wird besetzt.

10. Aug. 1913

Der „Frieden von Bucareşti“ beendet den „II. Balkan-Krieg“.

Okt. 1913

Nach einem Überfall albanischer Kommandos auf serbischem Gebiet verkündet die serbische Regierung eine Teilmobilmachung und besetzt Teile des albanischen Grenzgebiets. Die Möglichkeit einer österreichischen Intervention entsteht.

16. Okt. 1913

Im serbisch-albanischen Konflikt versichert die deutsche Regierung der österreichischen ihre Unterstützung für ein Ultimatum an Serbien.

18. Okt. 1913

Österreichisches Ultimatum an Serbien zum Rückzug aus Albanien. Serbien nimmt nach Rücksprache mit der russischen Regierung an.

„Die anderen sind nicht bereit, sie werden nichts dagegen unternehmen. In ein paar Tagen müsst ihr in Belgrad stehen.“ ― Wilhelm II., deutscher Kaiser, gegenüber dem österreichischen Generalstabschef Conrad von Hötzendorff, Okt. 1913 (Dollinger, Der Erste Weltkrieg, S. 29)

 

„Das [= die Verhinderung eines österreichischen Angriffs auf Serbien] wäre sehr bedauerlich. Jetzt oder nie.“ ― Wilhelm II., deutscher Kaiser, Okt. 1913 (Koch, The Origins of the First World War, S. 76)

 

„Serbien ist ein Knochen im Halse.“ ― Wilhelm II., deutscher Kaiser, 1906 (British Documents on the Origins of the War, V, Nr 135)

1. Nov. 1913

Eine Militärkonvention Deutschlands mit Italien und Österreich-Ungarn wird abgeschlossen.

Nov. 1913

Eine 42-köpfige deutsche Militärmission wird in die Türkei entsandt. Die russische Regierung protestiert.

[Ich will] keinen Krieg, solange wir nicht ein festes Bündnis mit der Türkei haben und ebenso mit allen arabischen und maurischen Herrschern.“ ― Wilhelm II., deutscher Kaiser, 1905 (Chvostov, Geschichte der Diplomatie, II, S. 213)

27. Nov. 1913

Ein Geheimvertrag Deutschlands mit der Türkei wird abgeschlossen.

„Deutschland muss in der Weltpolitik […] offensive Ziele verfolgen. Die immer wachsende Zahl seiner Einwohner weist es gebieterisch auf koloniale Ausdehnung, allerdings damit auf einen Weg hin, der sich mit den Weltherrschaftsideen Englands sicher einmal kreuzen wird.“ ― Helmuth von Moltke, deutscher Generalstabschef, 1911 (Reichsarchiv, Der Weltkrieg, I, S. 127)

 

[Wenn] der Sultan [Abdülhamit II.] des Propheten grüne Fahne entroll[t], dann wird es Allah in allen Ecken Asiens und Afrikas ertönen, und mit den Christen ist es dann zu Ende.“ ― Wilhelm II., deutscher Kaiser, Sep. 1908 (Lepsius, Die große Politik der Europäischen Kabinette, XXV, S. 622)

1914

Wegen geplanter Landenteignungen bricht in Dwala im deutsch besetzten Cameroun ein Aufstand aus.

22. Jan. 1914

In der internationalen „Kontrollkommission“ für Albanien nimmt auch ein deutscher Aufseher Platz.

Feb. 1914

Die deutsche Regierung entschließt sich im mexikanischen „II. Verfassungsaufstand“ zur militärischen Unterstützung Präsident Huertas (PC) und tritt damit in offenen Konflikt zu den USA.

 

Huerta

Mexikanischer Präsident 1913-14

Ein Komplize des deutschen Imperialismus

7. Mär. 1914

Der Deutsche Wilhelm zu Wied wird albanischer König.

10. Mär. 1914

Eine Militärkonvention Deutschlands mit Italien und Österreich-Ungarn wird abgeschlossen.

19. Apr. 1914

Der „Geheimdienst der Vereinigten Staaten“ (USSS) erfährt von einer bevorstehenden deutschen Waffenlieferung an die mexikanische Huerta-Regierung.

„Dampfer Ypiranga, im Besitz der Hamburg-Amerika-Linie, wird morgen von Deutschland eintreffen mit 200 Maschinengewehren und 15,000,000 Patronen.“ ― William Canada, amerikanischer Konsul in Veracruz, 21. Apr. 1913 (Tuchman, The Zimmermann Telegram, S. 49)

20. Apr. 1914

Aufgrund der deutschen Unterstützung für die mexikanische Huerta-Regierung, fragt der amerikanische Präsident Woodrow Wilson (Democratic Party) im Kongress nach der Ermächtigung zum Einsatz militärischer Gewalt gegen Mexiko an.

„In dem Fortschritte der Yankees scheint ihm [= dem deutschen Einfluss in Lateinamerika] eine gefährliche Gegnerschaft zu erwachsen.“ ― Karl Lamprecht, deutscher Historiker, Aug. 1903 (Lamprecht, Deutsche Geschichte, Erg. II, S. 574)

21. Apr. 1914

Der amerikanische Präsident Wilson (Democratic Party) ordnet die Besetzung des Gebäudes der mexikanischen Zollbehörde in Veracruz an, um die Entladung der deutschen Waffenlieferung an die Huerta-Regierung zu verhindern.

10. Mai 1914

Bruch des Vertrags mit Russland über Persien von 1911 durch die Entsendung deutscher Reserveoffiziere in den Norden des Staats.

12. Mai 1914

Der deutsche Generalstabschef Moltke trifft seinen österreichischen Kollegen Conrad von Hötzendorff in Karlovy Vary und diskutiert die Möglichkeit des baldigen Ausbruchs eines europäischen Kriegs.

„Jedwede Verzögerung [des europäischen Kriegs] bedeutet eine Verminderung unserer Chancen.“ ― Helmuth von Moltke, deutscher Generalstabschef, gegenüber dem österreichischen Generalstabschef Conrad von Hötzendorff, 12. Mai 1914 (Koch, The Origins of the First World War, S. 78)

 

„Ich muss Sie darauf hinweisen dass er [= der europäische Krieg] dieses Jahr ausbrechen wird. Seien Sie auf ihn vorbereitet. Ich habe es von seiner Majestät eigenen Lippen.“ ― Erich Tülff, deutscher General, gegenüber seinen Offizieren, 27. Jan. 1914 (Koch, The Origins of the First World War, S. 181)

18. Mai 1914

Deutschland stellt die im Norden Persiens lebenden protestantischen Syrer unter seinen „Schutz“. Erneuter Bruch des Vertrags mit Russland von 1911.

27. Mai 1914

Die deutsche Waffenlieferung an die mexikanische Huerta-Regierung wird in Puerto México entladen.

3. Jun. 1914

Generalstabschef Moltke bittet Außenstaatssekretär Jagow, die deutsche Außenpolitik mehr als bisher auf die rasche Provokation eines europäischen Kriegs auszurichten.

[Ich rate ihnen] unsere Politik auf die frühe Provokation des Krieges hin zu orientieren.“ ― Helmuth von Moltke, deutscher Generalstabschef, gegenüber dem deutschen Außenstaatssekretär Gottlieb von Jagow, 3. Jun. 1914 (Koch, The Origins of the First World War, S. 78)

15. Jun. 1914

Der von Deutschland unterstützte mexikanische Präsident Huerta (PC) wird gestürzt und muss auf einem deutschen Kriegsschiff das Land in Richtung Spanien verlassen.

28. Jun. 1914

Im österreichisch besetzten Sarajevo wird Thronfolger Franz von Habsburg-Lothringen von einem Mitglied der serbischen Organisation „Schwarze Hand“ (ČR) erschossen.

2. Jul. 1914

Der deutsche Generalstab teilt der Regierung mit, dass der Ausbruch eines europäischen Kriegs nun wünschenswert sei.

„Ich habe den Eindruck gewonnen, dass der große Generalstab den Ausbruch des Krieges jetzt für wünschenswert halten würde.“ ― Der sächsische Militärbevollmächtigte in Berlin an seine Regierung, 2. Jul. 1914 (Chvostov, Geschichte der Diplomatie, II, S. 296)

5. Jul. 1914

Deutschland drängt Österreich-Ungarn in den „Potsdamer Besprechungen“ zum Krieg und unterstützt ein Ultimatum an Serbien, das die Besetzung des gesamten Staats durch österreichische Truppen fordert.

„Wir sind der Ansicht, dass wenn der Krieg kommen muss, es besser ist, er kommt jetzt als in ein bis zwei Jahren, wo die Entente viel stärker sein wird als heute.“ ― Theobald von Bethmann-Hollweg, deutscher Kanzler, gegenüber der österreichischen Regierung, Jul. 1914 (Berliner Monatshefte 1/1932)

Bethmann

Deutscher Kanzler 1909-17

Preußischer Ministerpräsident 1909-17

 

„Ich hoffe Sie werden nicht mehr zurückgehen, sondern die Sache [= das Ultimatum an Serbien] mit aller Energie durchführen.“ ― Wilhelm II., deutscher Kaiser, gegenüber dem österreichischen Außenminister Leopold Berchtold, Jul. 1914 (Berliner Monatshefte 1/1932)

 

„Wenn man einen Weltkrieg beginnt, muss man sorgfältig überlegen.“ ― Helmuth von Moltke, deutscher Generalstabschef, 19. Feb. 1913 (Koch, The Origins of the First World War, S. 178)

7. Jul. 1914

Nach den „Potsdamer Besprechungen“ entschließt sich die österreichische Regierung zum Krieg gegen Serbien.

Jul. 1914

Nach den „Potsdamer Besprechungen“ und der Entscheidung zum europäischen Krieg versucht die deutsche Regierung ihr Vorgehen zu verschleiern. Die führenden Politiker fahren in Urlaub, der deutschen Presse wird verordnet, Bemerkungen zum österreichisch-serbischen Konflikt „absichtlich milde“ zu redigieren.

12. Jul. 1914

Admiral Wilhelm Souchon rät dem deutschen Kaiser Wilhelm II., die im türkischen Regierungsbezirk Beyrut und im Unterbezirk Yerelmasi ansässige deutsche Minderheit des „Deutschen Tempels“ als „Bollwerk deutscher Art“ im Kampf um den Nahen Osten zu verstehen.

15. Jul. 1914

Der deutsche Botschafter in der Türkei, Hans von Wangenheim, informiert seinen italienischen Kollegen über das bevorstehende österreichische Ultimatum an Serbien, welches so formuliert werde, dass ein Krieg unvermeidlich sei.

Jul. 1914

Die Stellung eines österreichischen Ultimatums an Serbien verzögert sich Aufgrund ungarischer Bedenken. Der deutsche Kaiser Wilhelm II. beschwert sich über die Hinausschiebung: „So dauert das sehr lang“.

„Den Sandschak räumen. Dann ist der Krakeel sofort da.“ ― Wilhelm II., deutscher Kaiser, auf eine Anfrage der österreichischen Regierung, was man denn „Unannnehmbares“ in ein Ultimatum an Serbien schreiben könnte, Jul. 1914 (Deutsche Dokumente zum Kriegsausbruch, I/29, S. 47)

 

„Die deutsche Regierung war bemüht das Wiener Kabinett zurückzuhalten und zu mäßigen.“ ― Karl von Lichnowsky, deutscher Botschafter in Großbritannien, gegenüber dem britischen Außensekretär Edward Grey (Liberal Party), 23. Jul. 1914 (Collected Documents Relating the Outbreak of the European War, Cd. 7860, S. 406)

23. Jul. 1914

Unannehmbares Ultimatum Österreich-Ungarns an Serbien. Die Besetzung des gesamten Staats wird gefordert. Die italienische Regierung erklärt daraufhin, nicht an der Seite Österreich-Ungarns Krieg führen zu wollen, da Wien unter Bruch des „Dreibunds“ Italien nicht über das Vorgehen gegen Serbien informiert hatte.

„Dieser Wunsch [der Stationierung österreichischer Truppen in Serbien] ist so selbstverständlich und natürlich, dass ein großes Maß von Übelwollen dazu gehört, in ihm eine Verletzung der Selbständigkeit Serbiens zu sehen.“ ― „Münchener Neueste Nachrichten“, deutsche Tageszeitung, über das österreichische Ultimatum an Serbien, 8. Jul. 1914

 

„Alles war sehr geschickt von Deutschland vorbereitet und der Moment sehr schnell genutzt worden, mit der sicheren Absicht einen Krieg zu beginnen der in den letzten Jahren unvermeidlich geworden war.“ ― Otto Hoetzsch, deutscher Geostratege, Nov. 1915 (Koch, The Origins of the First World War, S. 187)

 

„Warum sollte man nicht zugeben was die Wahrheit ist und die Wahrheit sein muss, dass alles gemeinsam von Wien und Berlin vorbereitet wurde.“ ― „Die Zukunft“, deutsche Zeitschrift, 1. Aug. 1914

 

„Aus den Schriftstücken, die Ihnen zugegangen sind, werden Sie ersehen, wie meine Regierung und vor allem mein Kanzler bis zum letzten Augenblick bemüht waren, das Äußerste abzuwenden. In aufgedrungener Notwehr mit reinem Gewissen und reiner Hand ergreifen wir das Schwert.“ ― Wilhelm II., deutscher Kaiser, gegenüber den Abgeordneten des Reichstags, 4. Aug. 1914 (Bredt, Der deutsche Reichstag im Weltkrieg, S. 52)

 

„Grundzüge deutschen Wesens: Deutsch ist zunächst die schlichte Ehrlichkeit, in der unsere Führer reden und handeln.“ ― „Vorwärts zum Sieg“, deutsche Zeitschrift, Apr. 1915

27. Jul. 1914

Die britische Regierung berät über ihr Verhalten im Fall eines europäischen Kriegs. Die prodeutsche pazifistische Gruppe in der Regierung – Berlins „Fünfte Kolonne“ in London – spricht sich für Frieden mit Deutschland aus.

„Sieben Jahre lang haben einige der Alldeutschen die Prodeutschen in diesem Lande bearbeitet. Die Alldeutschen sind Chauvinisten; unsere Prodeutschen sind Pazifisten; trotzdem aber stehen die letzteren sehr unter dem Einfluss der ersteren.“ ― Edward Grey (Liberal Party), britischer Außensekretär, 5. Mär. 1913 (Chvostov, Geschichte der Diplomatie, I, S. 253)

29. Jul. 1914

Österreich-Ungarn erklärt Serbien den Krieg. Offizieller Beginn des „Weltkriegs“.

[Deutschland] hat planmäßig darauf hingearbeitet, Österreich zunächst fest zu engagieren, um seiner sicher zu sein. Die ganze Aktion in Serbien ist von vornherein in solcher Form eingeleitet worden, dass der Konflikt unvermeidlich war.“ ― Arthur von Gwinner, Direktor der „Deutschen Bank“, 22. Aug. 1914 (Kloster, Der deutsche Generalstab und der Präventivkriegs-Gedanke, S. 4)

 

„Das Kaiserreich war der Friede. Der Kaiser wollte den Frieden. Sein Volk wollte den Frieden.“ ― Rudolph Stratz, deutscher Historiker, über den Ausbruch des „Weltkriegs“, 1933 (Stratz, Der Weltkrieg, S. 7)

31. Jul. 1914

Der „Zustand drohender Kriegsgefahr“ wird in Deutschland verkündet.

1. Aug. 1914

Die griechische Regierung berichtet über Verhandlungen der deutschen Firma „Burner“ mit der türkischen Regierung über den Ankauf alter Gewehre. Diese sollen direkt nach Indien geschickt werden, um dort islamische Rebellen auszurüsten.

1. Aug. 1914

Deutsche Kriegserklärung an Russland.

 

„Wir werden […] auf einen Schlag nachholen, was wir bisher bei der Teilung der Erde versäumt haben.“ ― Heinrich Claß, ADV-Chef, 1917 (Claß, Zum deutschen Kriegsziel, S. 60)

„Sonst kriege ich die Sozialdemokraten nicht mit.“ ― Theobald von Bethmann-Hollweg, deutscher Kanzler, auf die Frage Albert Ballins warum er es so eilig hat Russland den Krieg zu erklären, Jul. 1914 (Bülow, Denkwürdigkeiten, III, S. 168)

 

„Krieg dem Zarismus.“ ― Franz Mehring („Sozialdemokratische Partei Deutschlands“ – SPD), deutscher Abgeordneter, 22. Aug. 1914 (Mehring, Gesammelte Schriften, XV, S. 642)

 

„Wir wollen nicht, dass unsere Frauen und Kinder Opfer kosakischer Bestialitäten werden.“ ― Friedrich Stampfer (SPD), deutscher Abgeordneter, Aug. 1914 (Kratz, Rechte Genossen, www.peter-kratz.de)

 

„Die deutschen Sozialisten sind gezwungen, ihr Vaterland gegen den Zarismus zu verteidigen.“ ― Albert Südekum (SPD), deutscher Abgeordneter, 12. Sep. 1914 (Vorwärts, 12.09.1914)

 

„Seit der Reichsgründung ist es durch 43 Jahre Mein und Meiner Väter heißes Bemühen gewesen, der Welt den Frieden zu erhalten und im Frieden unsere kraftvolle Entwicklung zu fördern. Aber die Gegner neiden uns den Erfolg unserer Arbeit.“ ― Wilhelm II., deutscher Kaiser, 6. Aug. 1914 (Krummacher, Die Weimarer Republik, S. 13)

1. Aug. 1914

Deutscher Angriff auf Luxemburg.

„Nachdem Frankreich, die Neutralität Luxemburgs nicht achtend die Feindseligkeiten – wie zweifelsfrei festgestellt – von luxemburgischem Boden aus

gegen Deutschland eröffnete, haben Seine Majestät Befehl erteilt, dass auch deutsche Truppen in Luxemburg einrücken.“ ― Erich Tülff, deutscher General, 2. Aug. 1914 (The German Occupation of Luxembourg, www.gwpda.org)

 

„Es befindet sich auf Luxemburgischem Boden absolut kein französisches Militär noch irgendwelche Anzeichen von einer Bedrohung der Neutralität von seiten Frankreichs. Im Gegenteil, am 1. Aug., Samstag abends, wurden auf französischem Boden bei Mont-Saint-Martin-Longwy die Schienen der

Eisenbahn aufgerissen. Das beweist, dass bereits damals die Absicht nicht vorlag, per Bahn nach Luxemburg vorzudringen.“ ― Paul Eyschen („Demokratische Partei“ – DP), luxemburgischer Regierungspräsident, 3. Aug. 1914 (The German Occupation of Luxembourg, www.gwpda.org)

2. Aug. 1914

Ein geheimes „Schutz- und Trutzbündnis“ Deutschlands mit der Türkei wird abgeschlossen.

2. Aug. 1914

Deutsches Ultimatum an Belgien, deutschen Truppen freien Durchzug nach Frankreich zu gewähren.

2. Aug. 1914

Erste deutsche Truppen operieren auf belgischem und französischem Gebiet.

„Uns treibt nicht Eroberungslust, uns beseelt der unbeugsame Wille, den Platz zu bewahren, auf den Gott uns gestellt hat.“ ― Wilhelm II., deutscher Kaiser, 4. Aug. 1914 (Bredt, Der deutsche Reichstag im Weltkrieg, S. 52)

3. Aug. 1914

Der deutsche Botschafter in der Türkei, Wangenheim, verhandelt mit Großwesir Sa’id Halim über einen türkischen Kriegseintritt. Der Kriegseintritt Schwedens auf Seiten der Mittelmächte wird in Aussicht gestellt.

3. Aug. 1914

Deutsche Kriegserklärung an Frankreich, woraufhin Italien den „Dreibund“ kündigt.

„Die Mobilmachung der Armee kann nicht früh genug ausgesprochen werden und [es] ist, ohne Rücksicht darauf, welche Haltung Frankreich bis dahin gezeigt hat, am fünften Tag an Frankreich der Krieg zu erklären.“ ― Helmuth von Moltke, deutscher Generalstabschef, 1877 (Moltke, Die deutschen Aufmarschpläne, S. 66)

4. Aug. 1914

Der deutsche Kanzler Bethmann spricht im Reichstag von angeblichen französischen Luftangriffen auf deutsche Eisenbahnlinien in Karlsruhe, Nürnberg und Wesel. Diese erfundenen Angriffe sollen vor der Bevölkerung einen deutschen Angriff auf Frankreich rechtfertigen.

[Es gibt keine] Informationen, dass jemals Bomben von feindlichen Luftschiffen auf die Eisenbahnlinien Nürnberg-Kissingen und Nürnberg-Ansbach geworfen wurden, weder vor noch nach dem Ausbruch des Krieges. Alle solchen Behauptungen und Zeitungsberichte haben sich als falsch herausgestellt.“ ― Der Magistrat der Stadt Nürnberg, 3. Apr. 1916 (Wilson, Convicted out of her own Mouth, S. 6)

4. Aug. 1914

Deutscher Angriff auf das neutrale Belgien und damit Bruch des Vertrags von 1839. Daraufhin erklärt Großbritannien Deutschland den Krieg. Beginn einer antibritischen Propagandakampagne in der deutschen Presse.

Deutsche Truppen in Belgien

„Unsere Tagespresse mag den Weltkrieg auf gewundene Intrigen der gegnerischen Staaten oder der gegnerischen Herrscher zurückführen, in Kriegsgedichten mag von dem perfiden Albion oder der englischen Metze geredet werden. […] Kein Schaden entsteht, wenn sich die Masse des Volkes an leichtfassbare Schlagworte hält. […] Unwesentlich sind alle diese Finessen. Wesentlich ist allein die Tatsache, dass Deutschland aus einer kontinentalen Großmacht zur Weltmachtstellung verlangt, seiner Entwicklung nach verlangen muss, und dass ihm dieser Weg von den drei anderen europäischen Mächten […] verlegt wird.“ ― „Das Neue Deutschland“, deutsche Zeitschrift, 28. Okt. 1914

 

„Wir sind jetzt in der Notwehr; und Not kennt kein Gebot. Unsere Truppen haben Luxemburg besetzt, vielleicht schon belgisches Gebiet betreten. Meine Herren, das widerspricht den Geboten des Völkerrechts. Die französische Regierung hat zwar in Brüssel erklärt, die Neutralität Belgiens respektieren zu wollen, solange der Gegner sie respektiere. Wir wussten aber, dass Frankreich zum Einfall bereitstand. Frankreich konnte warten, wir aber nicht. […] Das Unrecht – ich spreche offen –, das Unrecht, das wir damit tun werden wir wieder gut machen, sobald unser militärisches Ziel erreicht ist. Wer so bedroht ist wie wir und um sein Höchstes kämpft, der darf nur daran denken, wie er sich durchhaut.“ ― Theobald von Bethmann-Hollweg, deutscher Kanzler, 4. Aug. 1914 (Bredt, Der deutsche Reichstag im Weltkrieg, S. 52)

 

„Mitten im Frieden überfällt uns der Feind.“ ― Wilhelm II., deutscher Kaiser, 6. Aug. 1914 (Krummacher, Die Weimarer Republik, S. 13)

4. Aug. 1914

Die SPD stimmt im Reichstag den Kriegskrediten für die deutsche Regierung zu.

 

„Unsere Repräsentanten im Reichstag haben zu unzähligen Anlässen erklärt, dass die Sozialdemokraten ihr Vaterland nicht im Stich lassen könnten, sollte die Stunde des Schicksals schlagen; […] Die Vaterlandslosen Gesellen werden ihre Pflicht tun.“ ― „Münchener Post“, Tageszeitung der SPD, 1. Aug. 1914

„Wir lassen in der Stunde der Gefahr das eigene Vaterland nicht im Stich. […] Nicht für oder gegen den Krieg haben wir uns zu entscheiden, sondern über die Frage der für die Verteidigung des Landes erforderlichen Mittel.“ ― Hugo Haase (SPD), deutscher Abgeordneter, 4. Aug. 1914 (Dollinger, Das Kaiserreich, S. 372; Bredt, Der deutsche Reichstag im Weltkrieg, S. 53)

Haase

Deutscher Ratschef und Außenbeauftragter 1918-19

 

„Die SPD hat die Sache der deutschen Nation als die ihrige erkannt und muss das deutsche Großmachtstreben gegen das britische Empire unterstützen. In dem größten Krieg der Weltgeschichte, der jetzt begonnen hat, hat die deutsche Nation den Willen zum Sieg. Sie darf ihn haben, weil sie für eine innerlich gerechte Sache kämpft. Daher wird sie siegen.“ ― Joseph Bloch (SPD), deutscher Geostratege, Aug. 1914 (Sozialistische Monatshefte 8/1914)

 

„Andere Menschen hat der Krieg in kurzer Zeit aus uns allen gemacht. Das gilt unterschiedslos für hoch und niedrig, für arm und reich, für Privatpersonen und Staatsdiener. Solidarität und Hilfeleistung […] ist über Nacht Gemeingut eines großen und leistungsfähigen Volkes geworden.“ ― „Metallarbeiterzeitung“, Zeitschrift des deutschen „Metallarbeiterverbands“, 7. Nov. 1915

 

„Ich kenne keine Parteien mehr, kenne nur noch Deutsche.“ ― Wilhelm II., deutscher Kaiser, 26. Aug. 1914 (Krummacher, Die Weimarer Republik, S. 13)

6. Aug. 1914

Serbien tritt in den Kampf gegen den deutschen Imperialismus ein.

„Jetzt oder nie.“ ― Wilhelm II., deutscher Kaiser, in einer Bemerkung zur Feststellung des deutschen Botschafters in Österreich-Ungarn, Heinrich von Tschirschky, man höre „bei ernsten Leuten vielfach den Wunsch, es müsse einmal gründlich mit den Serben abgerechnet werden“, 30. Jun. 1914 (Deutsche Dokumente zum Kriegsausbruch, I, S. 13)

6. Aug. 1914

Kanzler Bethmann beauftragt den deutschen Botschafter in Schweden, finnischen Separatisten einen „autonomen Pufferstaat“ in Aussicht zu stellen, um im russischen Großherzogtum Finljandija einen Aufstand hervorzurufen.

9. Aug. 1914

Die Aufstände im deutsch besetzten Cameroun werden endgültig niedergeschlagen.

11. Aug. 1914

Montenegro tritt in den Kampf gegen den deutschen Imperialismus ein.

11. Aug. 1914

Pläne zur „Revolutionierung“ des russischen Königreichs Polša und des Gebiets Ukraina werden im Auswärtigen Amt formuliert. Beginn von „Werbefahrten“ deutscher Abgeordneter wie Friedrich Ebert (SPD), Philipp Scheidemann (SPD), Gustav Noske (SPD) und August Winnig (SPD) in die Hauptstädte des neutralen Europa, um im Auftrag der deutschen Regierung für die deutsche Sache zu werben.

„Insurgierung nicht nur Polens, sondern auch der Ukrainer erscheint uns sehr wichtig als Kampfmittel gegen Russland.“ ― Gottlieb von Jagow, deutscher Außenstaatssekretär, 11. Aug. 1914 (Lynar, Deutsche Kriegsziele, S. 27)

Jagow

Deutscher Außenstaatssekretär 1913-16

 

„Wir würden es vor dem deutschen Vaterlande nicht verantworten können, wenn wir nicht den Versuch machten, als Preis des Krieges, eine Reform der Sozialdemokratie nach der nationalen […] Seite anzubahnen.“ ― Klemens Delbrück, deutscher Innenstaatssekretär, 13. Sep. 1914 (Schumann, Weltherrschaft im Visier, S. 91)

Aug. 1914

Gründung der „Kriegsrohstoffbehörde“ im preußischen Kriegsministerium in der der Giftgaseinsatz vorbereitet wird. Chef wird der Unternehmer Walther Rathenau.

Aug. 1914

Ein „Bund zur Befreiung der Ukraina“ (SSU) tritt in Kontakt mit der deutschen Regierung. Ziel der Bande ist ein „sozialistischer Staat“ mit einem „preußischen Fürsten“ an der Spitze.

Aug. 1914

Der deutsche Kolonialstaatssekretär Solf entwirft ein „Mittelafrika-Projekt“, das die „Verteilung der afrikanischen Kolonien Frankreichs, Belgiens und Portugals“ vorsieht. Zentrales Ziel ist ein geschlossenes deutsches Gebiet in Zentralafrika durch Landbrücken zwischen „Deutsch-Ostafrika“, „Deutsch-Südwestafrika“ und „Kamerun“. Das neue Gebiet soll umfassen: die belgische Kolonie Kongo, die französischen Kolonien Afrique Équatoriale (bis auf die Höhe des Chad-Sees) und Dahomé, die portugiesische Kronkolonie Angola und den Norden der portugiesischen Kolonie Moçambique.

[Im] Kongostaat habe ich [im Mai 1916] meine Augen und Ohren offen gehalten und immer wieder den Eingeborenen abgefühlt, wie sehr sie Belgier verachten und welch hohen Klang der deutsche Name durch den Krieg schon jetzt bei ihnen gewonnen hat. Und wie wird die Hochachtung vor allem, was deutsch ist, bei den Kongonegern steigen, wenn erst [der] Ruhm der Deutschen und die Schande ihrer Herren verkündet [wird].“ ― K… Roehl, deutscher Pastor und ehemaliger Missionar in „Deutsch-Ostafrika“, Mär. 1918 (Vorwärts zum Sieg 52-53/1918)

15. Aug. 1914

Deutscher Angriff auf das britische Protektorat East Africa und Besetzung von Taveta.

 

Deutsche Truppen in East Africa

18. Aug. 1914

Deutscher Einmarsch in der belgischen Hauptstadt Brussel.

„Nach einer halbjährigen Besetzung Belgiens durch deutsche Truppen, mehren sich die Anzeichen dafür, dass der alte Nationalhass zwischen Flamen und Wallonen wieder auflodert. […] Immerhin scheinen die flämischen Wünsche und ihr Verhältnis zu den wallonischen Forderungen die Punkte zu sein, bei denen […] in der Zukunft der deutsche Hebel wirksam einsetzen kann.“ ― P… Osswald, deutscher Geostratege, 1915 (Osswald, Zur belgischen Frage, S. 48)

19. Aug. 1914

Marokko tritt in den Kampf gegen den deutschen Imperialismus ein.

22. Aug. 1914

Deutscher Angriff auf Frankreich.

Deutsche Truppen in Frankreich

„Jede Ausdehnung in Europa ist von vornherein nur durch siegreiche Kriege herbeizuführen, da weder Frankreich noch Russland so menschenfreundlich sein werden, uns Teile ihres Gebietes abzutreten.“ ― Heinrich Claß, ADV-Chef, 1912 (Claß, Wenn ich der Kaiser wär, S. 137)

 

„Die Schaffung neuer aufnahmefähiger Absatzgebiete ergibt sich […] für Deutschland nach der Aufnahme der neuen industriereichen Gebiete mit gebieterischer Notwendigkeit; daher müsste auch Deutschland bei Friedensschluss neben dem französischen und belgischen Kongo auch Marokko als Kolonien unbedingt beanspruchen.“ ― August Thyssen, deutscher Unternehmer, Sep. 1914 (Opitz, Europastrategien des deutschen Kapitals, S. 224)

23. Aug. 1914

Japan tritt in den Kampf gegen den deutschen Imperialismus ein.

23. Aug. 1914

Das deutsche Generalgouvernement „Belgien“ wird verkündet.

25. Aug. 1914

Deutsche Truppen brennen einen Großteil der belgischen Stadt Leuven nieder.

„Dass einzelne Häuser, ja blühende Dörfer und selbst ganze Städte […] vernichtet werden, ist gewiss beklagenswert, darf aber zu unangebrachten Gemütsregungen nicht verleiten. […] Wer da von Barbarei spricht, frevelt.“ ― Ferdinand von Bissing, deutscher General, über den Befehl zur Vernichtung der belgischen Partisanenbewegung, Aug. 1914 (Förster, Der preußisch-deutsche Generalstab, S. 137)

 

„Die Order der Brigade ist, jeden Franzosen der uns in die Hände fällt zu erschießen, verwundet oder nicht. Es dürfen keine Gefangenen gemacht werden.“ ― R… Brenneisen, deutscher Soldat im „112. Regiment“, Aug. 1914 (Wilson, Convicted out of her own Mouth, S. 7)

 

Zur Erinnerung:

 

[Ich fordere] dass weniger Gefangene gemacht und mehr die Vernichtung des Feindes auf dem Schlachtfeld ins Auge gefasst wird.“ ― Otto von Bismarck-Schönhausen, norddeutscher Kanzler, 1870 (Bismarck, Politische Schriften, V/b, S. 636)

7. Sep. 1914

Die Kriegszieldenkschrift der „Kriegsrohstoffbehörde“ wird an den deutschen Kanzler Bethmann übergeben.

„Das Endziel [des Krieges] wäre der Zustand, der allein ein künftiges Gleichgewicht Europas bringen kann: Mitteleuropa geeinigt unter deutscher Führung, gegen England und Amerika einerseits, gegen Russland andererseits politisch und wirtschaftlich gefestigt. […] Die Kriegspartei [Großbritannien] würde über kurz oder lang einer deutsch-französischen Allianz gegenüber ihren Kredit verlieren. […] Für die weitere Behandlung Englands kommen […] folgende Faktoren in Betracht: die systematische Einwirkung auf die Nerven der Städte durch einen überwältigenden Luftdienst in erheblich größeren Dimensionen als bisher verlautete.“ ― Walther Rathenau, Chef der deutschen „Kriegsrohstoffbehörde“, 7. Sep. 1914 (Schumann, Weltherrschaft im Visier, S. 84/86)

9. Sep. 1914

Die Kriegszielrichtlinien des deutschen Kanzlers Bethmann – das so genannte „Septemberprogramm“ – entstehen.

„Frankreich [muss] so geschwächt werden, dass es als Großmacht nicht neuerstehen kann. […] Ein Handelsvertrag, der Frankreich in wirtschaftliche Abhängigkeit von Deutschland bringt [muss abgeschlossen werden]. […] Belgien muss zu einem Vasallenstaat herabsinken. […] Gründung eines mitteleuropäischen Wirtschaftsverbandes […] unter Einschluss von Frankreich, Belgien, Holland, Dänemark, Österreich-Ungarn, Polen, eventuell Italien, Schweden und Norwegen […] unter deutscher Führung mit wirtschaftlicher Vorherrschaft Deutschlands.“ ― Theobald von Bethmann-Hollweg, deutscher Kanzler, in seinem „Septemberprogramm“, 9. Sep. 1914 (Dollinger, Der Erste Weltkrieg, S. 145)

 

„An die Stelle der geographischen Ausdehnung [Deutschlands tritt] der innere Machtzuwachs und die endgültige Führerschaft Europas. [Sie ist] unentbehrlich, weil eine aufstrebende Zentralmacht wie Deutschland immer wieder unter der Eifersucht der Nachbarn zu leiden haben wird, sofern sie nicht die Kraft hat, diese Nachbarn organisch anzugliedern. […] Es ist die deutsche Aufgabe, den alt-europäischen Körper zu verwalten und zu stärken.“ ― Walther Rathenau, Chef der deutschen „Kriegsrohstoffbehörde“, der das „Septemberprogramm“ von Kanzler Theobald von Bethmann-Hollweg stark beeinflusst hat, 7. Sep. 1914 (Schumann, Weltherrschaft im Visier, S. 86)

9. Sep. 1914

Deutsche Besetzung des britischen Protektorats Walvis-Bucht in Südwestafrika.

14. Sep. 1914

Der preußische Kriegsminister Falkenhayn wird zusätzlich deutscher Generalstabschef.

15. Sep. 1914

Gegen Russland geht Deutschland zum Angriff über.

Deutsche Truppen in Russland

„Ob dies den anderen Staaten leid oder lieb ist, muss uns kalt lassen; sie mögen es wissen und beizeiten ihre Entscheidung treffen, ob sie vorziehen, uns im guten oder im bösen das zu verschaffen, was wir brauchen: Land.“ ― Heinrich Claß, ADV-Chef, 1912 (Claß, Wenn ich der Kaiser wär, S. 136)

 

„Befreiung der nichtrussischen Völkerschaften vom Joch des Moskowitertums und Schaffung von Selbstverwaltung im Innern der einzelnen Völkerschaften. Alles dies unter militärischer Oberhoheit Deutschlands, vielleicht auch mit Zollunion.“ ― Matthias Erzberger (Zentrum), deutscher Abgeordneter, über die deutschen Russland-Pläne, 1914 (Fischer, Griff nach der Weltmacht, S. 118)

Erzberger

Ein Vordenker des deutschen Imperialismus

Sep. 1914

Die Kriegszieldenkschrift des deutschen Unternehmers August Thyssen entsteht.

19. Sep. 1914

Deutscher Angriff auf Südafrika mit Besetzung Rietfonteins.

23. Sep. 1914

In der türkischen Hauptstadt İstanbul fordern deutsche Offiziere in Verhandlungen mit Großwesir Halim einen Angriff auf Ägypten.

[Ich will] die Streitkräfte des Mohammedanismus in vollstem Ausmaß – unter preußischer Führung – zu meiner Verfügung.“ ― Wilhelm II., deutscher Kaiser, 1913 (Liddell, History of the First World War, S. 31)

26. Sep. 1914

Vertreter des deutschen Auswärtigen Amts in Rumänien versprechen einer jüdischen Delegation „die Befreiung der Juden in Russland“. Ziel ist, die jüdische Bevölkerung im Gouvernement Bessarabija zum Aufstand anzustacheln.

Okt. 1914

Die deutsche Regierung versucht die USA und Japan in einen Krieg zu drängen. An der amerikanischen Westküste verbreitet sich das Gerücht, japanische Truppen seien in Mexiko gelandet. Der amerikanische USSS enthüllt später, dass diese Lügen über die Funkanlage des in Pearl Harbor liegenden deutschen Kriegsschiffs „Geier“ verbreitet wurden.

„Japans starker Hass gegen die Vereinigten Staaten, gekoppelt mit seinen bedeutenden promexikanischen Gefühlen, machen einen Krieg unausweichlich.“ ― Wilhelm von Schoen, deutscher Presseattaché in den USA, in einer öffentlichen Erklärung, Sep. 1914 (Tuchman, The Zimmerman Telegram, S. 57)

Schoen

Deutscher Außenstaatssekretär 1907-10

Okt. 1914

Kriegszieldenkschrift des preußischen Innenministers Friedrich von Loebell.

„Wir brauchen im Westen eine Grenze, die uns nach Möglichkeit den Schlüssel zu Frankreich in die Hand gibt. Wir können die unmittelbar an unserer Grenze liegenden Kohlen- und Erzgebiete gebrauchen. Vom militärischen Standpunkt aus ist es wünschenswert, auch die ostpreußische Grenze zu verbessern. Schließlich brauchen wir eine Kriegsentschädigung, die Frankreich auf lange Zeit ökonomisch fesselt und ihm die Möglichkeit nimmt, in anderen Teilen der Welt zu unserem Schaden eine finanzielle Tätigkeit zu entwickeln. […] In politischer Beziehung ist Großbritannien jetzt zu dem Feind geworden, der seine Lebensinteressen den unsrigen entgegenstellt und mit dem wir früher oder später Schluss machen müssen.“ ― Friedrich von Loebell, preußischer Innenminister, Okt. 1914 (Chvostov, Geschichte der Diplomatie, II, S. 335)

28. Okt. 1914

Die Türkei tritt als Komplize Deutschlands in den Krieg ein. Armee und Kriegsmarine werden von Deutschen kommandiert.

Mehmet V.

Türkischer Sultan 1909-18

Ein Komplize des deutschen Imperialismus

„Unsere Konsuln in Türkei und Indien, Agenten etc. müssen die ganze mohammedanische Welt gegen dieses verhasste, verlogene, gewissenlose [englische] Krämervolk zum wilden Aufstand entflammen.“ ― Wilhelm II., deutscher Kaiser, 30. Jul. 1914 (Lynar, Deutsche Kriegsziele, S. 31)

Deutsche Truppen in der Türkei

6. Nov. 1914

Deutscher Einmarsch in der portugiesischen Kolonie Angola.

16. Nov. 1914

Die Kriegszielforderungen der deutschen Industrie werden an Kanzler Bethmann übergeben.

[Wir] müssen […] uns den südlichen Zugang zum Roten Meer, an der Straße von Bab el Mandeb, gegenüber von Aden, Französisch-Somaliland abtreten lassen.“ ― Aus den Kriegszielforderungen der Industrie an die deutsche Regierung, 16. Nov. 1914 (Opitz, Europastrategien des deutschen Kapitals, S. 276)

 

„Das deutsche Volk führt den Krieg […] nicht um des Krieges willen, sondern es führt ihn um des Friedens willen.“ ― Peter Spahn (Zentrum), deutscher Abgeordneter, 10. Mär. 1915 (Bredt, Der deutsche Reichstag im Weltkrieg, S. 56)

Nov. 1914

Roger Casement, ein irischer Separatistenführer, stellt sich offen auf die Seite Deutschlands. Das Auswärtige Amt gibt eine „Erklärung an das irische Volk“ heraus.

Casement

Irischer Separatistenführer

Ein Komplize des deutschen Imperialismus

„Sollte in diesem großen Kriege […] das Glück es jemals mit sich bringen, dass deutsche Truppen an den Gestaden Irlands landen, so würden sie dort landen nicht als eine Armee von Eindringlingen, die plündern und zerstören, sondern als Streitkräfte einer Regierung, die einem Lande und einem Volke gegenüber, dem Deutschland nur nationale Entfaltung und nationale Freiheit wünscht, von nichts als von Wohlwollen geleitet ist.“ ― Aus der Erklärung des deutschen Auswärtigen Amts „an das irische Volk“, 20. Nov. 1914 (Curry, Sir Roger Casement, S. 96)

23. Nov. 1914

Der türkische Sultan Mehmet V. erklärt den „Heiligen Krieg“ (al-Jihad) an der Seite Deutschlands.

„Auch für uns ist der große Krieg, den wir führen, und in dem wir jetzt mit der Türkei verbündet sind, heilig. […] Schulter an Schulter mit den Völkern, die dem Rufe des Kalifen [Mehmet V.] folgen, kämpfen auch wir für unsere Zukunft und für die der mohammedanischen Welt, die heute weiß, dass ihr Heiliger Krieg auch der unserige ist.“ ― „Münchener Neueste Nachrichten“, deutsche Tageszeitung, 14. Nov. 1914

Dez. 1914

93 deutsche „Intellektuelle“ – u.a. Fritz Haber, Max Libermann, Max Planck, Max Reinhardt und Wilhelm Röntgen – verfassen ein Manifest, in dem angebliche „Lügen unserer Feinde“ zurückgewiesen werden.

„Es ist nicht wahr, dass wir in das neutrale Belgien eingedrungen sind. […] Es ist nicht wahr, dass unsere Truppen Löwen brutal behandelt haben. […] Es ist nicht wahr, dass unsere Kriegführung dem internationalem Recht keine Beachtung schenkt. Sie kennt keine undisziplinierte Grausamkeit. Aber im Osten ist die Erde getränkt mit dem Blut von Frauen und Kindern, erbarmungslos von den wilden russischen Truppen hingeschlachtet. […] Würde es keinen deutschen Militarismus geben, wäre die deutsche Zivilisation schon lange vernichtet worden.“ ― Aus dem Manifest der 93 deutschen „Intellektuellen“, Dez. 1914 (www.gwpda.org)

Dez. 1914

Deutsche Agenten werden nach Nordafrika gesandt, um den Scheich der italienischen Kolonie Cirenaica, Sa’id as-Sanusi, zum Jihad gegen Ägypten zu drängen.

Dez. 1914

Der ehemalige Generalstabschef Moltke schlägt Kaiser Wilhelm II. einen sofortigen deutschen Angriff auf den ägyptischen Suways-Kanal vor.

Dez. 1914

Um die Schiiten zum Anschluss an den vom türkischen Sultan Mehmet V. verkündeten Jihad zu bewegen, schickt die deutsche „Oberste Heeresleitung“ (OHL) die „Expedition Friedrich Klein“ nach Persien.

Deutsche Truppen in Persien

„Unsere geheime Sendung betraf nichts weniger als einen Versuch, den alten, schwelenden Streit zwischen Schiiten und Sunniten zu schlichten und den durch den Scheich ul Islam [Mehmet V.] bereits für die Sunniten verkündeten Heiligen Krieg auch für die schiitischen Mohammedaner auszurufen.“ ― Hans Lührs, ehemaliger deutscher Agent in Persien, 1936 (Lührs, Gegenspieler des Obersten Lawrence, S. 11 f)

24. Dez. 1914

Ein durch deutsche und türkische Agenten durchgeführtes Bombenattentat auf die Botschafter der Entente in der persischen Hauptstadt Tehran schlägt fehl.

30. Dez. 1914

Die portugiesische Regierung legt Protest gegen die deutschen Grenzverletzungen zu Angola ein.

1915

Das Buch „Mitteleuropa“ des deutschen Abgeordneten Naumann („Fortschrittliche Volkspartei“ – FVP) erscheint. Hier wird erneut die deutsche Führung eines „Europäischen Staatenbunds“ gefordert.

„Seine [= Naumanns] Ausrichtung auf eine die nationalen Grenzen überwindende europäische Konföderation gibt eine jener Traditionslinien an, an die anzuknüpfen wäre, wenn heute von deutscher Geschichte zu reden ist.“ ― Til Bastian (SPD), deutscher Geostratege, über das Buch „Mitteleuropa“, Jul. 1988 (Die Neue Gesellschaft 7/1988)

1. Jan. 1915

Deutsche Agenten legen in der „Roebling Steel Foundry“ im amerikanischen Trenton Feuer. In den folgenden Monaten kommt es immer wieder zu Sabotage-Aktionen deutscher Agenten an Verteidigungseinrichtungen der neutralen USA.

Jan. 1915

Die deutsche „Expedition Klein“ zahlt dem Großmujtahid Ali al-Irakein im türkischen Kerbela 50,000 Mark für die Ausrufung des Jihad auf Seiten des Kaisers.

„Als Gegengabe [für die 50,000 Mark] erhielten wir [von Irakein] die gewünschte Fatwa, den Aufruf an alle Schiiten zum Heiligen Krieg. […] Schließlich wurde auch noch ein Huldigungstelegramm an den Deutschen Kaiser abgeschickt.“ ― Hans Lührs, ehemaliger deutscher Agent in Persien, 1936 (Lührs, Gegenspieler des Obersten Lawrence, S. 20)

Jan. 1915

Deutsch-türkischer Angriff auf den ägyptischen Suways-Kanal.

3. Jan. 1915

Der „sozialliberale“ Imperialist Ernst Jäckh verfasst nach einem Aufenthalt in der Türkei eine Denkschrift über die „Revolutionierung feindlicher Gebiete“. Die Aufwiegelung zum Jihad soll in folgenden Gebieten organisiert werden: Afghanistan; Ägypten (die deutsche Regierung erwartet den Anschluss von 70,000 Beduinen); arabische Türkei; britisch-ägyptisches Kondominium Sudan; französische Ämter Algiers, Constantine und Oran; französische Protektorate Maroc und Tunis; indische Provinz Baluchistan; italienische Kolonien Cirenaica, Fezzan und Tripolitania und Russland (Gebiete mit moslemischer Bevölkerung). Zentrum der deutschen Jihad-Propaganda soll das türkische Şam werden.

21. Jan. 1915

Adolf Wild wird preußischer Kriegsminister.

2. Feb. 1915

Werner Horn – einer der in den USA tätigen deutschen Agenten – sprengt die Eisenbahnbrücke von Vanceboro nach Kanada. Damit sollen amerikanische Waffenlieferungen an Großbritannien über das Dominion Newfoundland getroffen werden.

5. Feb. 1915

Die deutsche „Expedition Klein“ sprengt die Erdöl-Pipeline der „Anglo-Persian Oil Company“ beim persischen Ahvaz. Eine weiteres deutsches Kommando versucht unterdessen, in die indische Provinz Baluchistan vorzudringen.

Feb. 1915

Der deutsche Botschafter in China, Paul von Hintze, macht der japanischen Regierung ein Bündnisangebot.

Feb. 1915

Bildung des „Referats Gaskampfwesen“ im preußischen Kriegsministerium.

Feb. 1915

Der ehemalige mexikanische Präsident Huerta erhält im spanischen Barcelona Besuch vom deutschen Kapitän Franz von Rintelen. Der schlägt ihm einen von Deutschland unterstützten Putsch in Mexiko vor, um so einen amerikanisch-mexikanischen Krieg zu provozieren.

Feb. 1915

Der deutsche Kanzler Bethmann beginnt seine Planungen, Indien durch angestachelte Revolten von Moslems und Sikhs zu destabilisieren. Einige der exilierten indischen Separatistenführer sammeln sich 1915 in Berlin, unter ihnen Lala Hardayal („Revolte“ – Ghadr), Virendranat Chattopadaya und eine Reihe islamischer Geistlicher. In Berlin wird ein „Indisches Unabhängigkeitskomitee“ gegründet.

 

Hardayal

Indischer Ghadr-Gründer

Ein Komplize des deutschen Imperialismus

10. Mär. 1915

Die Kriegszielforderungen von Industrie-, Landwirtschafts- und Mittelstandsverbänden („Zentralverband Deutscher Industrieller“, „Bund der Landwirte“ etc.) werden an den deutschen Kanzler Bethmann übergeben.

Mär./Apr. 1915

Der japanische Botschafter in Schweden erhält Besuche der deutschen, österreichischen und türkischen Botschafter, die ihn von den Vorzügen eines Bündnisses überzeugen wollen.

Mär. 1915

Gründung der „Reichsdeutschen Waffenbrüderlichen Vereinigung“ (RWV) durch Industrie und Banken zur Förderung des „Mitteleuropa-Gedankens“.

„Das ganze Gebiet vom Nördlichen Eismeer bis an die Gestade des Mittelländischen Meeres.“ ― Franz von Liszt (FVP), deutscher Abgeordneter, über die Ausmaße eines von Deutschland dominierten „Mitteleuropas“, 1914 (Liszt, Ein Mitteleuropäischer Staatenverband, S. 30)

 

„Schaffung eines Staatenbundes von Nordsee oder Atlantik bis zum Indischen Ozean: Deutschland-Österreich-Ungarn-Bulgarien-Griechenland-Türkei. […] [Es ist] nötig, die Begründung des Staatenbundes Europasien – auch für unsere Rohzufuhr aus der Türkei und für die aussichtsvollen Handelsbeziehungen mit diesem schon jetzt teilweise durch deutsche Kulturarbeit aufgeschlossenen reichen Lande – man denke besonders an das uralte Kulturland Babylonien.“ ― „Vorwärts zum Sieg“, deutsche Zeitschrift, Mär. 1917

 

[Deutschland hat] die letzte Möglichkeit, nach einer mitteleuropäischen Zollunion zu streben, der freiwillig oder unfreiwillig, früher oder später, die Staaten des westlichen Europas beitreten werden. […] Das Ziel sollte sein, eine Wirtschaftsunion zu schaffen, die der amerikanischen gleichwertig, vielleicht überlegen ist.“ ― Walther Rathenau, deutscher Unternehmer, 1913 (Koch, The Origins of the First World War, S. 166 f)

 

„Deutschland streitet für den europäischen Gedanken. Damit aber gewinnt Deutschland auch das Recht, das Haupt einer europäischen Staatengemeinschaft zu werden.“ ― „Das Neue Deutschland“, deutsche Zeitschrift, 28. Okt. 1914

22. Apr. 1915

Deutschland beginnt den Gaskrieg an der belgischen Ypres-Front.

„Ein Deutscher könnte gegenüber seinen Feinden nie so hart und grausam sein wie die Feinde uns gegenüber.“ ― Heinrich Claß, ADV-Chef, 31. Aug. 1929 (Buchheim, Die Weimarer Republik, S. 175)

 

„Eine Woche bevor die Deutschen erstmals diese Methode nutzten, verkündeten sie in ihrem offiziellen Communiqué, dass wir erstickende Gase anwenden würden. Zum damaligen Zeitpunkt schien es keinen Grund für diese erstaunliche Fälschung zu geben, nun jedoch ist klar, dass dies Teil der Intrige war.“ ― John French, britischer General, 3. Mai 1915 (Wilson, Convicted out of her own Mouth, S. 9)

Apr. 1915

Wilhelm Wassmuss beginnt seine Mission als deutscher Agent in Persien.

„Ein großer Krieg [ist] ausgebrochen, in dem die Deutschen auf der Seite des Islams gegen die Engländer kämpfen, der Heilige Krieg [ist] erklärt.“ ― Wilhelm Wassmuss, deutscher Agent, in seiner Botschaft an die Perser, Apr. 1915 (Mikusch, Wassmuss, S. 94)

Apr. 1915

Deutsche Intervention gegen einen Aufstand der basterischen Bevölkerung von Rehoboth im besetzten Südwestafrika.

„Dürfen wir Kraft unserer höheren Kultur uns anmaßen, über diese niederen Völker zu gebieten und sie im Laufe der Dinge zu uns emporzuziehen? Im Kern ist es fraglos, dass wir ein Recht auf Eingliederung neuer Stämme und Völker haben. […] Dabei wird ein Arbeitszwang wohl schwerlich zu vermeiden sein.“ ― Ludwig Radlof (SPD), deutscher Geostratege, 1915 (Radlof, Vaterland und Sozialdemokratie)

Mai 1915

Der deutsche Agent Wassmuss bildet im persischen Shiraz ein „Komitee zur Nationalen Verteidigung“ und versucht, Banditen zu rekrutieren, um britische und russische Einrichtungen in Persien anzugreifen.

Mai 1915

In Esfahan und Shiraz treffen wöchentlich ca. 300 deutsche Soldaten ein. Gleichzeitig beginnt die deutsche Spionagetätigkeit am persischen Hof, um Kaiser Ahmad Qajjar zu beeinflussen.

„Die unaufhörlichen Entsendungen von deutschen Offizieren, Waffen, Maschinengewehren und Geschossen nach Esfahan beginnen, einen beunruhigenden Umfang anzunehmen. Die Angelegenheit beginnt, den Charakter der Vorbereitung einer ganzen bewaffneten Expedition anzunehmen.“ ― Sergej Sasonov, russischer Außenminister, 1. Jul. 1915 (Hoetzsch, Die internationalen Beziehungen im Zeitalter des Imperialismus, II/h/a, S. 194)

9. Jun. 1915

Gründung des „Deutschen Wirtschaftsausschusses für Belgien“.

„Ich möchte für die Verhandlungen freie Bahn dafür behalten, dass Belgien mit Deutschland militärisch und wirtschaftlich verbunden wird.“ ― Georg Michaelis, deutscher Kanzler, 17. Aug. 1917 (Michaelis, Für Staat und Volk, S. 334)

Michaelis

Deutscher Kanzler 1917

Preußischer Ministerpräsident 1917

Jun. 1915

Gleichzeitig mit der erneuten Ausrufung des Jihad im türkischen Halep erklärt der deutsche Kaiser Wilhelm II. sich zum „Makkah-Pilger“ (al-Hajj). Das Gerücht, der Kaiser sei vollends zum Islam konvertiert, wird im Nahen Osten verbreitet.

„Wenn der heilige Krieg erklärt wird, wenn der Sultan [Mehmet V.] die grüne Fahne des Propheten erhebt und in feierlichem Gebet sich an die Söhne Mohammeds wendet, so geht ein unterirdisches Zittern wie ein Erdbeben durch den ganzen Orient.“ ― „Berliner Illustrierte Zeitung“, deutsche Zeitschrift, 8. Nov. 1914

6. Jul. 1915

Eine von deutschen Offizieren geführte bewaffnete Gruppe dringt über das persische Mashhad und Südrussland nach Afghanistan ein.

„Im gegenwärtigen Augenblick bewegen sich Karawanen von deutschen Agitatoren mit Kriegsmaterial, begleitet von aus der örtlichen Bevölkerung zusammengebrachten Banden, aus Esfahan anscheinend in der Richtung nach Afghanistan.“ ― Sergej Sasonov, russischer Außenminister, 21. Jul. 1915 (Hoetzsch, Die internationalen Beziehungen im Zeitalter des Imperialismus, II/h/a, S. 333)

6. Jul. 1915

Die deutschen Truppen in Russland bilden das „Verwaltungsgebiet des Oberbefehlshabers Ost“ (Ober-Ost). Dazu gehören die besetzten russischen Gouvernements Estonija, Kovno, Kurljandija, Lifljandija, Pskov und Vilno.

Jul. 1915

Die „Vertrauliche Denkschrift deutscher Hochschullehrer und Beamter“ wird der Regierung übergeben.

„Mit der französischen Gefahr wollen wir […] ein für allemal aufräumen. […] Wir müssen dieses Land um unseres eigenen Daseins Willen politisch und wirtschaftlich rücksichtslos schwächen. […] Belgien müssen wir […] politisch, militärisch und wirtschaftlich fest in der Hand behalten. […] Kämen wir in die Lage, England […] eine Kriegsentschädigung aufzuerlegen, kein Geldbetrag könnte hoch genug sein. Der Geldbeutel ist der empfindlichste Teil dieser Krämernation.“ ― Aus der „Vertraulichen Denkschrift deutscher Hochschullehrer und Beamter“, Jul. 1915 (Krummacher, Die Weimarer Republik, S. 31)

Sommer 1915

Deutsche und österreichische Offiziere versammeln sich im türkischen Şam, um Maßnahmen zur Ausweitung des Jihad vorzubereiten: Aufstachelung der paschtunischen Bevölkerung Afghanistans zum Jihad gegen Großbritannien; Entfesselung eines Jihad in Persien und Anstiftung der dortigen kurdischen Bevölkerung zum Kampf gegen die Briten. Der kaiserliche Ministerresident Oppenheim verfasst unterdessen die Denkschrift „Die Revolutionierung der islamischen Gebiete unserer Feinde“.

„Die geschichtliche Erfahrung hat gelehrt, dass schließlich mit den Feinden des Islam blutig abgerechnet wird. Diese Erfahrung haben namentlich die Engländer gemacht, und sie wird ihnen auch dieses Mal nicht erspart werden.“ ― „Berliner Illustrierte Zeitung“, deutsche Zeitschrift, 3. Okt. 1915

25. Aug. 1915

Das russische Königreich Polša wird von Deutschland als Generalgouvernement „Warschau“ annektiert.

„Wenn wirklich zur besseren Verteidigung Deutschlands im Osten die Annexion der Narew-Linie verlangt würde, dürfte irgendein Deutscher dagegen Widerspruch erheben?“ ― Otto Landsberg (SPD), deutscher Abgeordneter, 1915 (Dollinger, Der Erste Weltkrieg, S. 203)

 

„Wir müssen so stark werden und unsere Gegner so rücksichtslos schwächen, dass uns kein Feind mehr anzugreifen wagt: dazu ist unbedingt eine Grenzveränderung im Westen wie im Osten erforderlich.“ ― Gustav Stresemann („National-liberale Partei“ – NLP), deutscher Abgeordneter, 1915 (Dollinger, Der Erste Weltkrieg, S. 203)

1. Sep. 1915

Deutsche Agenten legen im amerikanischen Wilmington Feuer in einer Munitionsfabrik.

10. Sep. 1915

Die deutsche Regierung gibt eine Erklärung an Persien über die „politische und wirtschaftliche Unabhängigkeit“ des Staats nach einem deutschen „Endsieg“ ab.

„Deutschlands Ziel kann, wie in allen ähnlichen Fällen (Türkei, Marokko), nur ein starkes, unabhängiges Persien sein mit gleichem Recht für alle, höchstens mit einigen Vorrechten für Deutschland.“ ― Theodor Jaeger, deutscher Geostratege, 1916 (Deutsche Orientbücher 14/1916)

19. Sep. 1915

Deutscher Angriff auf Serbien.

Deutsche Truppen in Serbien

„Das serbische Gebiet [kann] nicht als feindliches Kastell innerhalb des mitteleuropäischen Schützengrabenverbandes geduldet werden.“ ― Friedrich Naumann (FVP), deutscher Abgeordneter, 1916 (Naumann, Bulgarien und Mitteleuropa, S. 57)

 

„Mit den Serben muss aufgeräumt werden, und zwar bald. Versteht sich alles von selbst und sind Binsenweisheiten.“ ― Wilhelm II., deutscher Kaiser, 30. Jun. 1914 (Deutsche Dokumente zum Kriegsausbruch, I, S. 13)

26. Sep. 1915

Eine deutsche Militärexpedition versucht vergeblich, Afghanistan als Komplizen gegen Großbritannien zu gewinnen.

Deutsche Truppen in Afghanistan

[Wir] müssen […] darauf bedacht sein, mit der Hilfe der Türkei uns am Kaspischen Meer die Grundlage für ein Zusammengehen mit Afghanistan zu schaffen, um England in Persien und Indien militärisch zu treffen.“ ― Erich Ludendorff, deutscher Generalquartiermeister, Mai 1918 (Süddeutsche Zeitung, 23.11.2001)

Ludendorff

Ein Vordenker des deutschen Imperialismus

 

„Es war von jeher […] mein Wunsch, die mohammedanischen Nationen unabhängig zu wissen. […] So liegt es mir nicht nur für den Augenblick am Herzen, den mohammedanischen Völkern in ihrem Kampfe um die Selbständigkeit zu helfen, sondern ich werde sie mit meiner kaiserlichen Regierung auch in Zukunft stützen.“ ― Wilhelm II., deutscher Kaiser, in einem Brief an den afghanischen Emir Habibullah, Apr. 1915 (Lynar, Deutsche Kriegsziele, S. 32)

30. Sep. 1915

Die deutsche Regierung entschließt sich zur Unterstützung der „Russischen sozialdemokratischen Arbeiterpartei (Mehrheitler) (RSDRP(B)). Deutschland setzt auf eine Destabilisierung Russlands nach einer sozialistischen Revolution.

Okt. 1915

Bis Okt. 1915 beschafft der deutsche Militärattaché in den USA, Franz von Papen, 11,500 Waffen, die nach Siam geschmuggelt werden sollen, um einen bengalischen Aufstand in Indien zu versorgen. Die amerikanische Polizei verhindert das Unternehmen.

6. Okt. 1915

Bulgarien tritt als Komplize Deutschlands in den Krieg ein und greift am 13. Okt. 1915 Serbien an. Der „Zweibund“ wird damit erneut zum „Dreibund“.

 

Ferdinand I.

Bulgarischer Kaiser 1908-18

Ein Komplize des deutschen Imperialismus

9. Okt. 1915

Deutscher Einmarsch in der serbischen Hauptstadt Beograd.

„Deutsche Kolonisation, deutscher Gewerbefleiß und deutsche Bildung sollen das geistig niedriger stehende Völkergemisch in unserm Südosten assimilieren und weiterentwickeln.“ ― „Alldeutsche Blätter“, Zeitschrift des ADV, 7. Jan. 1894

 

„Es ist die dringende Pflicht, die Folgen des Sieges so auszunutzen, dass Deutschlands militärische Oberhoheit auf dem Kontinent für alle Zeiten gesichert ist.“ ― Matthias Erzberger (Zentrum), deutscher Abgeordneter, 1915 (Dollinger, Der Erste Weltkrieg, S. 203)

Herbst 1915

Deutsche Besetzung von Montenegro.

„Alles, was an der Balkanbahn liegt, liegt an der für uns notwendigen Linie Hamburg-Suez, die wir uns von niemandem dürfen sperren lassen.“ ― Friedrich Naumann (FVP), deutscher Abgeordneter, 1916 (Naumann, Bulgarien und Mitteleuropa)

Herbst 1915

Deutscher Angriff auf Albanien.

„Ganz Südosteuropa ist kulturelles Kolonialland vor unseren Toren. Die Politik ist dazu da, den deutschen Werten auch äußerlich Raum zu verschaffen.“ ― Theobald von Bethmann-Hollweg, deutscher Kanzler, 1914 (Meurer, Die Intervention der BRD in den jugoslawischen Bürgerkrieg, S. 5)

Nov. 1915

Der Scheich der italienischen Kolonie Cirenaica, Sa’id as-Sanusi, tritt, nach langer Bearbeitung durch den Geheimdienst, auf Seiten Deutschlands in den Krieg ein und greift Ägypten an.

9. Dez. 1915

Deutsche Agenten legen in Arbeiterquartieren der amerikanischen „Du Pont Works“ in Hopewell Feuer. 31 Arbeiter sterben.

„Amerika zählt zu den schlimmsten Feinden Deutschlands.“ ― Ernst von Heydebrand („Deutsch-konservative Partei“ DKP), deutscher Abgeordneter, Jan. 1916 (Gerard, Face to Face with Kaiserism, www.gwpda.org)

1915/16

Massaker der mit Deutschland verbündeten Türkei an der armenischen Bevölkerung mit rund 600,000 Ermordeten.

„Wenn die türkischen Behörden glauben es sei opportun energische Maßnahmen gegen die unzuverlässigen, blutrünstigen, gewalttätigen armenischen Elemente zu ergreifen, ist dies nicht nur ihr Recht, sondern ihre Pflicht dies zu tun.“ ― Ernst zu Rewentlow, deutscher Kapitänleutnant, Okt. 1915 (St Paul Pioneer Press, 08.10.1915)

 

„Unser einziges Ziel ist, die Türkei bis zum Ende des Krieges an unserer Seite zu halten, gleichgültig, ob darüber Armenier zu Grunde gehen oder nicht.“ ― Theobald von Bethmann-Hollweg, deutscher Kanzler, 7. Dez. 1915 (Süddeutsche Zeitung, 12.04.2005)

 

„Unsere Gegner werden einmal viel Geld bezahlen, um dieses Schriftstück zu besitzen, denn mit der Unterschrift eines Mitglieds der Militärmission werden sie beweisen, dass die Deutschen nicht allein nichts getan haben, um die Armenierverfolgung zu verhüten, sondern dass gewisse Befehle zu diesem Ziel sogar von ihnen ausgegangen, d.h. unterschrieben worden sind. […] Auch für die Türken ist die Tatsache kostbar, dass dieses Dokument, von dem noch viel die Rede sein wird, eine deutsche und nicht eine türkische Unterschrift trägt.“ ― Franz Günther, stellvertretender Chef der „Anatolischen Eisenbahn-Gesellschaft“, über den von einem deutschen Offizier unterzeichneten Deportationsbefehl für die armenischen Angestellten, 18. Nov. 1915 (Die Welt, 23.04.2005)